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Amerikanisches Idyll: Roman
 
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Amerikanisches Idyll: Roman [Gebundene Ausgabe]

Philip Roth , Werner Schmitz
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 4 (27. Juli 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446195017
  • ISBN-13: 978-3446195011
  • Größe und/oder Gewicht: 22,3 x 14,9 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 266.831 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Philip Roth
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Philip Roth hat mit dem Roman "Amerikanisches Idyll"...sein wahrscheinlich differenziertestes Buch geschrieben. Er war nie so gut." Welt, 25.07.1998 "Ein Buch, das man getrost in die Galerie der großen Romane unseres Jahrhunderts aufnehmen kann." Brigitte, 13.08.1998

Kurzbeschreibung

Newark, New Jersey: Seymour Levov, Leiter einer weltberühmten Handschuhfabrik, lebt zufrieden mit seiner Frau Dawn und seiner Tochter Merry. Als die verwöhnte Merry in den Untergrund gerät und sich an einem Bombenanschlag beteiligt, bei dem ein Mensch getötet wird, bricht die Idylle zusammen. In großartigen, unvergeßlichen Szenen beschreibt Roth, wie sich der amerikanische Traum vom erfolgreichen, glücklichen Leben jäh in einen Alptraum verwandelt. Der Roman wurde mit dem Pulitzer-Preis 1998 ausgezeichnet. "Sein wahrscheinlich differenziertestes Buch. Er war nie so gut." DIE WELT

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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Mal brillant, mal quälend, 13. März 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Amerikanisches Idyll (Taschenbuch)
Was Umfang, Ehrgeiz und Inhalt angeht, erscheint AMERIKANISCHES IDYLL (im Original 1997 als "American Pastoral" erschienen) tatsächlich wie ein klarer Kandidat für einen "großen" Roman. Die Handlung verspricht Spannendes, Fesselndes - den Werdegang eines verwöhnten Kindes zu einer skrupellosen Terroristin.

Das Mädchen, das zur Terroristin wird, ist Merry, Tochter und einziges Kind des Ehepaares Levov, das im Amerika der Fünfziger und Sechziger eine ruhige Kindheit genießt, bis die Eindrücke des Vietnamkrieges sie Ende der Sechziger fanatisieren und als 16jährige Schülerin zur marxistisch motivierten "68er"-Terroristin werden lassen. Zentrales Thema des Buches ist aber nicht jener Terror, der "68er"-Zeitgeist und seine Begleiterscheinungen - wenngleich sie gestreift werden -, ebensowenig Merrys Schicksal selbst - ihr Untertauchen in den Untergrund und weiteres terroristisches Wirken -, sondern der innere Konflikt von Merrys Vater im Zusammenhang mit den schrecklichen Taten seiner Tochter.

Seymour Levov, seit Highschoolzeiten aufgrund seines Äußeres von den meisten nur "Der Schwede" genannt, ist als Nachfolger seines Vaters Besitzer und Betreiber einer exquisiten Handschuhfirma in Newark, New Jersey, und als Mensch die Vernunft in Person: korrekt, fleißig, zielstrebig, nüchtern, sachlich, tolerant. Diese Attribute haben ihn zu einem erfolgreichen Menschen werden lassen. Ungeachtet hartnäckigen Widerstandes hatte er, in der dritten Generation Angehöriger einer Familie jüdischer Einwanderer, Ende der Vierziger die irischstämmige (und damit katholische) Dawn Dwyer, ihres Zeichens Miss New Jersey, geheiratet und sich im beschaulichen ländlichen Old Rimrock seinen Traum einer ruhigen, friedlichen Existenz erfüllt. Merrys Hass auf die von ihr kalt und unbeteiligt empfundene, vernunftorientierte Umgebung, stellt seinen inneren Frieden, seine Welt auf den Kopf und stürzt ihn in eine tiefe Krise, die geprägt ist von dem Konflikt, die Motive seiner Tochter einerseits zu verstehen, andererseits zu verdrängen zu versuchen; einerseits getrieben von unbändigen Zorn und Hass und andererseits immer noch voller väterlicher Liebe für sie.

Dieser Rahmen gibt eine Geschichte vor, die zwar strukturell gegliedert scheint - drei große Kapitel mit biblischen Titeln und neun "Unterkapitel" -, eher aber locker konstruiert, Seymours innerem Seelenzustand und den biografischen Schilderungen der anderen Personen entsprechend assoziativ aufgebaut ist. Der vielschichtige Roman (erzählt in der Ich-Person von Roths fiktivem "alter ego", dem Schriftsteller Nathan Zuckerman) beleuchtet - für Roth durchaus typisch - scharf soziale und politische Zustände jener Zeit, Juden und Katholiken, Vietnam und Watergate, die allgemein labile politische Lage rund um Studentenproteste und Rassenunruhen. Roths besondere Fähigkeit ist es, durch das Verweben verschiedener Biografien ein ungeheuer lebendiges, differenziertes Bild einer Zeit zu vermitteln.

