Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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59 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Man möchte sich verbeugen, 31. Juli 2006
Wenn posthum Songs von Künstlern veröffentlicht werden ist man hin und her gerissen. Auf der einen Seite wittert man schnöden Ausverkauf, auf der anderen kommt nervöses Kribbeln auf. Was hat uns der Künstler zu Lebzeiten vielleicht noch vorenthalten? Im Fall Johnny Cash ist dies noch wesentlich dramatischer. Denn man weiß, dass die Songs, die auf der 5. Folge der mit Rick Rubin aufgenommenen American Recordings veröffentlicht wurden, zu den allerletzten musikalischen Zeugnissen zählen, die Cash hinterlassen hat. Brüchig war die tiefe Baritonstimme am Ende und doch hat er fast bis zum letzten Atemzug das getan, was sein Leben bestimmt hat: Geschichten erzählen, auf die ihm ganz eigene Art und Weise. Während auf den anderen Folgen der American Recordings viele Interpretationen von Songs aktueller Künstler zu finden waren, dokumentiert "A Hundred Highways" vor allem Cashs Liebe zu Traditionals und Gospel. "Gods Gonna Cut You Down" ist ein Beispiel dafür. Wenn Cash "Like The 309" anstimmt möchte man sich verbeugen, weiß man doch, dass dies der letzte Song ist, den Cash aufgenommen hat, bevor er starb. Rick Rubin hat weitere Alben angekündigt. Man hat das Gefühl, Johnny Cashs spätes Erbe ist wirklich in guten Händen.
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97 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lawinengefahr!, 31. Juli 2006
Puuuh... Am liebsten würd' ich dieses Album einfach außer Konkurrenz rezensieren, ohne Bewertung. Das Verwirrende an "A Hundred Highways" ist nämlich, dass es nicht wegen seiner musikalischen Finesse an der Seele rüttelt, sondern wegen -- ja, das ist hier zu klären. Woher kommt diese Wirkung?
Was den Gesamteindruck angeht, so fühle ich mich an Muhammed Ali 1996 erinnert, der, durch die Parkinson-Krankheit zum körperlichen Wrack mutiert, es doch irgendwie schaffte, die olympische Flamme zu entzünden und damit vermutlich nicht nur bei mir eine inwendige Lawine lostrat.
Aber es hilft ja nichts -- hier ist eine Rezension der musikalischen Qualität gefordert. Nicht ganz einfach, denn Johnny Cash hatte der Tod seiner Frau hörbar mitgenommen; wer glaubte, Cash habe schon bei "The Man Comes Around" das letzte gegeben, der erlebt hier die unausdenkbare Steigerung. Hörte sich der Man in Black 2002 noch an wie einer, der auf verlorenem Posten kämpft und nicht aufhört zu hoffen, so spürt man jetzt, dass hier einer weiß, dass er verloren hat, und trotzdem weitermacht. Cash macht weiter -- aber nicht aus Selbsttäuschung, sondern aus Selbstachtung. Vielleicht ist es das, was dieses Album charakterisiert. Denn musikalisch hat es nicht soviel Potential wie die beiden vor Kreativität schier berstenden Vorgänger "Solitary Man" und "The Man Comes Around" -- der direkte Vergleich zeigt, wie stark Cashs Einfluss auf die endgültige Abmischung jener beiden Alben gewesen sein muss: Hier, bei "A Hundred Highways", fehlen den postumen Abmischungen Johnny Cashs Instinkt und sein Mut zum Ungewöhnlichen.
Man kann es auch so ausdrücken: Die nachträglichen Tonspuren sind oft allzu pietätvoll; ein wenig mehr hätten es die Musiker schon krachen lassen dürfen. Schließlich gehören sie alle zur ersten Garnitur. Mehr Mut zu Ecken und Kanten, zum Augenzwinkern, und auch mal mehr Mut zum Pathos hätten den Abmischungen gutgetan. Cash hatte diesen Mut immer, also warum so betulich? Manchmal trauen sich die Musiker ein wenig mehr -- und schon gewinnt der Song an Profil, und Cashs Stimme bekommt Oberwasser.
Zweifellos dominiert Cashs oft erschreckend zerbrechliche Stimme das Album. Er konnte auch noch als todkranker Mann überzeugen, setzte gerade seine Gebrechlichkeit zielgerichtet ein, lässt sie ungeschönt wirken; eine kaum vorstellbare Kraftanstrengung und ein unbändiger Wille müssen dahinterstehen. Kaum zu glauben, dass man hier dem lebensprühenden Mann von einst mit dem unerschütterlichen Bass und der traumwandlerisch sicheren Intonation zuhört, aber es ist so. Und das seltsame dabei ist: Das wirkt nicht jämmerlich oder mitleiderregend, sondern wie das Manifest eines, der notfalls der ganzen Welt trotzt.
