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Kundenrezensionen

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am 31. Juli 2006
Wenn posthum Songs von Künstlern veröffentlicht werden ist man hin und her gerissen. Auf der einen Seite wittert man schnöden Ausverkauf, auf der anderen kommt nervöses Kribbeln auf. Was hat uns der Künstler zu Lebzeiten vielleicht noch vorenthalten? Im Fall Johnny Cash ist dies noch wesentlich dramatischer. Denn man weiß, dass die Songs, die auf der 5. Folge der mit Rick Rubin aufgenommenen American Recordings veröffentlicht wurden, zu den allerletzten musikalischen Zeugnissen zählen, die Cash hinterlassen hat. Brüchig war die tiefe Baritonstimme am Ende und doch hat er fast bis zum letzten Atemzug das getan, was sein Leben bestimmt hat: Geschichten erzählen, auf die ihm ganz eigene Art und Weise. Während auf den anderen Folgen der American Recordings viele Interpretationen von Songs aktueller Künstler zu finden waren, dokumentiert "A Hundred Highways" vor allem Cashs Liebe zu Traditionals und Gospel. "Gods Gonna Cut You Down" ist ein Beispiel dafür. Wenn Cash "Like The 309" anstimmt möchte man sich verbeugen, weiß man doch, dass dies der letzte Song ist, den Cash aufgenommen hat, bevor er starb. Rick Rubin hat weitere Alben angekündigt. Man hat das Gefühl, Johnny Cashs spätes Erbe ist wirklich in guten Händen.
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am 25. Juni 2006
Darf man das? Eine Stimme die so brüchig ist, dass man sich bei einigen der Songs fast wünscht, Rubin hätte sie nicht veröffentlicht. Gleich beim ersten Lied Help Me stockt einem beim ersten Hören der Atem - Cashs Stimme kämpft sich förmlich durch den Song, der Schmerz und sein bevorstehender Tod sind in dieser Stimme zu einem so bewegenden Manifest vereint, dass man sich als Hörer fast als Voyeur vorkommt...!
Dennoch ist man Rubin dankbar dafür, dass American V doch noch erschienen ist, für mich das bewegendste Album, dass ich seit langem gehört habe. Lieder über den Tod, Liebe und das Resümee eines wechselvollen Lebens - und alle diese Themen in dieser Stimme gebündelt, einer Stimme, die einem tief ins Herz trifft. Einzelne Lieder herauszustellen wäre sinnlos - alle sind von einem tiefen Ernst durchdrungen, und es gelingt Rubin und den Musikern meist, diesen Grundton durchaus wohltuend unspektakuläre zu unterlegen, wobei die Todessymbolik durch den etwas dicken Gebrauch von Basslinien in Help Me und die sakralen Orgeltöne bei I'M Free From The Chain Gang Now etwas zu vordergründig scheint. Auch bei If You Read My Mind wäre wenige Todessüße mehr gewesen. Der dampfende Blues-Ryhtmus in Like The 309 und der hämmernd und unbarmherzig nach vorne drängende Takt bei God's Gonna Cut You Down überzeugen eher.
Doch die Musik ist nur Beiwerk. Zentrum dieses Albums ist Cashs Stimme die eine Ahnung von Transzendenz spüren lässt, zwischen Apokalypse und Erlösung - Dantes Inferno und das Elysium in einem! Und nach Further On (Up the Road) wünscht man Cash nichts sehnlicher, als mit June eine dieser endlosen Straßen ins Nichts entlangzugehen...
American V mit einem Wort? Groß!
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am 1. August 2006
Vorab muss sagen, dass ich mich nie besonders für Country Musik interessiert habe und somit auch nicht für Johnny Cash. Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich sehr, Walk the Line nicht gesehen zu haben.

Ich habe **If you could read my mind,love** so ganz zufällig im Radio gehört und ich muss sagen ich war plötzlich wie gelähmt und ich war wirklich sehr berührt.

Dieses Stück verkörpert wahrscheinlich Johnnys Gedanken und Gefühle vor seinem Tod. Obwohl seine Stimme gerade bei diesem Stück zeitweilig fast versagt ist gerade dieses Stück eines der gefühlvollsten.

