Über 200 Jahre liegt die französische Revolution zurück, aber die Buchautorin Nora Berger ist auch heute noch fasziniert von diesem Ereignis.
So erzählt sie in ihrem Roman Amelie - Sturmzeit auf Valfleur, das Schicksal der adeligen Familie des Barons d´Emprenvil, die auf Schloss Valfleur in der Nähe von Paris lebt, wobei die Tochter des Barons, Amelie, im Vordergrund steht.
Nora Berger gelingt es, eine sich immer weiter steigende Spannung der Handlung aufzubauen, sodass man Seite und Seite wissen möchte, wie das Leben der einzelnen Personen sich entwickelt. Man liest nicht nur, man sieht auch Bilder vor sich, denn die Autorin gibt vom Äußeren der Beteiligten oder von Stimmungen eindrucksvolle Beschreibungen. So sieht - und riecht - man Amelie, wenn sie mit ihrem apfelgrünen Morgenmantel, umhüllt von einem neuen, soeben aus Paris eingetroffenen Duftwasser die Treppe herunter steigt. Oder man sieht einen Raum, dessen Wände mit Schäferszenen des Rokoko bemalt sind, silberne Leuchter mit brennenden Kerzen, die auf silbergerahmte Spiegel ihr Licht werfen. Oder die duftigen, zartfarbenen Kleider, die die weiblichen Protagonisten tragen. Man bedauert fast, das ist diese Art Kleider, die eine Frau schmücken, nicht mehr gibt. Und auch die Männer waren sicher mit ihren engen Hosen, Stiefeln, den offenen Haaren und weißem Spitzenjabot herrlich anzusehen!
Es sind nicht nur diese eindrucksvollen Stimmungsschilderungen, sondern Nora Berger deckt auch geschichtliche Hintergründe auf, die Auslöser der Revolution waren und lässt uns teilhaben an ihrer Entwicklung in der Hauptstadt Paris, indem sie Debatten aus der Nationalversammlung, Aufmärsche vor dem Palais Royal, oder die Ausweglosigkeit des Königs Ludwig XVI., sein Schicksal zu wenden und den Tod unter den Guillotine zu entgehen, schildert.
So ist dieser Roman nicht nur die spannende Geschichte einer Familie des ausgehenden 18. Jahrhunderts, sondern er vermittelt auch ein Stück französischer Geschichte.
Man kann sich also freuen, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Mit einem geliebten Getränk zieht man sich sodann in eine stille Ecke zurück, genießt Seite um Seite und vergisst die Welt um sich herum. Christel Gonschorrek.