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Amerikanische Polaroids
 
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Amerikanische Polaroids [Gebundene Ausgabe]

Douglas Coupland
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 223 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455111238
  • ISBN-13: 978-3455111231
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 18,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 706.399 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Mittelklassemilieu in Nordamerika, Anfang der neunziger Jahre. Im Oakland-Alameda Country Coliseum findet ein Grateful-Dead Konzert statt und lockt neben der Jugend von heute, die alten Hippies wieder aus ihrem bürgerlichen Leben. In kleinen Abrissen mit Fotos beschreibt Coupland im ersten Teil des Buches verschiedene Leute unterschiedlichster Herkunft, die sich, aus welchen Beweggründen auch immer, beim Konzert einfinden.

Cliquen ohne Eintrittskarten, die es sich auf Parkplätzen gemütlich machen, drogengeschwängerte Luft, Vegetarierschweiß, Tatoos, Afrozöpfe und Biotechnik, debile Überlebende, eine unrasierte Frau in Cowboystiefeln, ein barfüßiger Reicher, der auch mal Hippie war. Barbiepuppen, Bulimi, Magersucht. Sah es so aus, als würden die neunziger Jahre ein eigenes Flair entwickeln können? Wir sind die MC Dead-Generation. Couplands Protagonisten denken tiefschürfend über Jetzt und Damals nach oder berichten von ihren Filmen, auf die sie kommen, nachdem sie einen LSD-Trip geschmissen haben. Manche sind auch so aufgeräumt und vernünftig, daß sie einsehen, daß sie die Deadheads ohne Drogen wohl nicht verstehen können und verlassen das Konzert vorzeitig.

Teil zwei des Buches enthält Portraits von Orten und Menschen, die die Neunziger charakerisieren. Lady Di in amerikanischer Football-Jacke, ein Brief an Kurt Cobain, während er gerade im Koma liegt und sich kurze Zeit später erschießt, Anekdoten aus Washington und Kalifornien, Postkarten von den Bahamas und immer wieder Beobachtungen aus Vancouver, dem Ende der Welt. Teil drei beinhaltet Aufzeichnungen aus Brentwood, dem Ort wo zwei spektakuläre Morde geschahen und Marilyn Monroe starb.

Couplands Geschichten und Polaroids zeichnen ein Weltbild der frühen neunziger Jahre, das Lichtjahre von den achtziger Jahren entfernt zu sein scheint, sich nach den Sechzigern sehnt und mit Blick auf die nahende Jahrtausendwende schnell wie im Zeitraffer vergeht.--Daphne von Unruh

Neue Zürcher Zeitung

Zieht den Stecker!

Douglas Couplands «Amerikanische Polaroids»

Gute Bücher erkennt man manchmal an einem einzigen Satz. Schlechte auch. Freilich muss man diesen Satz mitunter lange suchen. Bei Douglas Couplands neuem Buch, einer Sammlung von kürzeren Texten, findet er sich auf Seite 127. Er lautet: «Bei Stromausfällen singen wir Lieder, doch sobald die Elektrizität wieder da ist, geht jeder seiner Wege.» Das ist offenbar selbst auf den Bahamas so, wo Coupland diese zivilisationskritisch gemeinte Weisheit in sein akkubetriebenes Notebook hackt. Der kanadische Chronist der «Generation X» dagegen will sein Leben «in einem ständigen Stromausfall leben». Im Dunkeln wirken dann auch Funzeln wie grosse Erleuchtungen: «Die einzigen Lichter, die zählen, sind die Sonne, Kerzen, der Kamin und das Licht in deinem Innern.»

Augenzwinkernd

Dabei fing es doch ganz harmlos und augenzwinkernd an. Im ersten der drei nur locker verbundenen Teile beschreibt Coupland in satirischen Short stories das Publikum bei «Grateful-Dead»-Konzerten zu Beginn der Neunziger und diagnostiziert gerade die Lächerlichkeit der Versuche, das Lebensgefühl der Sixties künstlich am Leben zu erhalten. Da treffen alt gewordene Totalaussteiger auf arrivierte Softwaredesigner und Techno-Freaks im zusammengekauften Hippie-Outfit, die Acid in jedem Hamburger vermuten und «Laptop-Mikrowellengeräte» vermissen. Coupland scheidet hier die herumspukenden Zeitgeister mit dem Scharfsinn des Liebhabers, dem eine Kopie untergejubelt werden soll. Die Dead-Konzerte ähnelten, so schiesst es einem jugendlichen Fan durch den benebelten Kopf, «durch die Invasion der MTV-Kids eher diesen Woodstock-Photos, die er mal gesehen hat – peace, love and understanding –, nur dass jetzt alle vorher ein Bad genommen haben». Doch was wie die Mund-zu-Mund-Beatmung eines Skelettes aussieht – das Symbol der «Deads» ist ein Totenkopf –, ist für Coupland Zeichen der Sehnsucht nach echter Erfahrung in einer virtualisierten Scheinwelt, in der Original und Reproduktion ununterscheidbar geworden sind – wie auf einigen der assoziativ illustrierenden Schwarzweissphotos, die dem Buch den Titel geben.