Vor lauter Begeisterung habe ich mir sofort die CD gekauft und seitdem läuft sie *rund*. Ich muss mich jedesmal zusammenreißen um nicht zu weinen weil ich förmlich spüren kann was diser Mann gefühlt hat. Manchmal überkommt mich eine unheimliche Traurigkeit bei einigen Stücken..Das ist die melancholischste Musik die ich jemals in meinem Leben gehört habe. DANKE JOHNNY; DU HAST EINEN NEUEN FAN..Gott hab dich seelig...
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am 20. Januar 2007
Wenn ich so all die verschiedenen Rezensionen dieses einzigartigen und einfach beinahe unbeschreiblich schönen Albums lese, so fällt doch die vernichtende Kritik aus dem Hause Stern schon fast nicht mehr ins Gewicht. Was soll man sich über solche unwissenden und unverständlichen Redaktoren noch länger ärgern, hält man American Recordings V des Man in Black in den Händen...? Lehnen wir uns zurück und lassen wir uns dieses gewaltige Vermächtnis eines wunderbaren Menschen auf der Zunge bzw. im Gehörgang vergehen! Was wir bisher aus dem Hause Rubin zu hören bekommen haben, war sehr gut. Was uns hier mit dem Fünften Album vorliegt, übertrifft jedoch alles bisher gehörte!!

Das ist Cash authentischer, reiner und besser den je!! Auch wenn vom Alter und Krankheit gezeichnet, auch wenn nachträglich musikalisch verfeinert und abgemischt. Es ist und bleibt ein Meisterwerk musikalischen Schaffens. Ich ziehe den Hut vor Mr. Rubin und dem Mann, der mir als Ikone der Musikgeschichte stets in Erinnerung bleiben wird. Dem Man in Black, A Man named Cash! Ein Lebenswerk auf CD gebrannt - A Must Have for everyone!!
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Na, ich hab nichts Gutes erwartet, als diese Veröffentlichung angekündigt wurde. Beim letzten posthumen Werk, das von dem Künstler noch zu Lebzeiten begonnen worden war (George Harrisons "Brainwashed"), war ich so enttäuscht, daß ich sowas nicht mehr hören wollte. Andererseits ist es hier so, daß Cash nichts lieber gehabt hätte als daß ich seine American V höre. Abgesehen davon vielleicht, daß ich "My Mother's Hymn Book" höre. Auf seine Gospelplatten hat Cash zeitlebens viel Liebe & Energie verwandt, & entweder wurden siegar nicht angenommen, ignoriert oder später in größeren Editionen ("Unearthed", "Personal File") mitgeschmuggelt. Hier aber American V, das, was Cashs Lebensaufgabe war in seinen letzten Monaten ohne June.

Ich weiß nicht, ob man diese Platte ohne Sentimentalität hören kann. Es wäre interessant, mal die Meinung von jemandem zu erfahren, der mit Cash bisher nichts am Hut hatte. Mir kommen jedenfalls bei manchen Liedern die Tränen, & ich bin nicht sicher, ob es an Cashs überwältigenden Interpretationen oder an der überall spürbaren Hinfälligkeit des großen Rabauken oder an den Liedern oder einfach daran liegt, daß man so etwas vermutlich nie wieder zu hören bekommt.

Die Arrangements fand ich beim ersten Hören zu süß & zu langweilig. Inzwischen glaube ich, daß es keine bessere Idee als diese zurückhaltenden, bescheidenen Begleitungen hätte geben können.

& nun dieser Gesang! Ich finde es putzig, hier in einigen Rezensionen lesen zu können, wie sich einige mühevoll ein par kritische Bemerkungen zur musikalischen Qualität abringen, um ihre Begeisterung zu verstecken. Cash sei nicht mehr als guter Sänger, sondern als bewegender Geschichtenerzähler beeindruckend, glaubt man herauszulesen. Für mich war Cash nie ein besonders guter Sänger; ich war sogar regelrecht enttäuscht, als ich sein Original von "Ring Of Fire" hörte, von dem ich bislang nur eine Coverversion gekannt hatte. Cash hat schon immer knapp am Ton vorbeigesungen & das mit einem wunderbaren Vibrato ausgeglichen. & außerdem war es schon immer diese Stimme, die einen bewegte, ihn zu hören. & sein Geschichtenerzählen! Daß er nie geneigt war, seine Musik zu überzuckern, kommt ihm auch am Ende zugute, ebenso wie seine Fähigkeit, aus stimmlichen Einschränkungen noch Vorteil zu ziehen. Man bekommt einen richtigen Schreck, wenn "Like The 309" anfängt: So hoch hat Cash noch nie gesungen! Offensichtlich ein Symptom der Schmerzen, die Cash zu erleiden hatte, wird diese neue Stimme dennoch nutzbar gemacht & so getan, als habe man nie anders gesungen. Das ist für mich das eigentlich Großartige am alten Cash. Je kaputter er wurde, umso konzentrierter waren seine Interpretationen.

