Dieser Roman macht betroffen, auch wenn er den Leser immer auf Distanz hält. Ted wird fast durchgehend nur "der Junge" genannt, seine Gefühle bleiben versteckt hinter seinem Gesicht. Nur ganz selten gelingt es dem Leser, einen Einblick zu erhaschen. Dieser Spalt wird aber schnell wieder dicht gemacht und wieder fragt man sich, was in diesem Protagonisten vorgeht. Das ist zum einen spannend, da man so hin und wieder überrascht wird, allerdings hält es einen auch auf Distanz, man erhält keinen Zugang und kann gar nicht versuchen, die Handlungen nachzuvollziehen.
In der Geschichte geht es um eine Menge: Arbeitslosigkeit, die schlechte Wirtschaftslage, zerrüttete und gescheiterte Ehen, kaputte Familien, Lügen, Schuld, Schweigen, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit - viel Bedrückendes kommt zusammen, es ist klar, dass aus dieser Situation heraus nur Katastrophen entstehen können. Da überrascht das fast versöhnliche Ende ein wenig, auch wenn es ein langer Prozess bis dahin ist.
Leider sind die Charaktere sehr schwarz-weiß gezeichnet. Phil LaMarche hält sich nicht viel mit Grautönen auf, auch wenn zumindest Ted hin und wieder die Farbe wechselt. Alle anderen sind seltsam leer, handeln so, wie man es von Stereotypen erwartet und bieten so keine Überraschungen. Auch die "American Youth" ist wenig überraschend: Rechte Jugendbewegungen, die zum größten Teil von ihrem Hass auf sich selbst angetrieben werden, der sich irgendwo niederschlagen muss, kennt man bereits.
Das Einzige, was der Leser nicht bereits in anderer Form gelesen hat, ist vielleicht das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Beklemmung, das einen Jungen befällt, der Schuld am Tod eines anderen wird, diese Schuld aber nirgendwo zugeben und so sein Gewissen etwas erleichtern darf. Zu viel würden sonst die Eltern erleiden müssen, zu stark wäre der Bruch innerhalb der Familie, zwischen Sohn und Eltern.
Die Geschichte lohnt sich durchaus zu lesen. Allerdings wird es wohl beim einmaligen Überfliegen bleiben. Die Charaktere bieten einfach nicht genug Anhaltspunkte, um tiefer einzusteigen und mitzufühlen. So liest man hier einen Bericht der Ereignisse, bleibt aber selbst unbeteiligt und weit weg. Für eine Geschichte, die in einer durchschnittlichen Gegend mit durchschnittlichen Menschen spielt, ist das schade. Hier wäre sehr viel mehr Potenzial gewesen, die Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit in jedem Einzelnen aufzuzeigen.