Boyle schreibt immer so normal, meist gelingt es ihm, dass man das Verhalten und die Gründe der Handlungsweisen seiner Figuren versteht, oder es doch mindestens nachvollziehen kann. Das macht seine Bücher manchmal sehr, sehr traurig, oder aufrüttelnd, oder einem selbst wütend.
"América" ist die Geschichte eines mexikanischen Päärchens, das vor seiner Armut in die USA flüchtete, in der Hoffnung, dort arbeiten und ein wenig Geld verdienen zu können. Soviel Geld, dass sie irgendwann eine Wohnung mieten und, wer weiss, vielleicht sogar irgendwann ein eigenes Auto kaufen könnten. Leider geht dann aber alles schief. Cándido und seine Frau América ziehen das Pech geradezu an, stolpern von einer Katastrophe in die nächste, kommen vom Regen in die Traufe. Es ist ausserdem ein Buch über Rassismus, über den Hass, der aus der Angst entsteht, die man vor etwas hat, das man nicht kennt oder nicht versteht, weil man sein eigenes Leben lebt und so sehr darin vertieft ist. Oder aus Kurzsichtigkeit, aus Dummheit, oder aus der Faulheit, die einen dazu verleitet, von den nächstliegenden Möglichkeiten auszugehen, weil es am einfachsten ist.
Ein Buch, das das Leben der Armen dem der Reichen auf erschütternde, realistische Weise gegenüber stellt.