Das cover - auf dem ganz klein, auch jenes der ersten Santana Scheibe montiert wurde - deutet es schon an: nach der Fusion Phase wollte Carlos wieder zurück zu den Anfängen und wieder ein Latin-Rock Album aufnehmen.
Die Santana Fans der ersten Stunde freute das, jene die ihn aber erst über Alben wie ,Caravanserai` oder ,Welcome` zu schätzen lernten, vergraulte er damit aber wieder (und mit den darauffolgenden Platten wohl noch mehr).
Die ersten beiden Stücke sind eigentlich klassischer Santana - latinrhythmusgetrieben, mit rockigem Gitarrensound und kompositorisch auch wieder konventioneller. Neu dann damals die eindeutigen Funk und R&B Avancen auf ,Let Me`, dessen Basisrhythmus auch einer Herbie Hancock Platte entstammen hätte können. Sehr groovy und zackig, aber songwriterisch nicht unbedingt eine Großtat, trotz des rockigen und furiosen Finales. Jazz-funkig und streckenweise fast ein wenig an Blood, Sweat & Tears angelehnt geht es mit ,Tell Me Are You Tired` weiter.
Flamenco und mexikanische Folklore wird dann auf dem exzellenten ,Gitano` präsentiert, das mit Feurigkeit und Originalität punktet. Einer der besten Tex-Mex Jams die die Band je aufnahm.
,Europa` ist dann der legitime Erbe von Santana's Parade L'amour Hatscher ,Samba Pa Ti`. Und auch wenn's schon sehr süsslich klingt - die Melodie ist großartig und der Aufbau genauso dynamisch wie beim Vorbild. Den Abschlus bildet dann ,Let It Shine`, das der Gruppe in den USA nach einigen Jahren wieder einen kleinen Hit bescherte. Eine starke Nähe zu Herbie Hancock's Funk-Output ist auch diesem Song nicht abzusprechen, trotz des Mitsing Refrains, den man so bei Hancock kaum findet. Die Nähe zu Herbie's Sound ist durch den damals gemeinsamen Produzenten David Rubinson auch leicht erklärbar. Ebenso prägend für den Sound der Band war damals aber vor allem der von Album zu Album zunehmende Einfluss von Keyboarder Tom Coster, der die Gruppe dann 1977 verliess.
Gemeinsam mit ,Festival` und ,Moonflower` bildet dieses Album stilistisch und auch soundmäßig eine eigentlich eigenständige Trilogie in Santana's Werk, die man - trotz vieler bekannter Element aus den frühen Alben - vor allem wegen der zunhemende Funkiness, als eigenständig betrachten muss. Ab ,Inner Secrets` ging's dann verstärkt in Richtung Pop-Rock.