Es ist also nicht nur ein Werbetrick, wenn der 'Kardinal' Rubin sagt, diese Platte könnte seine liebste unter den "Americans" sein. Auch bin ich richtig froh, daß die 'Duettiererei' noch ein Ende gefunden hat: Auf dieser Platte gibts keine Duette mit schräg singenden Fiona Apples oder wie Cash-Karikaturen klingenden Nick Caves. Diese Unsitte alternder Stars, Duette zu veröffentlichen, könnte meinetwegen ganz verboten werden.

Die vorliegende CD klingt also mehr nach American als die drei Vorgänger & in gewisser anderer Weise auch mehr nach Cash. Dennoch bin ich geneigt zu sagen, sowas habe ich von Cash noch nie gehört. & deshalb ist diese Veröffentlichung eben nicht nur so ein überflüssiger Nachschlag, sondern eine wichtige Ergänzung.
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am 13. November 2006
Meine erste Begegnung mit der Musik von Johnny Cash hatte ich mit 6 oder 7 Jahren. Mein Vater hatte damals eine Kassette und das einzige Lied an das ich mich bewußt erinnere, was "Ring Of Fire". Seit dem fand dieser Mann mit der wunderbaren Stimme ab und zu seinen Weg in mein Leben. 20 Jahre später hat die American Recordings Serie seinem Schaffen einen festen Platz in meinem Leben verschafft.

Diese unglaublich schöne und berührende fünfte Platte dieser Serie ist meines Erachtens nach allerdings die Krone seiner Musik. So wunderbar traurig und ergreifend, durch Mark und Bein gehend und gleichzeitig glücklich machend. Ein "gute Laune" Album ist es mit Sicherheit nicht geworden, daß war aber auch nie der Anspruch des Herrn in Schwarz. Die deutlich hörbar greise Stimme unterstreicht die Stimmungen die die Lieder transportieren auf eine unbeschreibliche Art und Weise. Mit dieser Platte möchte ich den Rest meines Lebens verbringen.
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am 31. Juli 2006
Puuuh... Am liebsten würd' ich dieses Album einfach außer Konkurrenz rezensieren, ohne Bewertung. Das Verwirrende an "A Hundred Highways" ist nämlich, dass es nicht wegen seiner musikalischen Finesse an der Seele rüttelt, sondern wegen -- ja, das ist hier zu klären. Woher kommt diese Wirkung?

Was den Gesamteindruck angeht, so fühle ich mich an Muhammed Ali 1996 erinnert, der, durch die Parkinson-Krankheit zum körperlichen Wrack mutiert, es doch irgendwie schaffte, die olympische Flamme zu entzünden und damit vermutlich nicht nur bei mir eine inwendige Lawine lostrat.

Aber es hilft ja nichts -- hier ist eine Rezension der musikalischen Qualität gefordert. Nicht ganz einfach, denn Johnny Cash hatte der Tod seiner Frau hörbar mitgenommen; wer glaubte, Cash habe schon bei "The Man Comes Around" das letzte gegeben, der erlebt hier die unausdenkbare Steigerung. Hörte sich der Man in Black 2002 noch an wie einer, der auf verlorenem Posten kämpft und nicht aufhört zu hoffen, so spürt man jetzt, dass hier einer weiß, dass er verloren hat, und trotzdem weitermacht. Cash macht weiter -- aber nicht aus Selbsttäuschung, sondern aus Selbstachtung. Vielleicht ist es das, was dieses Album charakterisiert. Denn musikalisch hat es nicht soviel Potential wie die beiden vor Kreativität schier berstenden Vorgänger "Solitary Man" und "The Man Comes Around" -- der direkte Vergleich zeigt, wie stark Cashs Einfluss auf die endgültige Abmischung jener beiden Alben gewesen sein muss: Hier, bei "A Hundred Highways", fehlen den postumen Abmischungen Johnny Cashs Instinkt und sein Mut zum Ungewöhnlichen.

