Wir rufen uns in Erinnerung: Dirty Sweet stammen aus San Diego, haben mit "Of Monarchs And Beggars" ein sehr gutes Debüt abgeliefert und waren seitdem fleißig (vor allem im Homeland) auf Tour. Die Veröffentlichung von Dirty Sweets Debütalbum lag ja nun schon ein gutes Stück (2007) zurück und war deshalb ziemlich tief in den unendlichen Weiten des CD-Schranks verschwunden. Da war es, mit dem Neuerscheinen von Album Nummer 2, also an der Zeit, die alte Scheibe mal wieder zu entstauben und, aus welchem Grund auch immer als wichtig erachtet, vor der Neuen laufen zu lassen. Aber so langsam "Of Monarchs And Beggars" mit herrlich rollenden Riffs in der Guitar Street San Diegos ausklang, so fetzend und quietschend biegen Dirty Sweet mit "American Spiritual" in die Roots Rock Road ein. Der rechte Fuß beginnt schon nach den ersten zwei Akkorden zu wippen, der Hintern schaukelt sich schön tief ins Sofa, die Mundwinkel ziehen sich vehement nach oben und dann beginnt das einfache Redneck Gemüt zumindest schon mal dem Opener "Rest Sniper, Rest" das imaginere Brandzeichen "High Quality Music" aufzudrücken...!
Weiter geht es mit einem kleinen Stilwechsel. Song Nummer 2, "You've Been Warned", ist ein leicht angebluestes Roots-Nümmerchen, in dem so'ne halbe Kelle Bottle Rockets Stoff, aber auch ein ganzes Pfund an britischem Rock von Anno Tobak drinne ist. Zurück bleibt nicht nur ein witziges Riff, sondern ein ganzes Stück gute Laune, die den Song nach vorne peitschen. In Anbetracht der Artwork stellt sich zwar kein Voodoo Zauber ein, doch punkten Dirty Sweet mit dem absolut radiotauglichen und country-liken "Star-Spangled Glamour". Der Schreiber, nicht gerade ein Freund seichter Radiounterhaltung, stellt sich diese Nummer aber eher im ASR und anderen US-Sendern vor, als in den deutschen Kakophonie-Anstalten. Zum Ende hin bekommt der Song sogar noch regelrecht Biss und "rifft" (oder bretzelt) sich regelrecht auf...
Während "Get Up, Get Out" dann von der Sorte Songs ist, die böse und mit der flachen Hand auf die Ka*cke hauen, bleibt "Please Beware" von der Klasse, wie sie sich Dirty Sweet bereits mit "Of Monarchs And Beggars" erspielte. Da hört das alte Ohr neben Free und den Black Crowes sicherlich auch Roots Rocker vom Schlage Ryan Bales oder Cross Canadian Ragweed heraus. "An Empty Road" schaltet auf überaus angenehme Weise einen Gang zurück und der Fünfer aus "America's Finest City" präsentiert uns eine Ballade von wirklich herausragender Qualität. Die verhaltene Hookline ist genial, die perlenden Gitarren nicht weniger und eine röchelnde Hammond setzt dem Ganzen ein Krönchen auf!
Wer nun meinte, dass "Get Up, Get Out" schon ein böser Song sei, der verleibe sich mal "Kill Or Be Killed" ein. Sapprament, was sind das für böse Riffs...! Jungens, wir sind ja hier doch irgendwie in der Roots Rock Ecke, da könnt ihr dem unbedarften Hörer nicht einfach so ein Pfund auf die "12" hauen! Aber wie schon auf ihrem Debüt verschwimmen Dirty Sweets Roots Einflüsse auf herrlich prägnante Weise mit treibend-garstigem Gitarren Rock, schneidenden Riffs und hämmernden Groove. Auch diesem Song hängt ein hinterkünftiges Maß an britischem Rock der Frühsiebziger an. Es ist so eine Art Melange aus The Who, Mott The Hoople und T. Rex die sich die Jungens aus San Diego da in ihren eigenen Stoff mixen.
Wesentlich getragener geht es mit "Marionette" weiter. Der Song "mollt" sich mit einer geradezu fantastischen Hook ins Ohr und muss in der Qualität sicherlich als Anspieltipp gelten. Gleiches gilt für "Crimson Cavalry", das auf beinahe unverschämte Weise eine Kiepe Grunge mit in die Scheibe einbringt. Eine wunderbare, krachende Nummer mit einem fast schon überraschenden Intermezzo und überaus einprägsamen Refrain.
Der Tränendrücker "You Don't Try" ist beim ersten Hördurchgang weder Fisch noch Fleisch, kristallisiert sich später aber als durchwegs hörbare Ballade zwischen Roots Rock und Bee Gees (was keinesfalls abwertend gemeint ist) heraus. Irgendwie mag der Song nicht so wirklich zwischen seine Brüder passen und wäre demnach vielleicht am Ende des Albums besser aufgehoben gewesen. Aber da mag man geteilter Meinung sein...
Der Rausschmeißer ist zugleich der Titeltrack. Und da sind dann auch ein wenig die Voodoo Bezüge, die das Album mit dem düsteren Cover suggeriert. "American Spiritual" kommt als erstklassiger Roots Rock Song daher und punktet mit erstklassiger Hook und gänsehautverdächtigen Vocals. Ebenfalls ein unbedingter Anspieltipp!
Als Resümee kann man (der CD) "American Spiritual" konstatieren, dass mit ihr eine der bislang besten Scheiben des noch jungen Jahres vorliegt. Ein herrliches Gebräu aus Classic Rock, Roots Rock und ein paar wirklich wohlschmeckenden Ingredienzien, die von mal hier und mal dort, aber immer kräftig würzend eingestreut werden und absolut glaubhaft wirken. Dirty Sweet gelingt ein rundum empfehlenswertes Album voll tief gehender Musik, voller brillanter Hooks und ergo hochklassigen "Mitsingeliedern"! Volle Punktzahl, keine Frage!
Dies ist ein *hooked-on-music.de* Review. (Vollwertige CD gibt's ohne Import-Zuschlag bei Just For Kicks).