Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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49 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sozialsatire, 17. Mai 2006
American Psycho - viel diskutiert für die minuziös beschriebenen Szenen unvorstellbarer Grausamkeiten - ist eine kompromisslose Kritik an der US-amerikanischen Gesellschaft der 90er Jahre. Patrick Bateman, der (ohne wirklich zu arbeiten) Unmengen von Geld verdient, hat es auf materieller Ebene weit gebracht - finanziell stehen ihm beinahe alle Türen offen. Doch die Fähigkeit zu Empathie und menschlicher Wärme ist ihm - wenn er sie jemals bessesen hat - irgendwo auf dem Weg vom Elite-College an die Wallstreet verloren gegangen.
Die edlen Visitenkarten seiner Arbeitskollegen oder sein Scheitern beim Versuch, einen Tisch in einem angesagten Restaurant zu reservieren - diese Dinge verursachen bei Patrick Bateman Schweißausbrüche und grenzenlosen Neid. Für all jene, die weniger erfolgreich sind als er, hat er hingegen nur tiefste Abscheu übrig - und das Einzige, was ihm kurzzeitig so etwas Ähnliches wie Freude bereitet, ist, diesen Menschen Schmerzen zuzufügen. Im Verlauf des Buches stumpft Bateman allerdings immer weiter ab, sodass er trotz der immer weiter steigenden Grausamkeit seiner Taten am Ende nichts als eine totale innere Leere empfindet.
Das Monster Patrick Bateman, das von Bret Easton Ellis auf diese Weise beschrieben wird, ist jedoch nicht - wie oft angenommen - das im Körper einer einzelnen Person konzentrierte, pure Böse. Vielmehr hält Ellis der amerikanischen Gesellschaft einen schonungslosen Spiegel vors Gesicht. Gier, Neid, Rücksichtslosigkeit und der Verlust jeglicher Menschlichkeit sind eben nicht das Problem eines neurotischen Psychopathen und Serienmörders, sondern das einer ganzen Zivilisation, deren Wertesystem sich auschließlich nach einem einzigen Ziel ausgerichtet hat - dem Profit.
Wer den Film gesehen hat, wird sicher über die Story im Bilde sein, sollte aber dennoch zum Buch greifen. Denn Ellis' großartiger Erzählstil fehlt der Verfilmung ebenso, wie die sozialkritischen Töne, die man in "American Psycho" in erster Linie zwischen den Zeilen findet.
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38 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Oberflächlich?, 28. Oktober 2002
Von Ein Kunde
Das Wort oberflächlich fiel mir mehrfach ein. Zum einen zum Protagonisten zum anderen aber auch über die eigene Betrachtungsweise. Nachdem seitenlang Designer augezählt wurden, seitenweise Geldbeträge genannt wurden, die für was auch immer ausgegeben wurden (Kleidung, Getränke, Essen, Eintrittsgelder) fragte ich mich was das ganze soll. Geht doch auch kürzer. Nach langem Nachdenken muß ich gestehen: nein, es geht nicht kürzer. Denn die Auflistungen des vermeintlich Langweiligen wiegt einen in Sicherheit, welche durch die bestialischen Szenen verloren geht. Die Oberflächlichkeit der Gesellschaft wird perfekt beschrieben. Und die Oberflächlichkeit von Pat ist die unsrige. Überzogen dargstellt (denn die wenigstens leben den Gegensatz von Schein und Sein so extrem). Und das Desinteresse für die Wirklichlichkeit ist ein Spiegel dessen was wir leben. Pat fragt nicht, was mit seinen Opfern wird, er sucht nicht die Zeitungen nach Meldungen ab. Wegwerfgesellschaft par excellance! Dieses Buch hat 5 Sterne verdient, denn es schafft etwas, was Büchern selten gelingt: es regt zum Nachdenken an. so zum Beispiel habe ich mich gefragt, wie viele Stunden ich mit dem berühmten Small-Talk vergeudet habe. Wie oft bewertet man das Aussehen anderer, diskutiert über Restaurants und berichtet von Neuanschaffungen? Einfach, weil man sich nichts zu sagen hat und - mal ehrlich- mehr einen auch vom Gegenüber nicht interessiert. Ohne Frage: das Buch ist grausam und die Perversitäten unendlich lange (und somit recht schmerzhaft für den Leser) geschildert, aber Hand auf's Herz: würde man das Buch sonst nicht einfach unter "gelesen" ins Regal stellen, ohne zu hinterfragen?
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Manhattan blutet, 18. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Noch selten war ich so froh, ein Buch fertig gelesen zu haben. Ekel und Brechreiz waren Begleiter der Lektüre. Das Leben von Pat Bateman, der in der Wall Street ein Büro betreibt, ist aus dem Ruder gelaufen und nicht nur seines. Die New Yorker des ausgehenden 20. Jahrhunderts sind bei höchster Aktivität in Agonie gefallen. Mitten im Wohlstand im reichsten Land der Welt herrscht ein innerer, selbstzerstörerischer Krieg. Geld und Drogen sind seine Elixiere.Der Autor Bret Easton Ellis ist, wie so viele Amerikaner, Moralist. Sein Buch handelt vom Bösen, einmal wird die Kollaboration mit dem Teufel direkt angesprochen. Das Unangenehme ist die Ich-Form des Erzählers, die einen als Leser in den Abgrund der Ereignisse mithineinreißt. Die New Yorker Welt der Yuppies ist eine uniformierte. Kleidung, Verhalten und Aussehen sind streng genormt. Dadurch verlieren die Menschen ihre Identität, werden verwechselbar und anonym und kommen sich selber abhanden. Hand in Hand mit dieser Unkenntlichkeit geht eine aggressive innere Sinnentleerung. Eine alles überschwemmende Verächtlichkeit liegt allem zugrunde, eine totale Desensibilisierung. Um aufzuwachen aus diesem ohnmachtsgleichen Rausch an Langeweile, bedarf es derart drastischer Reize, wie sie der Autor Bateman setzen läßt. Er läßt ihn Tabugrenzen überschreiten, sich in andere Körper wühlen und seelisch auflösen. Damit liefert Bret Easton Ellis ein Bild von der inneren Befindlichkeit Amerikas. Die Morde geschehen unbemerkt und die getöteten Menschen scheinen niemandem abzugehen. Assoziationen zu Sodom und Gomorra oder Bilder von Hieronymus Bosch tauchen auf. Wir sind schon mitten drin in der Apokalypse, läßt er uns wissen.
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