Diejenigen von uns die schon länger in der Spieleszene sind wird der Name vlt. bekannt vorkommen. Vor elf Jahren gab es das Spiel schon einmal, damals war es noch ein halbes Sammelkartenspiel. Zu dem Basisspiel konnte man sich Zusatzpacks mit Karten kaufen und mit anderen tauschen, um alle (ca. 180 Karten) des Spiels zu bekommen. In der jetzt erschienenen Neuaflage funktioniert das ganze etwas anders, man erwirbt zunächst das Basisspiel Set 1 und demnächst werden dann Set 2 und Set 3 herauskommen, so dass man problemlos an das komplette Spiel kommen kann. Ein Spiel als Forsetzungreihe? Erinnert ein wenig an die Filmbranche die auch ständig Mehrteiler herausbringen. Doch zunächst die Kernfrage:
Worum geht's überhaupt?
In Friesematenten schlüpfen die Spieler in die Rolle von Wirtschaftsmogulen. Was zunächst verdächtig nach Frieses Meisterwerk Funkenschlag klingt, ist in Wirklichkeit nur halb so schlimm. Das Spiel ist ein reines Versteigerungs in dem man ausliegende Karten ersteigert. Diese Karten können Fabriken sein (bringen jede Runde Geld und manchmal auch Siegpunkte), Statussymbole (bringen nur Siegpunkte), Einflusskarten (modifizieren andere Karten oder gar die Spielregeln) und Aktionskarten (mit denen man seinen Mitspielern richtig schön eins reinwürgen kann). Sobald ein Spieler 40 Siegpunkte gesammelt hat, ist das Spiel nach der Auktionsrunde vorbei. Wer dann am meisten Siegpunkte hat (und das ist nicht immer derjenige, der zuerst 40 Siegpunkte hatte), hat gewonnen.
Wie geht Friesematenten?
Jeder Spieler bekommt 60¤ Startkapital auf die Hand, dann werden so viele Karten wie Spieler mitspielen plus 3 Karten in einer Reihe offen ausgelegt. Diese Karten werden nun der Reihe nach versteigert. Und zwar ganz normal sprich, das höchste Gebot gewinnt. Dabei hat jede Karte einen Mindestpreis der gezahlt werden muss, gerade gute Karten gehen aber auch gerne mal zum doppelt oder dreifachen Preis weg. Wer eine Karte ersteigert legt sie offen vor sich aus (man hält nie Karten auf der Hand), zahlt das Geld in die Bank und versteigert die nächste Karte.
Wird eine Karte nicht ersteigert wird sie ein Stück hochgeschoben. Will sie in der nächsten Runde wieder niemand kommt sie aus dem Spiel. Nachdem alle Versteigerungen abgeschlossen sind erhält jeder Spieler sein Einkommen (Grundeinkommen von 30¤ + das Geld das die Farbriken erwirtschaften), die Börse (also die Kartenreihe) wird wieder aufgefüllt und eine neue Versteigerungsrunde beginnt.
Im Prinzip handelt es sich bei Friesematenten also um reines Versteigerunsspiel.
Das Salz in der Suppe
Das ganze mag zunächst vlt. ein wenig langweilig klingen. Ist es aber nicht. Es gibt vieles zu beachten. Gerade die grünen Aktionskarten geben dem Spiel die Würze, die es zu einem sehr guten Spiel machen. Hier kann man Mitspielern ihre Fabriken klauen, Fabriken tauschen, Karten aus dem Spiel nehmen, Statuskarten tauschen, sein Geld verdoppeln, bereits erworbene Fabriken wieder in die Börse legen (man nimmt natürlich eine teure Fabrik der Mitspieler), man kann das Spiel um eine Runde verlängern, usw. usf.. Diese Karten sind sehr mächtig und sehr wichtig. Vor allem im Zusammenspiel mit den blauen Einflusskarten. Normalerweise darf jeder Spieler nur drei Farbriken haben, mit bestimmten blauen Karten, kann man dies um eins erhöhen. Andere Einflusskarten verdoppeln die Siegpunkte einer Karte, andere verdoppeln die Produktion, andere schützen wiederum Karten vor Aktionskarten.
Der aufmerksame Leser hat gemerkt: Man braucht alles! Fabriken um an Geld zu kommen, denn in unserer kapitalistischen Welt (zumindest der von Friesematenten) ist Geld = Macht. Nur wer viel Geld hat, kann sich viele Karten und damit auch die wichtigen, weil siegpunktebringenden Statussymbole kaufen). Aber man darf auch nicht zulassen, das die Mitspieler Aktionskarten bekommen, die mir selbst gefährlich werden können. Und die eine blaue Einflusskarte die die Siegpunkte einer Karte verdoppelt ist sicher auch sehr praktisch und bei mir selbst besser aufgehoben als bei meinen Mitspielern. Aber egal wieviele Fabriken man hat, man wird nie Geld im Überfluss haben, so dass man in den meisten Fällen nur maximal zwei Karten pro Runde ersteigern kann. Doof nur, wenn ein paar wirklich interessante Karten vorne in der Börse liegen, aber DIE wichtige Karte ganz hinten, so das man auf die vorherigen Karten nicht bieten kann, weil sie sich sonst die Mitspieler ergattern.
Was taugt das ganze nun?
Friesematenten ist ein wirklich sehr, sehr cooles leichte Wirtschafts-Auktionsspiel für 2-4 Personen und funktioniert in jeder Konstellation erstaunlicherweise sehr gut, wobei ich auch hier sagen würde je mehr, desto besser, zu dritt hat es mir bisher am besten gefallen, aber ich habe auch noch nicht so viele Partien gespielt. Das wird sich allerdings definitiv ändern, denn eine Partie dauert meistens nur 20-30 Minuten. Die Regel sagt zwar, dass das Spiel zu Ende ist, wenn der Kartenstapel zweimal durchgespielt wurde, aber meistens sind die 40 Siegpunkte schon deutlich früher erreicht. Je Mitspieler werden nur 15 Karten benötigt, so dass man im Spiel zu zweit oder dritt noch nicht mal weiß, welche Karten überhaupt im Spiel sind. Das macht das ganze auf jeden Fall interessant, mit dem nächsten Set besteht diese Unsicherheit dann auch zu viert. Das Spiel ist weit davon entfernt ernst sein zu wollen, sondern versteht sich selbst als lockeres, heiteres Spiel. Wie die meisten Amigokartenspiele ist es kein abendfüllendes Spiel, aber auf jeden Fall eines mit dem man einen Spieleabend sehr gut einleiten oder ausklingen lassen kann. Für einen Preis von unter 10¤ liefert es auf jeden Fall sehr viel Spielspass und ich würde dieses Spiel jedem ans Herz legen, der gerne spielt. Egal ob man ein Spiel für die Familie sucht (spielbar ab ca. 12 Jahren), oder sich selbst zu den Vielspielern zählt (auch die brauchen mal nen netten Absacker). Die nächsten Sets werde ich mir auf jeden Fall auch holen und ich bin mir sehr sicher, das dieses Spiel immer wieder auf dem Tisch landen wird. Nicht nur in nächster Zeit und weil es neu ist, sondern auch in Zukunft noch. Es rockt einfach :)