Die Zeit (Hans-Ulrich Wehler) Nr.52 vom 16.Dezember 2004
[...]Nicht selten reist der neue Antisemitismus auch im Huckepackverfahren mit dem Antiamerikanismus "Kerry ist auch Jude", dieses Hamburger Graffito hat Markovits für seinen Buchumschlag entdeckt. Auch wer manches Urteil für zu pointiert hält, sollte sich der beschwörenden Kritik dieses Autors stellen. Denn seine mit hoher Sensibilität,, mit Besorgtheit und Sachkunde geschriebenen Bestandsaufnahme kann selbstkritisches Nachdenken erzeugen, statt den Kopf in der irrigen Annahme abzuwenden, dass alles nur eine kurzlebige Anti-Bush-Aufwallung sei.
Die WELT (Natan Sznaider), 29. Januar 2005
[...] Andrei Markovits entlarvt in seinem Buch, was es sich mit leeren Parolen wie jener, man wolle "keine amerikanischen Verhältnisse", wirklich auf sich hat. Denn Amerika ist wie ein Pudding, den man an die Wand nageln will. Und das ist genau das, was nun viele Europäer tun. Für den europäischen Einigungsgedanken brauchen sie das Schreckbild einer homogenen globalen und amerikanisierten Kultur. In Amerika selbst gibt es aber in Wahrheit gar keinen Essentialismus dem man sich anpassen müßte. Man ist Vergangenheit (wo man herkommt) und Gegenwart (Verfassungspatriot) zugleich. Da der Assimilationsdruck oft geringer und der Fortbestand kultureller Identitäten legitim ist, muß sich die Identität von anderen Gruppen nicht unbedingt durch ihre Verbindung zum Heimatland definieren. Kein Mensch redet von Integration. Für viele Europäer ist das ein Albtraum - nämlich der Albtraum der Moderne.[...]
hagalil.com, 14. Februar 2005
[...]Markovits dokumentiert was wir schon längst erfahren haben, den "Antiamerikanismus als europäische Lingua franca" und kann nicht akzeptieren wenn Antiamerikaner einen Amerikaner als Kronzeugen für die Richtigkeit ihrer Behauptungen nehmen. "Tatsächlich können Amerikaner antiamerikanisch sein, und viele sind das auch, so wie Juden antisemitisch, Frauen frauenfeindlich und Schwarze rassistische sein können." Er berichtet auch über den Erfolg der Michel Moore Bücher und Filme, der in Europa größer ist als in den USA: "CSU-Wähler erfreuen sich an seinen Filmen und Büchern genauso, wie radikale Linke". [...] Das mit Witz und Verve geschriebene Buch ist besonders all jenen empfohlen, die wissen wollen warum die Aversion gegen Amerika immer lauter wird und die Westeuropäer inzwischen mehr eint als jede andere politische Emotion die gemeinsame Antipathie gegen Israel ausgenommen.
Über den Autor
Andrei S. Markovits, 1948 in der westrumaenischen Stadt Timisoara geboren, als Teenager in Wien und New York aufgewachsen, lebt seit 1967 in den USA. Zur Zeit unterichtet er Politikwissenchaft und Soziologie an der University of Michigan in Ann Arbor, wo er den Titel "Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative Politics and German Studies" traegt. Neben zahlreichen Stellen an Spitzeninstitutionen in den USA, liest und lehrt Markovits regelmaessig auch an deutschsprachigen Universitaeten. Seine wissenschaftlichen wie auch publizistischen Arbeiten sind international bekannt und in neun Sprachen erschienen. Sein zuletzt in Deutschland veroeffentlichtes Buch ist "Im Abseits: Fussball in der amerikanischen Sportkultur" (Hamburg, 2002).