Synopsis: Harvey Pekar, Dokumentalist und Intellektueller, Kritiker und Sammler von Jazzplatten, Opfer von Zwangsvorstellungen und Neurosen, trifft per Zufall bei einem „Garage Sale" in einem Vorort von Cleveland den Underground-Zeichner Robert Crumb. Aus ihrer Zusammenarbeit entsteht „American Splendor", ein Zeichentrickfilm, in dem sich die Erfahrungen und das tägliche Leben Harveys wiederspiegeln.
Kritik: Ein Mann geht mit hängenden Schultern und mürrischem Ausdruck die grau verwaschenen Gehsteige eines amerikanischen Vororts entlang. Es ist Harvey Pekar - oder vielmehr der Mann, der die Rolle des Harvey Pekar spielt, während der echte Harvey Pekar den Part des Erzählers übernimmt und aus dem Off von seinem Leben erzählt. Diese Szenen bilden den Vorspann zu „American Splendor", dem Film, der sein Leben zeigt und in diesem Jahr bereits mit dem Jurypreis des Sundance Festivals ausgezeichnet wurde. Sie stimmen den Zuschauer sofort ein auf das, was ihn erwartet, auf die zerrspiegelartige Inszenierung des Geschehens als Hauptelement dieses Films: Den fiktionalen Teil, in dem Pekar von einem Double gespielt wird, die dokumentarischen Passagen, in denen er selbst mit rauher Stimme Episoden aus seinem kaputten Leben beschreibt, die wie kurze Randbemerkungen immer wieder eingestreuten Zeichentrickfilmelemente. Alle diese Versatzstücke stoßen aufeinander und vermengen sich zu einem recht amüsanten visuellen Potpourri.
Was Woody Allen für die Popularisierung der Figur des hypochondrischen und neurotischen Intellektuellen ist, der sich bis an die Grenzen des gesellschaftlich Lebbaren zerfleischt, das ist Harvey Pekar seit den 70er Jahren für den Zeichentrickfilm und die Literatur. Sein apokalyptisches Zusammentreffen mit seiner ihm seelenverwandten letzten Frau Joyce erleben wir als Anmachszene mit dem erwartet katastrophalen Resultat und dem faden Beigeschmack des bereits Erlebten. Das Leben Pekars in Cleveland ist vielleicht nicht besonders glamourös, aber sein Blick auf die Umwelt, in den sich Ironie, lächelnde Selbstkritik und tiefempfundene Zärtlichkeit für den Anderen mischen, ist tröstlich und weckt unausweichlich unser Mitgefühl, ähnlich wie für die anrührenden Versager von Baltimore, wie sie vom unbeschreiblichen Roger Waters in all seinen Filmen gefeiert werden oder vom Schriftsteller John Kennedy O'Toole in dessen wundervollem „A Confederacy of Dunces" beschrieben sind. Diese alles andere als glanzvollen Looser, die es jedoch verstehen, ihre Misere in einer zwangsläufig feindlich gesinnten Welt mit Humor zu nehmen, erzeugen schließlich beim Zuschauer eine sonderbare Art der Identifikation mit diesem Antihelden und eine dauerhaften Sympathie für diesen Film, getreu dem Motto: „I'm a nerd and I'm proud of it".
FIPRESCI Preis Cannes 2003 / OSCAR Nominierung 2004 / LAFCA Award 2004 / SUNDANCE Grand Jury Prize 2003 / etc.