Ein sehr schönes Buch, wenn nicht sogar derzeit eines der besten Tour-Bücher über die Route 66. Ausführliche Beschreibungen wechseln sich mit vielen Insider-Tipps ab und das in einer sehr übersichtlichen Gestaltung. Ich habe die "Mother Of The Road" in Teilabschnitten bereits mehrfach befahren und trotzdem konnte ich in diesem Buch auch Neues erfahren.
Leider trübt ein nicht zu vernachlässigender Fehler den Wahrheitsgehalt einiger Fakten in diesem Buch. Dabei beziehe ich mich auf die 4. überarbeitete Auflage von 2007.
Der Autor schreibt, dass der Gründer der Historic Route 66 Association of Arizona Angel Delgadillo am 02. Juni 2004 verstarb. Das ist schlichtweg falsch. Nun könnte man das als einen Schreibfehler von Schmidt-Brümmer halten, denn in Wahrheit ist Angel's Bruder Juan an diesem Tag gestorben, aber da er es gleich an 2 Stellen (S.37, S.214) beschreibt, ist es kein versehentliches Manko, sondern es zeugt von mangelnder Recherche. Das ist bitter traurig.
Angel Delgadillo wurde 1927 in Seligman/Arizona direkt an der Route 66 geboren. Er kennt, wie kein anderer, die wechselvolle Geschichte des Ortes und der legendären Straße die durch Seligman verläuft. Von Beruf ist er Friseur und er betrieb viele Jahrzehnte einen eigenen Barber-Shop in der Mitte des Ortes, an dem der Verkehr auf der Route 66 bis zum 2.9.1978 um 14 Uhr ständig vorbeiströmte. Ab dieser Stunde wurde der neue Interstate 40 seiner Bestimmung übergeben und der Durchgangsverkehr blieb aus. In den den 80er Jahre interessierten sich wieder viele Menschen weltweit für die historischen Abschnitte der Route 66, die durch viele Bücher, Filme und Songs zur Legende geworden ist. Angel war 1987 der Initiator zur Gründung der Historic Route 66 Association of Arizona. Sein Barber-Shop ist bis heute das Mekka für jeden Route 66-Reisenden und Angel der Gottvater der Mother-Road. Jeder der sich ernsthaft für einen Trip entlang dieser Straße interessiert, stößt auf den Namen Seligman und Angel Delgadillo. Deshalb ist es mir unverständlich, wie Schmidt-Brümmer ein Buch über die Route 66 schreiben kann und dabei die Gallionsfigur dieser Straße einfach so für Tod erklärt.
Ich war bereits zweimal dort und hatte im Mai 2005 das große Glück Angel in seinem Barber-Shop persönlich kennen zu lernen. Trotz seines damaligen Alters von 78 Jahren war er sehr agil und freute sich bester Gesundheit. Wir wechselten die üblichen Fragen und Antworten über das woher und wohin, Angel ließ sich bereitwillig mit mir fotografieren und tief berührt über diese Begegnung verabschiedete ich mich von ihm. Ja, er lebt noch.