Am beeindruckendsten sind sicher die ersten Tracks mit ihrem starken Blues- und Spiritual-Einschlag:
"Help Me" hat tatsächlich was von einem Blues gewordenen Hilfeschrei. "tired of walking all alone" das glaubt man sofort. Hier passt auch die zurückhaltende, stimmungsvolle Instrumentierung.
"God's Gonna Cut You Down" ist einer der stärksten Songs der CD, eindringlicher Spiritual-Sprechgesang mit intensivem Blues-Einschlag, dominiert von rhythmischem Klatschen. Hinzu kommt eine unglaubliche Energieleistung von Johnny Cash, ein regelrechtes Aufbäumen.
Schließlich: "Like the 309". Klar, der musste mit an Bord, es handelt sich um Cashs letzten Song überhaupt, wenige Tage vor seinem Tod aufgenommen. Aber nicht die Pietät gebietet eine besondere Würdigung dieses Songs, sondern seine Klasse -- Cash schrieb sich hier einen Blues mit schwarzhumorigen Einsprengseln auf den Leib, den er bemerkenswert kraftvoll singt.
Diesem geballten Blues-Intro schließt sich ein gespenstisches "If You Could Read My Mind" an. Cash macht wieder mal einen netten Song zum Monument -- diesmal tatsächlich gerade deswegen, weil er kaum noch einen Ton rausbringt. Er schont sich nicht, setzt bewusst die erschöpfte Stimme ein. "The hero will be me, and heroes often fall" -- jetzt wird klar, wie das gemeint ist...
Überzeugend ist auch "I Came to Believe", fast schon a capella gesungen (Cash versagte keineswegs bei allen Songs die Stimme). Hier passt die zurückhaltende Instrumentierung hervorragend.
Schließlich "Rose of My Heart" -- eine zu Herzen gehende Antwort auf June Carters "Will You Miss Me When I'm Gone" aus ihrem letzten Album "Wildwood Flower", 2003, will mir scheinen. -- "A flower not faded, not falling apart"... auch eine Art, Abschied zu nehmen.
"A Legend in My Time" und "Four Strong Winds" sind ganz einfach schön. Beide Songs haben etwas Ruhiges, Gelassenes, Gediegenes an sich; unspektakulär sind sie vielleicht, aber bestimmt nicht langweilig. Allerdings leiden sie, wie noch einige andere, hier unerwähnte, an der allzu pietätvollen Instrumentierung, an zu viel glatter Harmonie, und auch die Hintergrund-Fiedelei stört oft.
Aber der Schluss... der Schluss! "I'm Free from the Chain Gang Now" -- das ist nicht nur der Schlusspunkt, weil's der letzte Song auf der CD ist. Cash geht mit diesem Klassiker nochmal back to the roots, unerschütterlich, mit relativ fester Stimme. Ein würdiger Schlusspunkt.
Freilich kann man fragen, ob es legitim war, dieses weitgehend postum produzierte Album zu veröffentlichen. Über den Willen des Künstlers zu spekulieren ist müßig. Auch spricht nichts gegen Rick Rubins lautere Absichten. Der Kauf ist keine Gewissensfrage; der eine will's wissen und hört sich's an, der andere nicht. Beide haben gute Gründe.
Allerdings: Irgendwann muss Schluss sein mit der Nachmahd. Diese CD wäre ein mehr als würdiger Abschluss.
Wie nun dieses Album bewerten? Was es im Innersten zusammenhält, ist nicht unbedingt nur seine musikalische Klasse. Oder doch? Es scheint zunächst eher an etwas zu liegen, was ich behelfsmäßig mit "dokumentarischer Charakter" umschreiben möchte, oder mit "Dokument der Würde". Und doch erreicht Cash diesen Eindruck mit musikalischen Mitteln, sei es gerade wegen seiner erschöpften Stimme, oder sei's ihr zum Trotz. Die eingangs gestellte Frage harrt immer noch der Antwort. Aber das Album hat einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.
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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Asthma's coming down like the 309, 21. April 2007
Die CD berührt zutiefst und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Johnny Cash einen Blick in seine Seele preisgibt - "A hundred highways", das Vermächtnis eines Mannes im Angesicht des Todes. Schon nach dem ersten Song in dem er müde und mit brüchiger Stimme: "Oh Lord help me walk another mile, just one more mile" singt, steigt der Chillfaktor. Er war nie der große Sänger aber seine Stimme weckt Emotionen, schafft Nähe und Authentizität. Coverversionen von Bruce Springsteen, Gordon Lightfoots "If you could read my mind" und seine letzte Komposition "Like the 309" sind exzellentes Songmaterial. Kurzatmig singt er im "309" "Asthma's coming down like the 309". "It should be a while before I see Doctor Death, so it would sure be nice if I could get my breath," Im country-blues groove gnarzt er "Take me to the depot, put me to bed, blow an electric fan on my gnarly old head," "Everybody take a look, see I'm doin' fine, then load my box on the 309." Produzent Rick Rubin hat mit der American Recordings Reihe wesentlich zum Kultstatus des "Man in Black" beigetragen, es ist "Johnnys final statement".
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