Klassische Musikstücke in einem Kinderspiel? Das klingt nach bürgerlichen Bildungsbemühungen.
Muss es aber nicht. Eine Mischung aus Glück und Planung lässt in diesem Spiel bei angehenden Strategiespielern die Erkenntnis reifen, dass abwarten können manchmal besser ist, als sein Pulver immer gleich zu verschießen. Die Musik Mozarts bildet dafür den Hintergrund.
Zehn Musikstücke, die man auf der beiliegenden CD in den wichtigsten Auszügen und teilweise auch ganz nachhören oder "dazu" hören kann, bilden den Kern des Spiels. Jedes Stück will mit einem kleinen Orchester besetzt werden; die Positionen für die einzelnen Instrumente sind auf dem Spielbrett vorgegeben. Die Mitspieler besetzen die Orchester mit den Musikern aus ihren "Agenturen" (Das ist das einzige "neuzeitliche" Element des Spiels, das aber der Spielfreude keinen Abbruch tut). Die Agenturen werden nach jedem Spielzug um maximal drei neue Musiker aufgestockt und füllen sich so allmählich. Ziel ist es, möglichst viele Punkte durch geschicktes Besetzen der Orchester mit Musikerkärtchen aus der eigenen Agentur zu erhalten.
Dabei gibt es für die komplette Besetzung eines Orchesters in einem Spielzug gleich doppelte Punktzahl - das klappt aber manchmal erst nach mehreren Runden. Und je mehr sich die Agentur füllt und sich die Musiker dort drängen, desto schlechter sind die Instrumentalisten der eigenen Agentur abgesichert: Auf Musiker in einer Hälfte der eigenen Agentur dürfen bei Bedarf auch die anderen Mitspieler zugreifen, diese stibitzen und somit Punkte für sich selbst ergattern. Ein kleiner Gruß aus dem "wirklichen" Leben ... ;-)
Die Stücke gelangen aber nur dann zur Aufführung, wenn das Publikum nicht vorher zu klatschen anfängt. Soll heissen: Wenn nicht vor Komplettierung aller Orchester vom Reservestapel alle Applaus-Kärtchen gezogen und auf dem Spielbrett abgelegt wurden. Dann ist das Spiel nämlich recht plötzlich zu Ende. Und wer dann mit seiner Punktezahl gerade ganz vorne steht, gewinnt auf einen Schlag. Es lohnt sich also bei aller Taktiererei, das gesamte Spiel über in einer guten Position zu bleiben.
Neben der Musik auf der CD, die die Instrumente hörbar macht und den liebevoll gezeichneten Musikerkärtchen (viele Personen aus "Little Amadeus" sind beteiligt und Devilius darf natürlich auch nicht fehlen ...) erhöht den Reiz des Spiels vor allem der Nervenkitzel des anwachsendem Applauskärtchen-Stapels und der nötigen Taktik für den erhöhten Punkteerwerb.
Vor Spielbeginn lohnt es sich, den nötigen "Rahmen" durch das Vorhören einiger Mozart-Stücke herzustellen. Von der kleinen Nachtmusik über eine populäre Arie aus der Zauberflöte und viele kammermusikalische Werke bis hin zur Waisenhausmesse stellen die 10 Stücke eine abwechslungsreiche Mischung dar. Für echte Klassik-Fans lässt die Qualität von Aufnahme und Interpretation einiger Stücke auf der beiligenden CD allerdings manchmal etwas zu wünschen übrig. Ob dies den Kindern wirklich wichtig ist, sei dahingestellt ...
Alles in allem ist "Maestro" eine gelungene und liebevolle Kombination einer einfachen Spielidee mit klassischer Musik. Die Verbindung mit der beliebten Figur von Little Amadeus senkt die möglicherweise bestehende Herangehensschwelle für die jungen Leute an die Klassik und bleibt damit der Idee der erfolgreichen Trickfilmserie treu, ohne diese allzu stark in den Vordergrund zu schieben. Die Altersgrenze sieben Jahre ist gerechtfertigt, pfiffige Fünfjährige kommen hier aber durchaus ebenfalls schon zurecht.
Übrigens: Wenn dann der Oboist auf dem Kartondeckel in einer späteren Auflage dank Photoshop sein Instrument nicht mehr durch eine Stuhllehne hindurch blasen muss, gibts auch für die grafische Aufbereitung eine durchgehend gute - nun, ähm - Note.