Erwartet hatte ich einen Nadolny, wie ich ihn kenne, vielleicht nur eine kleine Geschichte, die dafür aber aufwendig illustriert ist. Amnea ist aber ein Comic, viel Bild und wenig Text. Nadolny-Kenner werden sich hier nicht auf Anhieb zuhause fühlen.
Die Geschichte ist kurz erzählt: Zwei Wesen mit übernatürlichen Kräften besuchen in einer fliegenden Teekanne das Reich Amnea, in dem fast alle Menschen unter Amnesie leiden. Diese Geschichte wird nicht nur aus der Perspektive von Onkel Dia und Anna erzählt, beide schreiben auch diese Geschichte, eingegeben in einen Computer, der sich in der Teekanne befindet.
Doch einige Menschen wollen diesem Willen nicht folgen, so auch Sue und Holger nicht, die von Onkel Dia und Anna zusammengeführt werden sollen. Aber auf diese Weise erlangen sie ein Gedächtnis, befreien letztlich Amnea von seinem Joch und finden doch noch zueinander. Ach ja, Wesen mit Zwiebelköpfen tauchen auch noch in der Geschichte auf.
Dieses Buch bleibt ein Comic, eine Aneinanderreihung von Bildern, in reiner Textform hätte Nadolny diese Geschichte vermutlich ganz anders erzählt. Allein aus den Dialogen heraus kann er aber nicht so erzählen wie in der Entdeckung der Langsamkeit, in Selim oder im Gott der Frechheit.
Nadolny weiß das. Er erzählt deshalb auch keine Geschichte, sondern eine Geschichte über das Geschichten-erzählen. Über den Schöpfungsprozess einer Geschichte, wie es ihm vielleicht mit Loomit wiederfahren ist. Über Geschichten, die entstehen, wenn seinem eigenen Willen plötzlich der Wille eines anderen entgegen gestellt wird. Es wächst etwas ganz eigenes daraus.
Dies ist kein Nadolny. Dies ist ein Comic von Nadolny und von Loomit. Dies ist ein anderer Nadolny, als man ihn kennt.