Das halbbiographische "Fuck America" - zuerst unter dem Titel "Bronskys Geständnis" geschrieben - handelt von einem Juden, der den Holocaust überlebte und danach nach Amerika auswandert, das ihm während des Dritten Reiches die Aufnahme als Flüchtling verweigert hatte. In New York schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs und kleinen Gaunereien durch. Die Hauptfigur Jakob Bronsky findet in der neuen Umgebung keinen Halt und schreibt, um das Loch in seinem Gedächtnis zu füllen und die verdrängten Erlebnisse der Dreißiger und frühen Vierziger Jahre zu verarbeiten.
Es handelt sich um keinen einen Erlebnisbericht. Jüdische Schicksale werden angedeutet aber nie personalisiert. Einzelne mögliche Leidenswege stehen exemplarisch für die 6 Millionen Opfer des Genozid.
Der Text bietet seinen Lesern keine Identifikationsfiguren an. Er verliert sich nie in Trivialität, ist ohne Weinerlichkeit sondern sprachlich derb und in weiten Teilen obszön. Der Verlust der Potenz steht bei Bronsky für die Verfolgung. Erst in Amerika spürt der Antiheld wieder sexuelles Verlangen, das er aber nur mit Strichmädchen ausleben kann, weil ihm die Gesellschaft keine reelle Chance auf eine normale Beziehung lässt. Die amerikanische Gesellschaft und damit auch die dortigen Frauen werden alle als geld- und statusorientiert beschrieben und verdecken ihre Einsamkeit, weil sich die nicht schickt. Das Frauenbild der dauererregten Jakob Bronsky ist beim Lesen nur schwer zu ertragen, auch wenn klar ist, dass es im Rahmen des Textes stringent ist.
Bronsky lebt in einem amoralischen Vakuum und entzieht sich auch nach seiner (imaginierten) Rücksiedlung nach Deutschland den hiesigen Erwartungen. Der Verein "Schuld und Sühne", eine Parodie auf die deutschen Versöhnungsbemühungen, versorgt den Rückkehrer.
In dem in einfachen aber prägnanten Sätzen und mit vielen Wort- und Satzwiederholungen gehaltenen Text fließen immer wieder erzählte Realität und Phantasie ineinander.
Man kann bei dem Thema des Buches keinen Lesegenuss erwarten und das Interessante, Außergewöhnliche und Lohnende an dem Buch ist, dass es beim Leser auch kein wohlwollendes Mitgefühl für das Opfer aufkommen lässt. Dennoch möchte ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen, da die enthaltende Gesellschaftskritik oft sehr eindimensional daherkommt.