Dieser Roman zeigt Kafka aus einem anderen Blickwinkel.
In "Amerika" werden zwar die selben Problematiken aufgerufen, die nach hermeneutischer Sichtweise auch in seinen anderen großen Werken zu finden sind, wie Anpassung, Labyrinth-komplex, Autorität als Waffe gegen das Individuum, doch gibt Franz Kafka hiermit, ohne je in Amerika gewesen zu sein eine naturalistisch, wohlgemerkt anmutende Sozialstudie über Amerika und dessen großen Traum. Der Erzählstil ist klar und rein, sodass es dem Leser leicht fällt, die intertextuell-topographischen Türen zu finden, die er hier baut zu finden und zu öffnen. Doch man darf nicht annehmen, dass dieser Roman, trotz des scheinbaren Optimismus ein positives Werk von Kafka ist. Der Protagonist ist ebenfalls dem Untergang unterlegen, doch trifft ihn diesmal keine Schuld an seiner Tragödie. Er wird einfach so hineingeworfen und ist zum Handeln verurteilt. Der existentialistische Aspekt in diesem Roman ist meiner Meinung nach viel umfangreicher, als in seinen anderen Werken. Ich will durch Amerika Kafkas andere Werke nicht in den Schatten stellen, oder irgendwie behaupten, sie sein schlechter als Amerika, das wäre Blasphemie, aber Amerika ist anders als die Anderen, und darum ein beeindruckendes Werk.