Dieses Buch beschreibt die Weltwirtschaftskrise aus amerikanischer Sicht (von ca. 1920 bis 1933, als Roosevelt Präsident wurde).
Zunächst wird die Konjunkturtheorie der "österreichischen Schule" der Volkswirtschaftslehre vorgestellt (siehe z. B. Mises: "Human Action"). Durch die Zeitpräferenz der Marktteilnehmer (was wird jetzt gekauft, was später?) wird deren Einkommen in Konsum und Sparen aufgeteilt; das gesparte Geld steht auf dem Kapitalmarkt für Investitionen zur Verfügung. Durch Angebot und Nachfrage bildet sich auf dem Kapitalmarkt ein so genannter "natürlicher Zins". Die Investitionen erzeugen eine bestimmte Kapitalstruktur, welche die Produktionsstruktur bestimmt. Der Konjunkturzyklus wird von den Zentralbanken in Gang gesetzt, indem diese die Zinsen auf dem Kapitalmarkt zwecks Ankurbelung der Wirtschaft künstlich senken. Dadurch entstehen neue Investitionen; die Produktionsstruktur wird gegen den Willen der Verbraucher geändert. Angebot und Nachfrage auf dem Kapitalmarkt geraten durcheinander. Irgendwann steigen die Zinsen wieder (meist, um Inflation oder eine konjunkturelle Überhitzung zu vermeiden). Dann werden die Fehlinvestitionen unrentabel und es entsteht Arbeitslosigkeit.
Der Konjunkturzyklus zu Beginn der 1920er Jahre wurde ohne weitere staatliche Hilfe bewältigt und der Abschwung dauerte ungefähr ein Jahr. Im Anschluss daran hat die amerikanische Notenbank ("Fed") über die nächsten Jahre die Geldmenge vergrößert (da gleichzeitig durch Produktivitätssteigerungen die Preise sanken, wurde die Inflation scheinbar kompensiert und blieb unbemerkt). Der Autor zeigt jeweils, welche Komponenten der Geldmenge stiegen oder sanken und ob diese unter der Kontrolle der Notenbank waren oder nicht. Oft wurde die Inflation angeheizt, um der englischen Notenbank bei ihren hausgemachten Wechselkursproblemen zu helfen.
Während der Weltwirtschaftskrise blieben die Behörden im Gegensatz zu früheren Konjunkturzyklen nicht tatenlos:
- die "Fed" versuchte z. T., die Geldmenge weiter zu erhöhen (was jedoch wegen der Reaktionen der Banken und Verbraucher häufig fehl schlug)
- die Regierung regulierte den Agrarmarkt
- Importzölle zur Vermeidung ausländischer Konkurrenz wurden eingeführt (das schadete dem Welthandel und führte dazu, dass ausländisch Banken ihre Kredite nicht an die USA zurück zahlen konnten, was die Bankenkrise in Europa verschärfte)
- die Regierung errichtete neue Banken, um u. a. die Kredite für Bauern und Immobilien zu verbilligen
- die öffentlichen Investitionen stiegen (als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen)
- die Einwanderung wurde fast gänzlich gestoppt, um Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu unterbinden
- die Ausgaben der Regierung stiegen (durch "Hilfen" an Bauern usw.), sodass die Steuern erhöht werden mussten
- die Regierung sorgte dafür, dass die Löhne nicht gesenkt wurden ("Kaufkrafttheorie der Löhne") und die Arbeitszeit verkürzt wurde; das führte zu einem Einbruch der Unternehmensgewinne
- von Konzernen wurde darüber hinaus die Errichtung von Kartellen unter staatlicher Lenkung gefordert (was der Autor korrekt als "Faschismus" bezeichnet)
- Agitation der Regierung gegen die Börse (insbesondere gegen Spekulanten)
- neues Insolvenzgesetz, das die Schuldner schützt (und damit die Eigentumsrechte der Kreditgeber aushöhlt)
- es kamen Gerüchte auf, die Golddeckung des Dollars würde ganz abgeschafft
- zur Wiederherstellung des Vertrauens in das Bankensystem und die Wirtschaft wurden Bankenfeiertage und ähnliche Maßnahmen ergriffen; dadurch merkte die Bevölkerung, dass ihr Geld auf den Banken nicht sicher war und zog es ab; deshalb kam es zu noch mehr Bankzusammenbrüchen und schließlich Deflation
Diese Maßnahmen zeigen, dass die Regierung Hoover nicht so kapitalistisch war, wie häufig vermutet wurde (hier wurden viele Maßnahmen Roosevelts vorweggenommen oder eingeleitet). Ganz im Gegenteil: Die Marktwirtschaft wurde teilweise ausgehebelt. Nach den bisherigen Erfahrungen und der oben dargestellten Konjunkturtheorie wäre zu erwarten, dass die Depression dadurch vertieft und verlängert wurde. Genau das ist geschehen; statt etwa einem Jahr hat sie deshalb etwa zehn Jahre gedauert. Besonders bedauerlich ist, dass viele Wirtschaftswissenschaftler diese Maßnahmen damals gut hießen. Damit wurde die "General Theory" von Lord Keynes bereits 5 Jahre vor deren Erscheinen in die Tat umgesetzt. (Eine kurze und auch für Laien verständliche wirtschaftswissenschaftliche Darstellung bietet Mises' Vortrag über die "Ursachen der Wirtschaftskrise".)
Mir hat das Buch sehr gut gefallen: Es zeigt, dass die Weltwirtschaftskrise nicht durch den Kapitalismus verursacht wurde und dass Keynes' Theorie schon scheiterte, bevor sein Buch erschien. Alle Daten sind genau belegt. Da die Maßnahmen Roosevelts aus anderen Büchern bekannt sind, werden sie nicht dargestellt.