Hornochsen
Der Nachfolger zu 6nimmt!
Mit 6nimmt! hatte Wolfgang Kramer einen Überraschungserfolg gelandet. Selten schaffen es Kartenspiele auf die Auswahlliste zum Spiel des Jahres. Aber sein Spiel verfehlte diese Auszeichnung nur knapp. Mit
Hornochsen kam eine Weiterentwicklug des Themas auf den Tisch, die mit neuen Mechanismen überzeugt und dabei dem alten Thema treu bleibt. Musste im Vorgänger noch die sechste Karte nehmen, so ist es nun die fünfte. Dafür gibt es aber auch mehr Möglichkeiten seine Karten anzulegen. 6nimmt! kann sicherlich durch kein Spiel getoppt werden, aber
Hornochsen kommt dank seiner Verwandtschaft immerhin nahe dran.
Je nach Spieleranzahl bekommen die Spieler 10 (6 Spieler) bis 14 (2 Spieler) Karten. In die Tischmitte werden 7 bei 2 und 15 Karten bei 6 Spielern offen in einem Kreis ausgelegt. Neben den Zahlenkarten, von 1 bis 98, erhalten die Spieler noch zwei Sonderkarten: eine "x2" und eine "+5" Karte. Im Gegensatz zu 6nimmt! darf man, wenn man an der Reihe ist, eine bis drei Karten ablegen, so kann es kommen, dass zum Schluss der Runde nur noch ein Spieler Karten auf der Hand hält und diese nacheinander anlegt. Die Anlegeregel ist die gleiche wie beim Vorgänger: Man muss immer an die niedrigste Differenz nach oben anlegen. Eine 12 lege ich also an eine 10 und nicht an eine 14, da sie ja kleiner ist. Lege ich eine Karte, die kleiner ist als alle ausliegenden Karten, kommt diese an die höchste. So entstehen nach und nach Kartenreihen. Wer seine Karte als fünfte an eine Reihe legt, muss diese nehmen. Neu ist nun aber auch, dass es nicht nur Karten mit Minuspunkten gibt, sondern auch welche mit Pluspunkten. So sind die Spieler darauf aus, möglichst Reihen zu nehmen, die nicht in die Miesen gehen. Mit der "+5"-Karte kann ich die Punkte einer Reihe anheben, bevor ich sie nehme. Sonderkarten werden nicht von außen an die Kartenreihen gelegt, sondern von innen und zählen nicht zum Limit von 5 dazu. Die "x2"-Karte verdoppelt nicht nur die Reihe, sondern am Ende der Runde meine gesamten Punkte. Ob positiv oder negativ. Auch hier muss man gut rechnen, bevor man sich diese Karten nimmt.
Nehme ich eine Reihe mit der "x2"-Karte relativ früh im Spiel, muss ich sehr gut aufpassen, welche anderen Karten ich mir ins Boot hole, da ja alles verdoppelt wird. Kommt gar noch eine weitere "x2"-Karte dazu, wird der Endhornochsenstand vervierfacht! Besonders in der Endphase des Spiels kann es passieren, dass ich Reihen nehmen muss, die vor zwei Runden noch vielversprechend aussahen, nun aber dank einer "55" (7 Hornochsen!) weit im negativen Bereich ist. Meine eine Runde zuzvor gelegte "x2" betrachte ich nun mit Horror, da meine Karten mir keine weitere Möglichkeit bieten, als diese Reihe zu nehmen.
Da nun mehr Karten offen in der Mitte liegen, habe ich zwar auch mehr Möglichkeiten, aber auf der anderen Seite auch mehr Fettnäpfchen, in die ich treten kann. Da ich in jeder Runde eine Karte ablegen muss, kann es passieren, dass ich durch die Wahl der Karten aus der Vorrunde mich selber dazu nötige eine Reihe zu nehmen, die ich eigentlich meinen Mitspielern gönnen wollte. Denn besonders im Spiel zu sechst, kann viel in einer Runde passieren. Bis ich wieder an der Reihe bin, können bis zu 15 andere Karten gespielt werden. Dann sieht das Spiel wieder ganz anders aus. Haben alle Spieler ihre Karten gespielt, ist eine Runde zu Ende. Wer nun die meisten, wohlgemerkt, positiven Hornochsen sammeln konnte, gewinnt. Natürlich können Sie das Spiel auch bis zu einer festgelegten Summe spielen, oder einfach eine neue Runde anfangen. Dafür ist es eigentlich nie zu spät am Abend.
Zubehör und Ausstattung
Als Kartenspiel hat
Hornochsen natürlich wenig Material, mit dem es auskommen muss. Es gibt 98 Zahlenkarten und 12 Sonderkarten. Dazu eine Regel, die alles gut erklärt und in wenigen Minuten vorgelesen ist. Die Karten sind von hoher Qualität. Die Grafiken sind die gleichen, wie schon im Vorgänger, da hat sich nichts getan, wieso auch, man will ja das Flair von 6nimmt! erhalten. Das Spiel ist für 2 bis 6 Spieler, wobei es zu zweit weitaus weniger Spaß bereitet, als in einer großen Gruppe. Die Spieler sollten 10 Jahre alt sein und im Gegensatz zu vielen anderen Alterempfehlungen stimmt diese. Auch 10-Jährige können dieses Spiel gut spielen und die taktischen Raffinessen, die es bietet, schnell beherrschen. Da es oft anders kommt als man es erwartet, werfe ich sowieso meine Planungen häufig über den Haufen. Eine Runde dauert selten länger als 20 Minuten, es sei denn, Sie haben Grübler dabei, die lange brauchen, um eine Karte zu spielen. Als Alternative zu 6nimmt! ist
Hornochsen allen Fans der gleichnahmigen Tiere zu empfehlen. Wer noch keine Bekanntschaft mit diesen wunderlichen Kreaturen gemacht hat, steht vor einer schweren Entscheidung: beide Spiele sind sehr gut. Stehen Sie eher auf Rot,dann nehmen Sie die Hornochsen. Ist Gelb Ihre Lieblingsfarbe, greifen Sie zu 6nimmt!