Wenn posthum Songs von Künstlern veröffentlicht werden ist man hin und her gerissen. Auf der einen Seite wittert man schnöden Ausverkauf, auf der anderen kommt nervöses Kribbeln auf. Was hat uns der Künstler zu Lebzeiten vielleicht noch vorenthalten? Im Fall Johnny Cash ist dies noch wesentlich dramatischer. Denn man weiß, dass die Songs, die auf der 5. Folge der mit Rick Rubin aufgenommenen American Recordings veröffentlicht wurden, zu den allerletzten musikalischen Zeugnissen zählen, die Cash hinterlassen hat. Brüchig war die tiefe Baritonstimme am Ende und doch hat er fast bis zum letzten Atemzug das getan, was sein Leben bestimmt hat: Geschichten erzählen, auf die ihm ganz eigene Art und Weise. Während auf den anderen Folgen der American Recordings viele Interpretationen von Songs aktueller Künstler zu finden waren, dokumentiert "A Hundred Highways" vor allem Cashs Liebe zu Traditionals und Gospel. "Gods Gonna Cut You Down" ist ein Beispiel dafür. Wenn Cash "Like The 309" anstimmt möchte man sich verbeugen, weiß man doch, dass dies der letzte Song ist, den Cash aufgenommen hat, bevor er starb. Rick Rubin hat weitere Alben angekündigt. Man hat das Gefühl, Johnny Cashs spätes Erbe ist wirklich in guten Händen.