Queensryche hatten ihren Karrierehöhepunkt für meinen Geschmack zwischen 1986 und 1994 mit den Werken "Rage For Order", "Operation: Mindcrime", "Empire" und "Promised Land". Diese vier Alben sehe ich in ihrer musikalischen Qualität ziemlich gleichranging an, obwohl sie teilweise auch schon recht unterschiedliche Stile beinhalten. Alles, was danach kam, habe ich nicht mehr richtig mitbekommen. Es hat mich aber auch nicht weiter interessiert, nachdem ich mal kurze Bekanntschaft damit gemacht hatte. Ist alles eher dünn und mager. Vor allem OM2 ist soundmäßig so dermaßen schlecht, dass sich für mich allein deshalb schon keinerlei weitere Betrachtung der Musik alleine ergeben kann.
Zufällig hat es sich nun ergeben, dass ich in den Besitz des aktuellen Werkes "American Soldier" kam. Was heißt hier zufällig, ich habe es halt einfach mal bei Amazon bestellt. Ich will damit vielmehr sagen, dass mich dieses Album von Anfang interessiert hat und ich es deshalb unbedingt kaufen wollte. Nun aber endlich zur Musik:
Einige haben hier ja schon erwähnt, dass dieses Album ziemlich gleichförmig, um nicht zu sagen langweilig daherkommt. Diesen Eindruck hatte ich anfangs auch. Alles ist schön brav, ohne Akzente, ohne Höhepunkte. Durchschnittsware von der Stange sozusagen. Wie gesagt, diesen Eindruck hatte ich auch und ich war so nach ca. fünf Hördurchläufen schon bei meinem Abschlussurteil "Mittelmaß" angelangt, aber in Ermangelung aktueller musikalischer Alternativen habe ich dieser CD trotzdem noch weitere Runden im Player zukommen lassen ... und siehe da, auf einmal tut sich doch noch was. Was ist denn beispielsweise auf einmal aus Lied Nummer 5, "A Dead Man's Words" geworden? Das ist doch nicht etwa Gänsehaut, die mir da gerade über den Rücken läuft? Doch, ist es! Und so ergeht es mir noch an einigen anderen Stellen, die ich vorher einfach nicht so wahrgenommen habe. Die anfängliche Gleichförmigkeit ist plötzlich völlig verschwunden. Ich kann nun durchaus viele Ecken und Kanten erkennen. Allein die Stellen um die Saxophoneinlagen sind einfach wunderbar. Als eins der wenigen Lieder, die von Anfang an richtig zünden, ist "Killer" mit seinem tollen klöppelnden Schlagzeug. Sehr schön. "Unafraid" erinnert von der Machart und seinem Groove an "Disconnected". Ebenso lässig, ja fast hypnotisch wirkt auf mich "Middle Of Hell". Außerdem finde ich die beiden Lieder "Silver" und "The Voice" in ihrer Funktion als Albumanfang und Albumende absolut gelungen. "Hundred Mile Stare" und "If I Were King" sind weitere absolute Höhepunkte.
Insgesamt kann ich also absolut keinen Schwachpunkt mehr auf diesem Album erkennen, bis auf den Refrain von "Man Down!" vielleicht, den auch schon ein Anderer hier moniert hat und mit "umständlich" meiner Meinung nach vortrefflich beschrieben hat. Die wirklich ausgezeichnete, Gänsehaut erzeugende Einleitung und Strophe geht leider in einen etwas dümmlichen und umständlichen Refrain über. Aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, mit dem ich ganz ausgezeichnet leben kann.
Es wurden hier auch häufig die vielen Samples mit den Zitaten von Soldaten (toller Reim!) bemängelt. Dass das einfach zu viel sei und mit der Zeit einfach nur nervt. Das kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Sie kommen schon sehr häufig vor, das stimmt schon, aber sie sind nicht sooo dominant und ablenkend oder störend. Teilweise sind sie sogar richtig in das Lied als Melodieelement, also songdienend eingebunden, wie etwa bei "A Dead Man's Words". Da finde ich einige Samples auf dem Klassiker "Operation: Mindcrime" übertriebener und nerviger. Wenn ich das jetzt mal etwas provokant formulieren darf.
Warum ich das jetzt so ausführlich erzählt habe? Es muss halt einfach auch der Augenblick stimmen, indem man auf ein bestimmtes Werk trifft. Und da gibt es eben günstige (wie bei mir) und eben weniger günstige. Wenn ich dieses Album zum ersten Mal gehört hätte, während mich gerade eine andere CD fasziniert, wäre es wahrscheinlich chancenlos geblieben. Leider! Oder erst Jahre später mal zufällig wiederentdeckt worden ...