Es gibt nur wenige hierzulande erhältliche Bücher über die Amerikanische Küche an denen ich nichts rumzumeckern habe. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen die Hochglanz-Prachtstücke von Weldon Owen ins Deutsche übersetzt wurden. Eigentlich schade, denn die Amerikanische Küche ist viel viel mehr als nur Burger, Hot Dogs und Steaks. Auch dieses Buch übt sich in dem Versuch, uns diese nahezubringen, an der schwierigen Gratwanderung zwischen der Bewahrung von Authentizität und Verwendung typisch Amerikanischer Lebensmittel, und deren Appeal an den Deutschen Geschmack. Die Autorinnen haben dabei alles in allem gute Arbeit geleistet, obwohl einige der Rezepte wohl von den diversen Food Marketingboards stammen dürften, also Gerichte sind welche herbeigeträumt wurden um den Absatz eines bestimmten "Mode-Nahrungsmittels" zu fördern. Die Soyabohnensuppe und der Tofu-Dip sind hierfür vielleicht die besten Beispiele. Andere sind auch schon mal "Eingedeutscht": Da ist zum Beispiel die Verwendung von dem bei uns weiter verbreiteten Ahornsirup statt dem im Süden der USA mehr geläufigen Rohrzuckersirup; der Coconut Cake ist nicht die traditionelle mehrlagige Schichttorte, sondern was in den USA coconut bread genannt werden würde; und schließlich wickelt dort keiner die Kartoffeln in Alufolie zum Backen im Ofen. Das verhindert das Entstehen einer knusprigen Schale, weil die Kartoffeln auf diese Weise dämpfen und nicht rösten, wie sie es in einem offenen Lagerfeuer tun würden.
Auf der anderen Hand sind die weitaus meisten Rezepte allerdings fest in Amerikanischen Boden verankert und ganz schön authentisch: Bagels, Maryland Crab Cakes, Eggs Benedict, Buttermilch Pfannkuchen, Erdnusssuppe, Caesar Salad, Hash Browns, Süßkartoffelbrei, Catfish, Oysters Rockefeller, Lobster Newberg (und richtig buchstabiert haben sie es auch, das Wort Newberg!), Clam Fritters, Corn Chowder, eine Version des Gumbo, Spareribs, etc. Ganz besonders beeindruckt war ich von den Rezepten für das Texas Chili, dem Macadamianuss Kuchen, und Schnitz and Knepp (gekochtes, gepökeltes Schweinefleisch mit Äpfeln und Klösschen (knepp) - die sind spot on. Auch die Key Lime Pie (hier in der modernen Version mit Meringue) und der New York Cheesecake (obwohl hier leider ohne die Sauerkirschsauce) sind mir gut gelungen. Das Buch beinhaltet auch eine außerordentlich appetitanregende und geschmackvolle food photography, welche den American Way of Life (oder was wir als typisch Amerikanisch kennengelernt haben) ganz ausgezeichnet rüberbringt.
Also trotz der paar Verfehlungen (sorry, ich kann halt nicht aus meiner Haut) 5 Sterne für dieses Buch. Als großer Fan der Amerikanischen Küche und Eigentümer von einem vollen Duzend original Amerikanischer Bücher über deren Regionalküchen kann ich diesen Deutschen Versuch wärmstens empfehlen.