Alles in allem eine Lektüre, für die der Leser Zeit, Energie und Durchhaltevermögen zuhauf investieren muss. Der Lohn? Man sollte guten Gewissens vorsichtig damit sein, Philip Roths AMERIKANISCHES IDYLL vorschnell als Meisterwerk über zu lobpreisen, wie es verschiedentliche Kritiker getan haben. Dazu hat das Buch einfach zu viele augenfällige Schwächen. AMERIKANISCHES IDYLL rechtfertigt den großzügigen Umfang von ca. 570 Seiten nicht - es ist zu lang. Roth ist es nicht gelungen, sein in vielen Passagen so außergewöhnliches Talent zu konzentrieren, sodass unnötige, quälend lange innere Monologe und inhaltliche Wiederholungen leider oft die Regel sind. Hätte Roth vielleicht nur den Wahlspruch "Weniger ist mehr" beherzigt, dann hätte er vielleicht davon abgelassen, die über weite Strecken wahnsinnig intensive und fesselnde Geschichte und ihre Figuren sprachlich und stilistisch so zu überfrachten, dass man am Ende über Reizüberflutung und Quälerei klagt - und froh ist, das Buch endlich aus den Händen legen zu können.

Ein etwas ambivalentes Lesevergüngen also.

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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Hiob des Rationalismus, 2. März 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Amerikanisches Idyll: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man muß sich mal durch ca. 100 Seiten durchackern, in denen Roth versucht, den Leser mit Detailinfos über Baseball und die Produktion von Handschuhen abzuschrecken - nur die Tapfersten sollen da durchkommen - ein Reich Raniczki hat es nicht geschafft! (Das Buch wurde einmal im Lit.Quartett besprochen).

Danach jedoch, während sich die Geschichte entwickelt, erfährt der Leser die Hiobsbotschaft der amerikanischen liberalen und rationalen Nachkriegsgesellschaft. Seymour Levov, der ganz untypische amerikanische Jude, wird zum Hiob der aufgeklärten Neuzeit. Im Bewußtsein, die letzten irrationalen Auswüchse des Jahrhunderts mit NAZI-Deutschland vernichtet zu haben, scheint dem liberalen und sekularisierten Bürgertum alles machbar. Gütig und kompromißbereit im Umgang mit dem Nachwuchs, ist dessen Ziel religionsübergreifende moralische und ethische Ziele zu vermitteln und zu festigen. Die Allgemeingültigkeit dieser Regeln scheint so evident, daß jedes Mißlingen eines solchen Versuchs undenkbar anmutet.

Doch das Undenkbare passiert. Merry, die hochbegabte und gutbehütete Tochter der erfogreichen Familie, schlägt sich auf die andere Seite - wird Bombenlegerin - sprengt den kleine Laden im ländlichen Idyll und taucht unter. Seymours bis dahin glücklich-banales Leben zerfällt. Und wie an so vielen Eltern seiner Generation nagt die eine große Frage auch an ihm: "Was haben wir falsch gemacht?"

Wer die Geschichte der ausgehenden 60er Jahre in Amerika kennt, weiß, wieviele Gruppen durch Manipulation leichte Opfer unter der idealistischen Jugendlichen fanden. Doch Merry ist weit weg von einer zweiten Petty Hearst. Da Seymour keine äußeren Einflüße festmachen kann, die seine Tochter auf die Bahn, zuerst des Terrorismus, dann einer zivilsationsverneinenden indischen Sekte, gebracht hat, bleibt im nichts anderes übrig, als die Gründe innerhalb der Familie zu suchen. Doch statt dort die Erklärung zu finden, führen seine analytischen Versuche letzendlich zur inneren Auflösung.