Doch wie sehr Coupland selber den rousseauistischen Illusionen früherer Generationen anhängt, zeigen vor allem die autobiographischen «Postkarten» im Mittelteil des Buches: «Ich sah Kinder Basketball spielen; ich sah Bienen über einer blühenden Korianderdolde umhersummen; ich sah eine Drossel und eine Taube von zwei verschiedenen Telefonleitungen aus miteinander sprechen.» Da ist er wieder, der alte Traum von Authentizität jenseits aller Medien. Passend, dass Coupland dem durch eigene Hand gestorbenen Nirvana-Sänger Kurt Cobain, einem der letzten Heroen «ehrlicher» Rockmusik, einen Nachruf auf dem Niveau eines Poesiealbums widmet.

In einer anderen Geschichte schleppt er einen deutschen Magazinreporter durch das Vancouver seiner Jugend und entdeckt dabei seine roots in etwas zu buchstäblichem Sinne: «Und ich erinnerte mich an den vorgestrigen Tag im Wald, als wir unsere Hände in die Erde zwischen die Wurzeln einer Tanne gruben und die trockene Kühle des Bodens durch unsere Finger rieselte und ich mich dazu entschied, mich lieber vergraben als verbrennen zu lassen, weil man der Erde auf diese Art so viel mehr zurückgibt. Ohne Sarg. Einfach nur begraben. Im Wald.» Wenn die Maske der Ironie fällt, entpuppt sich der sentimentalische Kultautor als naiver Naturschwärmer.

Lichtblicke

Gerechterweise ist auf die wenigen Lichtblicke im Band hinzuweisen: nicht zufällig sind es Reportagen, in denen die Befindlichkeit des Beobachters zugunsten einer journalistischen Neugier ausgeklammert bleibt. Die Porträts der Mittelklassenidylle von Palo Alto oder dem gruseligen Atomtourismus in Los Alamos sind originell und flott geschrieben. Auch die ausführliche Musterung des kalifornischen Albtraums am Beispiel des Prominentenviertels Brentwood, L. A., die den Abschluss des Buches bildet, gehört zu den stärkeren Texten.

Dass dennoch insgesamt der Eindruck entsteht, Coupland reproduziere genau die scheinhaft-kitschige Konsumkultur, die er zu kritisieren vorgibt, liegt auch an der sprachlichen Laxheit. Seine Vergleiche sind um Originalität bemüht, wirken jedoch oft nur abwegig, manchmal geschmacklos: «Silikonharzpfützen tropfen in den sandigen preussischen Boden wie Tausende von einem Lastwagen gefallene Brustimplantate.» Die grellen Farben, die Coupland für seine sprachlichen Bilder benutzt, nehmen zusätzlich leider den skurrilen Schwarzweissphotos ihre lakonisch kommentierende Wirkung. Couplands Schnappschüsse aus dem globalen Dorf versprechen Aktualität und zeigen doch nur, wie ihr Autor allerorten den Mond mit der Stange heraufzieht.

Richard Kämmerlings


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Vielleicht sein bestes Buch 6. Oktober 2000
Format:Gebundene Ausgabe
Wer einmal Coupland las, liebt ihn für immer. Und doch ist dieses Buch vielleicht sein bestes. Diese fast spürbare Mischung aus Melancholie und Scharfsinn läßt einen auch Jahre nach dem Lesen nicht mehr los (ich habe mir damals die US-Ausgabe am Erscheinungstag gekauft). Es mag daran liegen, dass die Stories in diesem Buch kürzer sind, was Coupland offensichtlich noch besser beherrscht als das Schreiben eines Romans. Wer die USA aus den 80er und 90er Jahren kennt, findet hier seine Bibel. Alle anderen ein grandioses Buch, dass sie sehnsüchtig auf eine Zeitmaschine warten läßt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Amerika erleben 23. August 2000
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Nachdem ich Generation X gelesen habe, wollte ich mehr und so kaufte ich Amerikanische Polaroids. Natürlich waren meine Erwartungen im Vorfeld riesig, vielleicht deshalb, vielleicht aber auch, weil ich Deutsche bin, erst 16 bin, war ich vom ersten Teil entäuscht. Ich konnte es einfach nicht nachvollziehen, diese Art, dieses Lebensgefühl. Beim zweiten Teil kam aber wieder die Lust an Coupland Büchern. Diese vielleicht autobiographischen Erzählungen machten mir viel Freude. Bei "Der Deutsche Reporter" wollte ich gerne an der Stelle des Reporters stehen. Es selbst erleben. So läßt auch mich Coupland nicht mehr los.
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Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn man alle Bücher von Coupland gelesen hat, dann wir man nicht umher können, auch dieses Buch zu lesen. Einmal Coupland gelesen und er läßt einen nicht mehr los. Deshalb hegte ich auch große Erwartungen im Vorfeld des Erscheinungstermins. Enttäuschung, nein. Trauer ja. Bezogen auf Couplands Weise, Dinge seiner Umwelt zu reflektieren und sie in witzige, nachdenkliche, große Worte zu packen, wurde ich nicht enttäuscht. Doch was bleibt mir anderes übrig als zu glauben, was Coupland über den Spirit einer Zeit und seiner Heimatstadt schreibt, wo ich doch zumindest die "verlorenen Jahre" niemal selbst erleben werde ? Nicht an dieser "so großartigen Zeit" teilgenommen zu haben hinterläßt Trauer, vielleicht auch deshalb, weil ich ein klein wenig neidisch bin auch seine Erinnerungen. Der Roman ist für mich nicht der Beste den Coupland geschrieben hat, doch in seiner ruhigen und nachdenklichen Art liegt die wahre Größe seiner Betrachtung, die sich, wie ich glaube erst beim mehrmaligen lesen erschließt.
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