Man kann es auch so ausdrücken: Die nachträglichen Tonspuren sind oft allzu pietätvoll; ein wenig mehr hätten es die Musiker schon krachen lassen dürfen. Schließlich gehören sie alle zur ersten Garnitur. Mehr Mut zu Ecken und Kanten, zum Augenzwinkern, und auch mal mehr Mut zum Pathos hätten den Abmischungen gutgetan. Cash hatte diesen Mut immer, also warum so betulich? Manchmal trauen sich die Musiker ein wenig mehr -- und schon gewinnt der Song an Profil, und Cashs Stimme bekommt Oberwasser.

Zweifellos dominiert Cashs oft erschreckend zerbrechliche Stimme das Album. Er konnte auch noch als todkranker Mann überzeugen, setzte gerade seine Gebrechlichkeit zielgerichtet ein, lässt sie ungeschönt wirken; eine kaum vorstellbare Kraftanstrengung und ein unbändiger Wille müssen dahinterstehen. Kaum zu glauben, dass man hier dem lebensprühenden Mann von einst mit dem unerschütterlichen Bass und der traumwandlerisch sicheren Intonation zuhört, aber es ist so. Und das seltsame dabei ist: Das wirkt nicht jämmerlich oder mitleiderregend, sondern wie das Manifest eines, der notfalls der ganzen Welt trotzt.

Am beeindruckendsten sind sicher die ersten Tracks mit ihrem starken Blues- und Spiritual-Einschlag:

"Help Me" hat tatsächlich was von einem Blues gewordenen Hilfeschrei. "tired of walking all alone" 'das glaubt man sofort. Hier passt auch die zurückhaltende, stimmungsvolle Instrumentierung.

"God's Gonna Cut You Down" ist einer der stärksten Songs der CD, eindringlicher Spiritual-Sprechgesang mit intensivem Blues-Einschlag, dominiert von rhythmischem Klatschen. Hinzu kommt eine unglaubliche Energieleistung von Johnny Cash, ein regelrechtes Aufbäumen.

Schließlich: "Like the 309". Klar, der musste mit an Bord, es handelt sich um Cashs letzten Song überhaupt, wenige Tage vor seinem Tod aufgenommen. Aber nicht die Pietät gebietet eine besondere Würdigung dieses Songs, sondern seine Klasse -- Cash schrieb sich hier einen Blues mit schwarzhumorigen Einsprengseln auf den Leib, den er bemerkenswert kraftvoll singt.

Diesem geballten Blues-Intro schließt sich ein gespenstisches "If You Could Read My Mind" an. Cash macht wieder mal einen netten Song zum Monument -- diesmal tatsächlich gerade deswegen, weil er kaum noch einen Ton rausbringt. Er schont sich nicht, setzt bewusst die erschöpfte Stimme ein. "The hero will be me, and heroes often fall" -- jetzt wird klar, wie das gemeint ist...

Überzeugend ist auch "I Came to Believe", fast schon a capella gesungen (Cash versagte keineswegs bei allen Songs die Stimme). Hier passt die zurückhaltende Instrumentierung hervorragend.

Schließlich "Rose of My Heart" -- eine zu Herzen gehende Antwort auf June Carters "Will You Miss Me When I'm Gone" aus ihrem letzten Album "Wildwood Flower", 2003, will mir scheinen. -- "A flower not faded, not falling apart"... auch eine Art, Abschied zu nehmen.

"A Legend in My Time" und "Four Strong Winds" sind ganz einfach schön. Beide Songs haben etwas Ruhiges, Gelassenes, Gediegenes an sich; unspektakulär sind sie vielleicht, aber bestimmt nicht langweilig. Allerdings leiden sie, wie noch einige andere, hier unerwähnte, an der allzu pietätvollen Instrumentierung, an zu viel glatter Harmonie, und auch die Hintergrund-Fiedelei stört oft.

Aber der Schluss... der Schluss! "I'm Free from the Chain Gang Now" -- das ist nicht nur der Schlusspunkt, weil's der letzte Song auf der CD ist. Cash geht mit diesem Klassiker nochmal back to the roots, unerschütterlich, mit relativ fester Stimme. Ein würdiger Schlusspunkt.

Freilich kann man fragen, ob es legitim war, dieses weitgehend postum produzierte Album zu veröffentlichen. Über den Willen des Künstlers zu spekulieren ist müßig. Auch spricht nichts gegen Rick Rubins lautere Absichten. Der Kauf ist keine Gewissensfrage; der eine will's wissen und hört sich's an, der andere nicht. Beide haben gute Gründe.

Allerdings: Irgendwann muss Schluss sein mit der Nachmahd. Diese CD wäre ein mehr als würdiger Abschluss.

