Als Deutscher, der selbst seit mehreren Jahren in den USA lebt, hat mich Klebers Buch sehr gefreut. Da schreibt jemand kritisch und kenntnisreich über die Regierung Bush--über die Umstände ihrer Wahl, die Entscheidungsfindung innerhalb der Regierung, und die Konsequenzen für den Rest der Welt--versteht es aber, die typisch europäischen Vorurteile zu vermeiden.
Erhellend, wie Kleber zunächst die Weltverbesserungsphantasien der Neocons erläutert und Rumsfelds Träume einer kleinen, dezentralisierten, high-tech gestützten Armee, und dann zeigt wie hoffnungslos blauäugig diese sind angesichts der Realitäten in Afghanistan und dem Irak. Einsichtsvoll, wie Kleber den trostlosen, harten Alltag in der amerikanischen Provinz schildert, in der "ein guter Christenmensch" zu sein mehr gilt als jedes politische Argument--was von Bushs Wahlkampfstrategen gnadenlos ausgebeutet wird. Beeindruckend auch, wie Kleber den einsamen Kampf des Colin Powell schildert--Bushs Außenminister, der von den Neocons um Dick Cheney ausgebootet wird; der verzweifelt versucht, eine diplomatische Front gegen Saddam Hussein aufzubauen, um jenen zum Einlenken zu zwingen und den Neocons den Kriegsgrund zu rauben; und der schließlich von den Chiracs und Schroeders gedemütigt und im Stich gelassen wird, weil diese es vorziehen, für ihr heimisches Publikum Theaterdonner zu inszenieren.
Freilich wird Klebers Buch nicht jedem gefallen--vor allem nicht jenen, die zu verliebt in ihre reflexhaften USA Pauschalverurteilungen sind, als dass sie Klebers balancierte Schilderungen ertragen könnten. Ein gutes Beispiel ist mein Ko-Rezensent Fritze, der sich nicht zu Schade ist, Kleber außer mangelndem Denkvermögen auch noch intellektuelle Nähe zu den Südstaaten-Evangelikanern zu unterstellen (und der überdies den Reportagenautor Seymour Hersh vom "New Yorker" zum "Leitartikler der New York Times" befördert). Wer der Sachkenntnis Andersdenkender nicht gewachsen ist muss eben zur Diffamierung greifen--das haben die Fritzes mit so manchem neokonservativen Talk-Show Host gemein.