Stan Smith ist ehrgeiziger Angestellter in Diensten der CIA, überzeugter Republikaner und treusorgender Familienvater. Geprägt vom Post-9/11-Trauma nimmt Stans Behüterinstinkt schon mal extreme Formen an, die seiner Ehefrau Francine einiges an Geduld und Verständnis abverlangen. Kaum Unterstützung erhält sie dabei von Tochter Hayley, einer radikalen Bush-Hasserin und Öko-Aktivistin. In seiner eigenen, von femininen Oberflächenreizen dominierten Welt lebt der pubertierende und beim weiblichen Geschlecht chancenlose Sohn Steve, permanent auf der Suche nach seiner Traumfrau vom Kaliber Angelina Jolies. Komplettiert wird die schräge Familie durch Roger, ein Außerirdischer, den Stan aus der Area 51 "gerettet" hat und der infolge des strikten Kontaktverbotes mit der Außenwelt ein Alkoholproblem entwickelt hat, sowie durch Goldfisch Klaus. Letzterer wird nicht müde, mit breitem sächsischen Akzent von seiner unerwiderten Liebe zur Herrin des Hauses zu schwärmen.
Mit FAMILY GUY hat Seth MacFarlane 1999 ein gelungenes, in Teilen subversiveres Gegenstück zu den SIMPSONS geschaffen. Hierzulande konnte sich die Serie jedoch nicht mal annähernd vergleichbar wie die Sippe um Homer etablieren. Die Gründe hierfür sind ähnlich wie bei der anarchischen Serie SOUTH PARK sicherlich in der Fokussierung der Macher auf US-amerikanische, insbesondere politische Missstände zu finden, während DIE SIMPSONS massenkompatibler gestaltet wurden. Der oft bemühte Vergleich zwischen den genannten TV-Shows trifft somit zwar grob in Bezug auf die jeweilige Konzeption der durchschnittlichen amerikanischen Familie zu, nicht jedoch auf die völlig unterschiedlich angelegten Storylines.
Was der smarte und sympathisch herüberkommende Seth MacFarlane mit AMERICAN DAD auf die Fernsehschirme losgelassen hat, übertrifft alles im Bereich TV-Animation bislang dagewesene. Und gibt all denen, denen die Vereinigten Staaten unter Bush und vor allem nach 9/11 zunehmend suspekter und wenig lebenswert erschienen, den Glauben daran zurück, dass nicht alle US-Bürger kritiklos und ergeben hinter ihrer Regierung stehen. Spannend ist die Frage, wie weit die freie Meinungsäußerung hätte getrieben werden können, wäre die Satire und unverhohlene Kritik nicht in Trickfiguren verpackt worden. Zwar beginnt jede Episode mit dem unverschämt eingängigen, in eine Musical-Nummer gekleideten "Good Morning, USA!", voller Pathos dargeboten von Stan Smith (Seth MacFarlane) und endend mit der bildfüllenden US-Flagge. Damit endet der pompös angekündigte Patriotismus aber schon wieder und es startet der Rundumschlag gegen CIA-Methoden, US-Außenpolitik, kaum noch latent zu bezeichnenden Rassismus und Anti-Islamismus. Im Mittelpunkt steht dabei meist der titelgebende Dad, CIA-Bürokrat und Möchtegern-Agent Stan Smith, der in seiner vollen Überzeugung, Land und Familie vor jedweden unamerikanischen Umtrieben beschützen zu müssen auch keine Scheu hat, den zur Verfügung stehenden Geheimdienstapparat zu zweckentfremden. Sei es, eine potenzielle Konkurrentin seiner Gattin entführen zu lassen oder die lokale Fernsehstation in seine Gewalt zu bringen, um von Stund an nur noch jugendfrei Erbauliches über den Sender zu schicken. Kein wohlbekanntes Klischee absurden amerikanischen Verhaltens wird ausgelassen, vielmehr gelingt virtuos der zwerchfellerschütternde Mix aus hemmungslos alberner Übertreibung und perfekt getimten, intelligenten Pointen. Aufgrund des konstant gehaltenen Qualitätsstandards fällt es schwer, einzelne Folgen hervorzuheben. Zu den Highlights gehört neben der Pilotfolge und "Heimatschutz" zweifellos das zweiteilige Staffelfinale "Stan von Arabien", das gespickt ist von frivolen Musicalnummern und respektlosen Seitenhieben auf die Weltpolizei USA und deren Voruteile gegenüber Nahost.
Großer Verdienst gebührt ausdrücklich dem engagierten Synchroncast, der im sehenswerten Bonusmaterial der DVD-Box vorgestellt wird. Anders als bei FAMILY GUY ist es diesmal außergewöhnlich gut gelungen, die vokale Qualität ins Deutsche zu übertragen, insbesondere im Falle des sächselnden Goldfisches Klaus, der im Original mit deutschem Akzent versehen wurde. Obwohl George Clooneys Stammsprecher Detlef Bierstedt mit der Eindeutschung von Stan eine hervorragende Leistung abgeliefert hat, lohnt sich ein Ohr auf die englische Tonspur zu werfen. Schöpfer und Sprecher Seth MacFarlane intoniert das Familienoberhaupt nämlich verblüffend authentisch in Manier der aus den 50ern bekannten Sprecher von Filmtrailern und Propagandafilmen, reißerisch und pathetisch artikulierend. Neben teils im Synchrongewerbe versierten, dem breiten Publikum freilich unbekannten Akteuren konnte für die Rolle des CIA Directors Bullock kein geringerer als STAR TREK und X-MEN Veteran Patrick Stewart gewonnen werden, dessen gezeichnetes Alter Ego als einziger Mitwirkender - abgesehen von Gastauftritten Angelina Jolies oder George Bushs - sogar exakt dem Vorbild nachempfunden wurde.
All denen, die mit Animationsfilm nicht ausschließlich sprechende und singende Tiere oder kindgerechten Slapstick à la Bugs Bunny oder Tom und Jerry gleichsetzen und neben den Lachmuskeln gerne auch den Intellekt angesprochen wissen wollen, sei diese hoffentlich noch einige Seasons überdauernde Spitzenserie wärmstens ans Herz gelegt. Good Morning, USA!