Wie nun dieses Album bewerten? Was es im Innersten zusammenhält, ist nicht unbedingt nur seine musikalische Klasse. Oder doch? Es scheint zunächst eher an etwas zu liegen, was ich behelfsmäßig mit "dokumentarischer Charakter" umschreiben möchte, oder mit "Dokument der Würde". Und doch erreicht Cash diesen Eindruck mit musikalischen Mitteln, sei es gerade wegen seiner erschöpften Stimme, oder sei's ihr zum Trotz. Die eingangs gestellte Frage harrt immer noch der Antwort. Aber das Album hat einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.
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am 28. August 2006
Ich liege am Boden, die Haare stellen sich auf und ich weiß nicht, wann sich die Gänsehaut wieder legt. Mir gehen die Sterne aus. Es ist zwar unfair, dieses Werk mit irgend etwas anderem auf diesem Planeten zu vergleichen, aber wenn, fällt mir eigentlich nur das Requiem von W.A. Mozart ein.

Der eigensinnige Cowboy, der Man in Black, ist am Ende seiner Reise angekommen. Fast vierzig Jahre, nachdem er begriffen hat, dass Gott ihn holt, wenn es Zeit ist und er seinen Todeszeitpunkt nur schwerlich selbst bestimmen kann, ist es tatsächlich so weit. Und er lässt uns teilhaben an einem Abgang voll Größe und Würde, jedes Lied ein Abschied, eine endgültige Version, kein Atemzug umsonst, Klasse in jedem Takt. Die Stimme bricht, der Geist ist hellwach. Jede Zeile der Texte ein Treffer. Lieder, die mir noch nie etwas bedetuteten (If you could read my mind) werfen mich um, so viele Perlen auf einer CD. Die American Recordings sind alle gut, aber nach der Nummer V muss man sagen: Mehr geht leider nicht...

Man müsste jeden Radio- und Fernsehsender der Welt verpflichten, das Ding einmal voll durchlaufen zu lassen, nur um den Menschen zu zeigen, dass es noch echte Musik gibt da draußen...
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am 5. Januar 2008
Johnny Cash hatte immer Stil und Haltung, das stellt ihn über die anderen Künstler. Er konnte 1000 x sein " I walk the line", sein "Ring of fire" oder sein "Jackson " spielen und immer wieder war man berührt. Er hat seine kränkelnde Frau niemals von der Bühne verbannt, sondern hat immer zu Ihr gestanden.

Die Songs dieser CD lassen die Zeit stehen und räumen einen innerlich auf. Alles ist nicht mehr so schlimm wie vorher. Phantastisch die Interpretation von "Loves been god to me". Das Original, das ich nicht kannte, wäre mir nie aufgefallen.
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am 17. Juli 2006
Ob der 5. Teil nun mit den Vorgängeralben qualitativ mithalten kann, diese Frage stellt sich nicht. Der manchmal angeprangerte Ausverkauf der Hinterlassenschaft ist ebenfalls lächerlich. Hätte man dieses letzte Zeugnis von Johnny Cash in irgendeinem Keller verstauben lassen sollen? "A Hundred Highways" schafft das Unglaubliche. Es offenbart das Dahinsiechen, die letzten Gedanken und Gefühle eines alten Mannes, der den Tod nicht als Übel sondern als Beginn einer Transzendenz akzeptiert. In der - manchmal kritisierten - brüchigen Stimme liegt so viel Ausdruck, wird jede Zeile als Botschaft forciert. Cash klingt nie verbittert, niemals ängstlich. Er ahnt sein Ende und lebt ihm entgegen, gedankenvoll und mit sich im Reinen. Was mehr kann ein würdiger Abschluß sein? Zu den Songs sei vermerkt, daß "God's Gonna Cut You Down" einer richtiger Ohrwurm ist, "If You Could Read My Mind" unglaublich fragil und poetisch hervorragt. Es ist kein schwaches Album, welches man aus gewissen Gründen mögen muß, es ist eine ganz großartige CD. Wenn solche Platten unter dem Begriff Abverkauf laufen - Was für ein Hohn etwas so zu bezeichnen, wenn Cash dafür seine letzten Energien geopfert hat! -, dann sollte man dringend weitersuchen, ob nicht noch der eine oder andere verschollene Titel zu finden ist. Johnny Cash hat sehr viel zu sagen, noch viele Emotionen zu wecken.
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