Philipp Meyer, der Verfasser des Romans "American Rust"(dt. "Rost") wird so vom Rezensent der Pittsburgh Post Gazette, Dan Simpson, gelobt. Unklar bleibt Dan Simpson, wie jemand, der nicht aus der Region stammt, die Verhältnisse so detailgenau und gefühlvoll nachempfinden kann.
Erzählt wird die Geschichte einer Freundschaft mit ihren Höhen und Tiefen. Vielversprechend begann das Leben von Isaac English, der intelligent und aufgeweckt in einfachen Verhältnissen aufwächst. Der Weg zum College scheint klar zu sein, bis die Familienverhältnisse ihn davon zurückhalten und er in Buell, Pennsylvania, bleiben muss. Sein Schulfreund Billy Poe hat es auf ähnliche Weise schwer - seine Karriere als Footballspieler wäre die Eintrittskarte zum College, wenn da nicht der schwierige soziale Hintergrund und der eigene Jähzorn wären, der in physische Gewalt umschlägt.
Diese beiden Antihelden sind durch ihre Jugend und ihre Schicksale miteinander eng verbunden und geraten in richtig ernste Schwierigkeiten als Isaac auf dem Weg nach Kalifornien einen Obdachlosen erschlägt, der seinen Freund Poe indirekt bedroht.
Jetzt gerät alles aus den Fugen. Poe übernimmt die Verantwortung für die Tat, wird verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Isaac flieht und trampt als "hobo" seinem neuen Lebensziel entgegen. Seine Gewissensbisse verfolgen ihn, aber er kommt seinem Freund nicht zur Hilfe. Er kehrt zurück und für ihn wendet sich zwar äußerlich alles zum Guten, doch ein fader Geschmack des Versagens bleibt an ihm haften.
Assoziationen zu Jack London "The Road"(dt.: Abenteuer des Schienenstrangs), "Huckleberry Finn" von Mark Twain und ähnlichen Romanen der sogenannten Great American Novel und die Erinnerung an die Filme mit James Dean werden von der ersten Zeile an im Leser geweckt.
Dem Autoren gelingt es, den Niedergang der amerikanischen Stahlindustrie realistisch in seiner sozialen Härte zu schildern, ohne belehrend oder langweilig zu sein. Gefesselt verfolgt der Leser die Sichtweisen der Handelnden, die wie in einem Mosaik jeder ein Steinchen zur Geschichte hinzufügen. Neben Poe und Isaac kommen deren Familien und der Polizist Chief Harris zu Wort, der aus Liebe zu Poes Mutter Grace seine eigene Position gefährdet, um Poe zu schützen.
Der Autor lässt ein großes Bild der von den USA vergessenen Bevölkerungsschicht in einem Landstrich entstehen, der bis in die 80er Jahre hinein zu einem der wohlhabendsten Industriegebiete gehörte.
In Pittsburgh ging die Produktion von Rohstahl von 1973 mit 140 Mio.t in 1982 auf 67 Mio.t zurück, d.h. der Weltanteil der Produktion in der gesamten USA verringerte sich von 1955 39,3% auf 8,4% in 1984.
Begleitet von der Krise in der Landwirtschaft und in der Automobilindustrie führte dieser Niedergang zu einer Entmenschlichung einer gesamten Region und hat menschliche Tragödien im unübersehbaren Maß hervorgerufen.
Die Regierung unternahm relativ wenig, um neue Strukturen zu schaffen und Ausweichmöglichkeiten zu bieten, das Ergebnis wird im vorliegenden Roman mit aller Deutlichkeit geschildert. Philipp Meyer zeigt die grundlegende Verbitterung und Hoffnungslosigkeit der Menschen, denen der Sprung in die moderne Dienstleistungsgesellschaft nicht geglückt ist, und die daraus resultierende soziale Verwahrlosung und Gefahr des zunehmenden Extremismus.
Der Erstlingsroman wurde im englischsprachigen Raum gefeiert und auch die deutsche Leserschaft kann sich nun ab August 2010 dafür begeistern, in der Hoffnung auf weitere gelungene Romane von Philipp Meyer.