Amerikanische Automobile: Damit assoziieren wir meist die Fünfziger Jahre mit ihren bunten Farben, der verschwenderischen Verwendung von Chrom, riesigen Innenräumen, durchgehenden Sitzbänken, schicken Weißwandreifen, bulligen V8-Motoren und damit völlig überforderten Fahrwerken. In Deutschland freute man sich derweil, wenn Vater sich einen VW-Käfer leisten konnte. Ende der Fünfziger jedoch, als man den Heckflossen-Trend in den USA stilistisch nicht mehr toppen konnte, entstanden teilweise wirklich unfassbar hässliche Monstrositäten auf vier Rädern, deren Designer offenbar jeglichen guten Geschmack abgeschworen hatten. Hauptsache: Bigger, larger, longer! Zurecht bleiben einige Firmen und Marken mit diesen fragwürdigen Entwicklungen in den Folgejahren auf der Strecke, weil sich Hässlichkeit nun mal schlecht verkauft, wie der US-Autodesigner Raymond Loewy schon damals oft genug warnte. Aber es gab auch die wohlgeformten alten Bekannten, wie den Studebaker Champion, besser bekannt als das „Formel-1“-Auto aus der Titelsequenz unserer liebsten Popvideo-Sendung aus den Achtzigern. Oder Stephen Kings „Christine“, die als 1957er Plymouth Fury mordend durch die Gemeinde und das Kino zog. Oder auch Steve McQueens Ford Mustang, mit dem er sich in „Bullitt“ auf eine halsbrecherische Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco einließ. Sie alle formten unser Bild vom Auto „Made in USA“.
Um die damals, ähnlich wie in Deutschland, noch bunte Modellvielfalt zahlreicher Hersteller zu ordnen, gingen die Autoren Langworth, Poole und Flammang das Vorhaben an, eine Übersicht über den US-Automobilmarkt der 50er und 60er Jahre zu schaffen. Es entstanden zwei Einzelbände, die für das vorliegende Werk in einer „redigitalisierten Neuauflage“ zusammengeführt wurden – mit höchst zweifelhaftem Ergebnis. So interessant, informativ und unterhaltsam der Inhalt ist, so rückständig zeigt sich nämlich die Druckqualität. Der Verlag schreibt sogar: „Die brillianten Farbfotos rufen die Erinnerungen an die chromblitzenden und farbenfrohen Straßenkreuzer der 50er und 60er wach.“ Farbfotos: Ja! Brilliant: Auf keinen Fall – lausig wäre noch freundlich. Durch den gesamten Bildbereich es Buches ziehen sich Unschärfen, Kontrastschwächen und Rauschen, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen habe. Die Farbwiedergabe ist teilweise erschütternd. Man könnte es mit der Qualität alter Presseaufnahmen entschuldigen, doch dies ist nur bei einem Teil der Bilder möglich. Die Mehrheit dürften Aufnahmen jüngerer Zeit sein, die wie von einem schlechten Farbdrucker mit zu geringer Auflösung wiedergegeben wirken. Ob es an der im Impressum angegebenen Redigitalisierung und dem Druck in Slowenien gelegen hat, sei dahingestellt. Aber auch die Schrift wechselt von Seite zu Seite in ihrer Intensität. Auf Seite 540 sogar auf einer einzigen Seite – vertikal zieht sich durch den Satzspiegel eine breiter Streifen dünner Schrift, die links und rechts davon wieder dicker wird. Und als ob dies nicht schon genug wäre, entsteigt den Seiten ein unangenehm scharfer, chemischer Geruch, der einem noch lange danach in der Nase hängt.
Fazit: Das ganze Buch selbst wirkt wie aus den 60ern. Für ein Werk aus dem Jahre 2005 ist es aber drucktechnisch absolut inakzeptabel, speziell für den geforderten Preis von fast EUR 40,-. Es ist zu offensichtlich billig produziert, aber viel zu teuer angeboten. Schade, ein Referenzwerk dieser Thematik hätte mehr verdient, denn der Informationsgehalt und die unterhaltsame „Schreibe“ der drei Autoren sind beispielhaft.