Wer hofft, in diesem Buch eine Erklärung für den Generationskonflikt der 60er Jahre zu finden, wird enttäuscht werden. Denn die Hiobsbotschaft lautet: Dinge geschehen, unerklärlich - irrational. Und wer hofft durch eine vorgelebte liberale Ordnung "auf der sicheren Seite" zu sein, der irrt. Und wer versucht, solche Vorgänge in sein rationalistisches Weltbild zu integrieren, der zerbricht.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Auch eine 68er Geschichte - aber aus der Perspektive der verlassenen Eltern, 11. Dezember 2009
Von 
ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Amerikanisches Idyll (Taschenbuch)
Alles fing damit an, dass die kleine Tochter der Levovs im Fernsehen Bilder brennender Mönche sieht, die in Vietnam gegen den Diktator Diem demonstrierten. Es handelte sich um die kleine Merry Levov, die leicht stotternde, aber aufgeweckte und intelligente Tochter von Seymour und Dwan Levov, einem Lederwarenfabrikantenehepaar aus den obersten Gesellschaftsschichen. Und ehe sich die Eltern versehen, ist es schon passiert. Das bis dahin freundliche Kind entdeckt plötzlich seinen Hass gegen das eigene Land, verflucht seine Repräsentanten und preist totalitäre kommunistische Diktaturen in Asien. "Du w-w-wahnisnniger Irrer. Du mi-mi-mieses gemeines Monster," geifert das erregte Kind vor dem Fernseher, wenn Präsident Johnson auf dem Bildschirm auftaucht (S.143). Doch wie wir heute wissen, war Merrys Aufbegehren kein Einzelfall, er war Teil eines massenhaften Protestes namentlich der Mittel- und Oberschichtenjugend gegen den Krieg in Vietnam. Gerade die junge Generation, die so nachsichtig und liebevoll aufgezogen worden war wie keine Generation vor ihr, begann plötzlich ihren eigenen Eltern Hass und Verachtung entgegenzuschreien.

Wie viele andere Eltern auch sind Seymour und Dwan Levov von dieser Entwicklung vollkommen überrascht. Ihre Tochter beginnt ihnen zu entgleiten, aus irgendwelchen Quellen kommen extremistische Schriften ins Haus, Kontakte zu radikale Kommunisten in New York bahnen sich an, und endlose Streitigkeiten erfüllen das Haus, ob und wie lange die minderjährige Tochter in die große Stadt fahren darf. In der Hochdruckzone ihres ideologischen Wahns verliert Merry bald jedes Maß und versucht, im Jahre 1969 unter Anstachelung ihrer Kumpane "den Krieg in das eigene Land zu tragen". Sie organisiert einen Bombenanschlag auf das örtliche Postamt, bei dem ein Anwohner zu Tode kommt und verschwindet im Untergrund.

Zurück bleiben der verzweifelte Vater und seine Frau Dwan, eine ehemalige Schönheitskönigin, die vor Kummer in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss. Keine Sekunde zweifeln sie daran, dass die kümmerlichen Gestalten, die in den späten Sechziger Jahren auch in den USA den Kampf beginnen, Wahnsinnige sind, die der Gesellschaft den Krieg erklärt und ihre Tochter zur Gewalt verführt haben. Was war dieses ganze kranke Unternehmen anderes als der Ausdruck eines wütenden infantilen Egoismus, nur dünn maskiert als Identifikation mit den Unterdrückten?"(S.188) denkt der Vater, doch er gibt die Hoffnung nicht auf, seine Tochter eines Tages zurück zu erhalten. Doch sie kommt nicht zurück, nur noch einmal sieht sie der Vater als heruntergekommene und halb verhungerte Jaina, dann entschwindet sie aus dem Leben der Levovs.

Auch wenn der umfangreiche Roman neben diesem Hauptmotiv noch zahlreiche andere Thematiken anschneidet - etwa den industriellen Niedergang Amerikas, das Rassenproblem, die Frage der jüdischen Identität oder das abwinkende Niveau der öffentlichen und privaten Moral - handelt es sich bei dem vorliegenden Werk in erster Linie um einen Roman über die Jugendrevolte und sie sie umgebende Gesellschaft - aber aus der Sicht der Eltern, und auf der Anklagebank sitzen nicht die Charaktermasken des Systems, sondern die Charaktermasken jugendlicher Pubertanten, die in kurioser Selbstüberschätzung vorgeben, die Welt retten zu wollen. Philip Roth, der große Chronist der amerikanischen Befindlichkeit schreckt dabei auch nicht davor zurück, dem heute herrschenden Zeitgeist ( der die 68er Epoche kurioserweise als Zivilisierungsschub verklärt), kräftig vor das Schienenbein zu treten. Die Figuren aus dem jugendlichen Untergrund agieren bei ihm nicht als Helden oder Freiheitskämpfer, sondern als bösartige Kobolde, die wie Dostojewskis "Dämonen" mit Bomben in den Händen gegen ihre eigene Bedeutungslosigkeit protestieren. Schon allein dieser Fokus hebt den Roman weit über den Durchschnitt vergleichbarer Bücher hinaus. Allerdings - diese Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen - hätte dieser ausgezeichnete und teilweise erschütternde Roman noch besser sein können, hätte Roth seine Fabulierlust nur ein wenig mehr gezügelt und den Roman ein wenig konzentrierter konzipiert. Trotzdem ein ungemein interessantes und ungewöhnliches Buch, dessen Lektüre all denen empfohlen werden sollte, für die Kulturrevolution der späten Sechziger noch immer das non plus ultra der Menschheitsgeschichte darstellt.
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