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Amerika : Tag und Nacht.
 
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Amerika : Tag und Nacht. [Unbekannter Einband]

Simone de Beauvoir
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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: Hamburg : Rowohlt, (1950)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B004UQUD7A
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kreuzpunkt der Welt 1. April 2008
Format:Taschenbuch
"L'Amérique au jour le jour - Amerika Tag und Nacht" ist ein Reisetagebuch von besonderer Schönheit und Intensität. Simone Lucie-Ernestine-Marie-Bertrand de Beauvoir gilt als eine der Mütter der Frauenbewegung und ist eine der ersten Lehrerinnen der Philosophie in Frankreich.
Vier Monate verbringt sie in den USA. Nicht zu irgendeiner Zeit, sondern bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1947. Amerika ist für das geschundene Europa ein Vorbild. Die Französin spaziert das erste Mal durch New York und stellt fest, dass sie zwar nicht mehr in Paris ist, aber auch noch nicht wirklich in New York angekommen:
"Auf diesen Gehsteigen ist kein Platz für mich, diese fremde Welt, in die ich überraschend gefallen bin, erwartete mich nicht, sie war voll ohne mich - sie ist ohne mich voll, es ist eine Welt, in der ich nicht bin: in meiner vollkommenen Abwesenheit begreife ich es. Diese Menschenmenge, die ich streife, ich gehöre ihr nicht an; ich fühle mich allen Blicken unsichtbar. Ich habe das Inkognito eines Phantoms. Wird es mir gelingen, wieder ein lebender Mensch zu werden?"
Jedenfalls wird sie sich verlieben und eine Affäre mit N.A. haben, wie sie den polnisch-stämmigen Nelson Algren diskret bezeichnet. Zwei Jahre später veröffentlicht er den Roman "Der Mann mit dem goldenen Arm".
Ihr Tagebuch, das sie über diese Reise verfasst, ist zutiefst menschlich, voller Neugierde, Diskussionsfreude und Beschreibungslust. Noch heute erfährt man mehr über New York und über andere Städte und Menschen der USA aus diesen Notizen als aus den meisten modernen Reiseberichten. Fast wehmütig möchte man New York noch einmal zum ersten Mal erleben können - und vor allem das Gefühl haben, als erster Europäer in dieses Land zu kommen.
Sie schreibt ganz und gar nicht abgeklärt, obgleich beinahe 40, obgleich in den USA bereits die bekannteste existentialistische Philosophin neben Sartre; obgleich sich vierzig Universitäten um ihre Auftritte reißen; und obgleich sie im Begriff steht, ihren berühmtesten Essay-Band "Le deuxième sexe" zu veröffentlichen.
Sie kann sich an einem Tag (am 1. Februar) auf einer Intellektuellen-Party mit Manhattan-Cocktails voll schütten und heiß diskutieren, um am folgenden Tag wie viele Touristinnen nach ihr auf das Empire Building zu fahren, genießerisch durch die Kellergeschosse des Rockefeller Centers zu irren und sich voller Lust-Angst in die "Negerstadt" Harlem zu wagen. Allerdings beschreibt sie nicht nur, sie kommentiert auch.
Angesichts ihrer philosophischen, literarischen und feministischen Werke scheint "L'Amérique au jour le jour" kaum Beachtung zu verdienen. Und doch, wäre es ihr einziges Werk, müsste man sie allein deswegen eine meisterhafte Autorin nennen.
Alice Schwarzer hat in ihrem Buch "Simone de Beauvoir - Ein Lesebuch mit Bildern" (2007) den letzten Absatz des Tagebuches zitiert, in dem die Beauvoir von Europa aus über den Ozean schaut. Es ist der Tag ihrer Rückkehr, der 20. Mai 1947: "Neufundland. Shannon. Paris. In Orly bricht der Tag an. (...) Der Himmel ist verhängt. Paris scheint erstarrt, die Straßen sind leblos und grämlich, die Auslage lächerlich. Dort drüben funkelt ein ungeheurer Kontinent."
Es ist verständlich, dass Schwarzer den Text kürzen musste. Aber gerade in jenem Teil, den sie ausgelassen und durch das Auslassungszeichen (...) ersetzt hat, wird Beauvoirs Stil der Einzelbeobachtung und der ganz speziellen Interpretation deutlich. Der ausgelassene Teil lautet:
"Wie alt sind die Zollbeamten und wie abgenutzt sind ihre Uniformen! Offenbar sind sie nicht sonderlich stolz darauf, französische Bürger zu sein. In ihren Zügen liegt etwas, das bettelt; sie sind zu schlecht bezahlt, um einen puritanischen Respekt vor den Vorschriften zu haben. Rund um einen üppig erscheinenden Koffer führen sie ein verdächtiges Getue auf - nun ja, jeder muss zusehen, wie er sich durchbringt. Auf der traurigen Straße, die nach Paris führt, sind die Menschen schlecht gekleidet, die Frauen haben farblose, schlecht frisierte Haare, die Männer haben graue Gesichter und einen demütigen Gang. Das Gemüse auf dem Markt ist kümmerlich. An der Gare des Invalides kein Taxi. Die Reisenden am Rand des Gehsteigs werden nervös und streitsüchtig."
Dann erst folgen die Bemerkungen über den verhängten Himmel, das erstarrte Paris - und den drüben funkelnden Kontinent.
Wie Simone de Beauvoir 1947 ihr Leben gestaltet, wie sie reist - nicht in Begleitung von..., sondern sie reist, sie ist da, sie schreibt, sie hält Vorträge -, das nimmt ihren 700-seitigen, engzeilig gedruckten Essay "Das andere Geschlecht" durch die pure Tat vorweg. Seit zwei Jahren erst haben Frauen in Frankreich das Wahlrecht. Und bis die Académie Française eine Frau in ihre Reihen wählt, werden noch 32 Jahre vergehen.
Sartre begleitet sie nicht, weil er den Freiraum nutzt, mit einer Geliebten aus New York in Paris zusammen zu sein; er soll Beauvoirs Rundreise eingefädelt haben.
Er hat was verpasst.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
eine französin in amerika 11. Februar 2007
Von J. Fromholzer TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Simone de Beauvoir bestätigt auf ihrer langen und ausführlich beschriebenen Reise durch Amerika 1947 so ziemlich alle Vorurteile, die wir Europäer in bezug auf Amerika haben. JEDOCH läßt sie sich dadurch nicht die Sicht auf die Ausnahmen verbauen. Ernüchternd beschreibt sie die amerikanische Alltagswelt in den Metropolen und auf dem Land. Sie läßt sich (temporär) begeistern, vor allem von New York. Der Leser wird hineingezogen in den Sog dieser amerikanischen Reise. Und, ja natrürlich (!) , ist froh in Europa zu leben.
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Format:Taschenbuch
Simone de Beauvoirs Werke zu lesen ist wie ein guter Sekt, so auch die Amerikareise, prickelnd grandios erzählt, nie süffig, aber schnell zu Kopfe steigend und führt nie zu einem Kater, allerdings zu klugen Erkenntnissen und Einsichten...keine lebende Schriftstellerin kann ihr das Wasser reichen...
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