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Ameisentage: Drei unordentliche Lesestücke
 
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Ameisentage: Drei unordentliche Lesestücke [Taschenbuch]

Brigitte Stolle
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Produktinformation

  • Taschenbuch: 114 Seiten
  • Verlag: Edition Thaleia; Auflage: 1., Aufl. (Januar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3924944814
  • ISBN-13: 978-3924944810
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 4.833.305 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ja, wo laufen sie denn?

Ja, wo laufen sie denn hin???

Es sicheln und mähen von Ost nach West

Die apokalyptischen Reiter,

Aber ob Hunger, ob Krieg, ob Pest,

Es kribbelt und wibbelt weiter ...

Diese Worte Theodor Fontanes über die fleißigen Ameisen stellt die Autorin ihrem Werk bewusst voran, denn:

Ein sechsjähriges Kind entdeckt die kribbelten und wibbelnden Tierchen als interessantes Studienobjekt; lässt sie auf das Schaufelchen laufen und sofort im roten Kunststoffeimer verschwinden. Eine Ameise allein würde sich langweilen, dachte das Kind, vielleicht aber auch an Einsamkeit eingehen. Und so begann die Verhaltensforscherin in spe erst eine, dann noch eine und schließlich eine ganze Reihe von Ameisen unterschiedlichster Herkunft zusammen in den Eimer zu sperren, denn: Ameisen krabbeln nicht aus dem Eimer - vielmehr laufen Sie - möglichst immer im Kreis an der Bodenaußenwand.. In Ermangelung von wahrnehmbaren Gegenständen legen sie so weite Strecken zurück, unterbrochen nur von den Kämpfen gegen ihresgleichen aus fremden Gefilden, die meist tödlich ausgehen. Man sollte meinen, die kleinen Tierchen haben es den Menschen abgesehen.

Die Autorin schreibt in einer Vorbemerkung: Die Sprache der drei Lesestücke ist fast durchweg eine leicht archaische. Bewusst kommen hier grammatikalische Formen zum Tragen, die uns heutigen Menschen zwar bekannt sind, die aber in der täglichen (Umgangs-)Sprache fast nicht mehr vorkommen.

Zu dieser mit Archaismen durchsetzten Sprache kommt ein verspielter Satzbau, nachgestellte Appositionen, Nebensätze, die - kaum begonnen - gleich wieder aufgebrochen werden und vielfach ein Eigenleben entwickeln. Eine bewusst so gestaltete Verbindung, die auf zeitliche Distanz hinweisen oder ironisch-pathetisch wirken mag - es liegt allein am Leser, diese Entscheidung zu treffen. Die sprachlichen Fossilien dienen außerdem als äußerliche Anzeichen dafür, dass in den Lesestücken der Irrealität Raum gewährt wurde und dass die jeweiligen Handlungsabläufe nicht geradlinig auf einen Schluss zusteuern. Ein Arrangement, das gewöhnungsbedürftig genannt werden darf, ein Zusammenspiel, das einen gewissen Reiz bietet. Das aber auch - Gott sei Dank - Ansprüche an den Leser stellt, denn es ist weit ab vom geldheischenden Literaturbetrieb.

Die Autorin hat hier eine mit Spachwitz und einer üppigen Dosis Ironie heute selten geschriebene, leider verlorengegangene Form gewählt, die sich herrlich erfrischend liest und einem die Vorstellungskraft - zurück in die Kinderzeit - leicht macht.

Nicht weniger gelungen zeigen sich die beiden anderen der insgesamt Drei unordentlichen Lesestücke". Schon deren Titel: Frau W oder die Überwindung der Außenwelt durch ein Viertelpfund Butter" und Rückwärts" machen neugierig auf die Lektüre.

Nach der "Köchin" sind die Ameisentage" ein weiteres köstliches Buch der Mannheimer Autorin Brigitte Stolle, die ihren Texten stets liebevoll ausgewählte Zitate voranstellt.

Originell: Die von Illustrator Harold Eisele gezeichneten Ameisen, die über die Buchseiten kribbeln und krabbeln und den Leser bei seiner Lektüre begleiten.

Ich habe mich übrigens mit großer Freude über das Buch hergemacht, denn: Es fehlen die Anglizismen und gerade das erinnert an eine unverfälschte deutsche Sprache.
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