Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich möchte ausdrücklich dem vorherigen Rezensenten widersprechen, dem dabei schlecht geworden ist. Ich halte Kyle keineswegs für einen "Psycho", sondern für einen Soldaten, der seinen Job liebt (der vorherige Rezensent kritisiert, dass Kyle "gern" in den Krieg gezogen ist und Spaß an der entsprechenden "Action" hat. Wenn er das nicht hätte, hätte er nicht Soldat werden sollen und das er es offen zugibt, was der Rezensent ebenfalls kritisiert, finde ich erfrischend und ehrlich, da keine politisch korrekten Umschreibungen oder Entschuldigungen kamen) und anscheinend auch besonders gut darin war, wenn man sich seine Abschussquote anschaut. Man muss daran keinen Spaß haben, aber man muss auch kein Soldat werden. Kyle hat darin seine Leidenschaft gefunden, die ihn mehr als nur erfüllt hat. Wer das verurteilen will, soll es tun. Ich fand es großartig. Wer der Meinung ist, Soldaten seien Mörder oder hätten zumindest die moralische Pflicht ihren Job zu hassen, der sollte dieses Buch vielleicht gar nicht anrühren. Das Buch ist ausgesprochen kurzweilig geschrieben. Kyle erzählt zunächst aus seinem Leben, seiner Kindheit, wie er seine Frau kennengelernt hat und wie er Seal wurde. Die Story mit seiner Frau, schien mir aus deutschen Augen wie die typisch amerikanische Seifenoper mit viel Kitsch zu beginnen und entlockte mir zunächst ein Stöhnen, wurde dann aber eine überraschend ehrliche Geschichte mit Stellungnahmen von beiden Seiten zur teilweise schwierigen Ehe der beiden unter den gegebenen Umständen. Man spürt die Spannung und die schwierigkeiten und findet sich auf einmal selbst wieder. Das Leben verläuft wohl eben bei niemandem perfekt. Da ich die typische perfekte American Family-story erwartet hätte, war ich von diesem ehrlichen Einblick der beiden Eheleute, in dem auch Kyle nicht immer im besten Licht erscheint, sehr beeindruckt. Neben der privaten Story liegt der Schwerpunkt natürlich auf Kyles Seal-Laufbahn. Nebenbei erfährt man viele interessante Infos über das Leben eines Seals, über den Umgang der Soldaten untereinander, Ausbildung, Einstellungen, Ausrüstung etc Es wird praktisch kein Vorwissen vorausgesetzt, so kann auch der Leser, der keine Ahnung hat, gut mitkommen. Der Schwerpunkt der Autobiographie liegt natürlich auf Kyles 4 Irakeinsätzen, wo er an verschiedenen aus den Medien bekannten Orten kämpft wie Nasirijah, Fallujah, Sadr City oder Ramadi und letztendlich zum erfolgreichsten Scharfschützen der US-Militärgeschichte wird. Ich habe während des Lesens zunehmend mitgefiebert und konnte das Buch gar nicht mehr weglegen, so spannend wurde es. Wer moderne Abenteuer- oder Kriegsgeschichten sucht, die sogar wahr sind (z.B. im Vergleich zu Karl May, dessen Geschichten ich als Kind geliebt habe, aber immer bedauert habe, dass sie erfunden sind), ist mit diesem Buch bestens bedient. Man wünscht sich, dass deutsche Soldaten ebensolche Erfolgsstories erzählen könnten. Leider trägt, das antisoldatische Klima in Deutschland dazu bei, dass sich in Rezensionen wie der obigen zeigt (wenn überhaupt Soldat, dann bitte mit Scham und ständiger Selbstkritik, in der man unbedingt den Gegner entschulden muss und seinen Job als böse empfindet (das scheint die gewünschte "Reflexion" zu sein). Soldaten wie Kyle beklagen die amerikanischen Rules of Engagement. Wenn man sich allerdings mit Deutschen Soldaten unterhält, die in Afghanistan waren und denen durch die weit härteren deutschen Gesetze die Hände gebunden sind, braucht sich nicht wundern, wenn wir diesen Krieg verlieren. Wir kämpfen gegen einen Feind der keine Regeln kennt und binden uns beide Hände am Rücken fest um ja nicht so "böse" wie die Amerikaner zu sein, die Gott sei Dank unsere Verbündeten sind um auch ja die Taliban nicht zu verärgern und an den Verhandlungstisch zu küssen. Kyle beschreibt wie einfach schlichte Dezimierung der Gegner zur Befriedigung irakischer Gebiete beigetragen hat. Sie haben die Aufständischen so geschwäch und ihnen klar gemacht, dass sie nicht gewinnen können und der irakischen Bevölkerung damit signalisiert, dass sie die Amerikaner die Stärkeren sind und genau das hat funktioniert. Alles in allem: Tolles Buch mit politisch unkorrekten Implikationen.