American Psycho ist einer der umstrittensten Romane der 90er gewesen. Patrick Bateman, ein erfolgreicher aber einsamer Wallstreet-Yuppie ist tagsüber der übliche Reiche und verwandelt sich nachts zur kannibalistischen, rassistischen Bestie. Der Ich-Erzähler entführt den Leser in den ersten Seiten in eine heile Welt, in der es um Luxus, Status, Klatsch, Tratsch, Sex, Drogen, Mode, Restaurants und Mineralwasser geht. Ist ein Restaurant zu billig, ist es nicht Wert besucht zu werden. Das Alles versteht man noch. Doch langsam kommen - wie kleine in einen Film reingeschnittene Szenen, die den Betrachter wundern lassen, ob er die Szene sich jetzt gerade eingebildet hat - kurze Bemerkungen Batemans, die die Spannung des Romans und die Neugier, wann denn endlich die Lethargie des Buches überwunden ist, steigern. Bateman scheint in seiner eigenen kleinen Welt zu leben, er grenzt an Schizophrenie. Viel zu oft äußert er sich, er hätte jemanden umgebracht, er rennt mit blutverschmierter Kleidung rum, die Putzfrau wischt Blut von den Wänden, die dutzenden Leichen werden vielleicht gefunden, aber niemand sucht ihn - all das sind Indizien, dass eigentlich keiner Bateman Beachtung schenkt. Man hört ihm nicht zu, oder hat einfach Angst (im Falle der Putzfrau) irgendwas zu unternehmen.
"American Psycho" ist lahmarschig - am Anfang! Aber das braucht dieses Buch. Denn die Illusion der Welt der Schönen und Reichen ("Sitzt mein Haar richtig?") muss perfekt sein (und für Bateman IST sie langweilig!), damit der Gegensatz zur Bestie und dem Umschalten zum gesellschaftsfähigen Mann um so schockierender ist. Liest man die Stellen der Folter und des Hardcore-Sex, dann fragt man sich schon, wie krank ein Mensch sein kann. Die Beschreibungen sind dermaßen blutig und brutal, dass man teilweise aus Unverständnis und absoluter Entrüstung den letzten Satz noch mal liest. Man bekommt einen richtigen Klos im Hals. Das ist absolut nix für schwache Nerven. 4 Sterne gibt es nur deshalb, weil auf den ersten 150 Seiten der Autor es einfach übertreibt mit den Modebeschreibungen der Leute. Es ist einfach langweilig die unzähligen, überflüssigen, unaussprechlichen Mode-Designer zu lesen. Irgendwann ist auch mal gut. Zum Ende wurde es dann weniger. Was ebenfalls die 4 Sterne bringt sind die zusammenhangslosen, überflüssigen Discographie-Rezensionen von Künstlern wie Whitney Houston, Phil Collins und anderen. Langweilig. Im Gegensatz zum Modefimmel nun gar nicht notwendig um das Leben und die Werte Bateman's darzulegen. Aber man kann's ja (wie die Mode-Zeilen) einfach überspringen. Viel Spass mit diesem Buch. Und durchalten - es lohnt sich!