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Auch auf seinem dritten Album American III: Solitary Man, erneut mit Rick Rubin als Produzenten, sorgt der 1932 als Sohn eines Baumwollfarmers geborene John R. Cash für etliche Überraschungen. Die elektrische Gitarre bleibt genauso unbenutzt wie das Schlagzeug, die Fidel kommt nur selten zum Einsatz, denn Johnny Cash hält sich vom C&W meist fern. Neben den Gastmusikern Tom Petty, Sheryl Crow oder seiner Frau June Carter sorgt insbesondere Benmont Tench an Piano und Orgel für eine wehmütige Atmosphäre. Johnny Cash, der zum Zeitpunkt der Aufnahmen körperlich schwer angeschlagen war, singt mit seiner berühmten Baritonstimme, dass einem das Herz blutet. Insbesondere die Coverversionen, die er so lange bearbeitet, bis sie sich anhören, als stammten sie aus seiner Feder, bilden die vielen Höhepunkte auf Solitary Man.
Den Titelsong schrieb der ewig unterschätzte Neil Diamond, "One" von U2 verliert seinen Pathos und Nick Caves "Mercy Seat" strahlt in neuem Glanz. Wer dachte, dass Will Oldham alias Bonnie Prince Billy mit seinem Lied "I See A Darkness" auf seinem gleichnamigen Album die dunklen Tiefen der Seele ausgeleuchtet hat, den nimmt Cash noch weiter mit. Gerade dieses Coverstück mit Oldham als Backing-Sänger beweist, wie groß die Freude ist, wenn Johnny Cash einen guten Song hört. Dass eine Legende, die Hunderte von Liedern schrieb, überhaupt einen kleinen Undergroundmusiker wie Will Oldham wahr nimmt, zeugt von Respekt und unendlicher Liebe zur Musik. --Sven Niechziol
© Blue Rhythm - Werner Griff
Und dann höre ich das Rick Rubin ihn jetzt produziert. Also wage ich das Abenteuer und kaufe mir diese CD. Und es ist unglaublich, was ich zu hören bekomme. Da singt einer mit einer dunklen, brüchigen aber gelassenen Stimme zu einer fast rein akustischen Begleitung Songs voller Wehmut, Trauer, Schmerz, (Alters)weisheit und Hoffnung. Und niemals hat man das Gefühl, das dies alles nur gekünstelt oder gestellt ist. Es klingt ehrlich und wahr. Er befreit U2s "One" vom klebrigen Pathos und singt Nick Caves "Mercy Seat" so glaubhaft, als erzähle er seine Geschichte.
Vielleicht ist dies das späte Meistwerk eines alten, Parkinson-kranken Mannes. Ich hoffe allerdings nicht. Denn dies hier ist groß und ich glaube, davon brauchen wir noch mehr.
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