Ich habe dieses Messerset nur wegen des Messerblocks gekauft und damit gerechnet, dass ich mit den Messern selbst im allerbesten Fall nur die Büroküche aufwerten kann, in dessen Besteckschubladen sich derzeit nur richtig schlechte Küchenmesser befinden. Tatsächlich hat mich dieses Messerset zumindest zum Teil angenehm überrascht. Nichtsdestotrotz ist dieses Set nur emfehlenswert für Leute, die ein Messer schleifen können oder nichts dagegen haben, stets einen Wetzstahl benutzen zu müssen. Und glücklich werden mit diesem Set auch dann auch nur Leute mit kleinen Händen, obwohl die Messer aufgrund des Hohlgriffs recht gut ausbalanciert sind.
Der Stahl x40cr13 ist nichts Besonderes, aber auch nichts Schlechtes. Qualitativ eine Stufe unter "chirurgischem Stahl". Messerliebhaber werden die Nase rümpfen. Aber sein Vorteil liegt neben der Rostfreiheit darin, dass er sich leicht auf z.B. einem japanischen Wasserstein schleifen lässt. Dies ist bei diesem Set auch dringend erforderlich:
Als erstes habe ich natürlich die Schneidfreudigkeit mit Werksschliff probiert. Opfer waren eine große Gemüsezwiebel, Tomaten und ein Bäckermischbrot mit kräftiger Kruste. Die Tomate ließ sich mit dem Kochmesser schneiden, ohne sie zu zerquetschen. Das 4-Sterne-Zwilling glitt selbst Wochen nach dem letzten Schleifen besser durch die Tomate. Das Gleiche gilt für das Schneiden der Zwiebel und des Brotes. Es geht, aber das Amefa-Kochmesser wirkte im Vergleich zum 4-Sterne-Zwilling stumpf. Als nächstes habe ich das Amefa-Brotmesser gegen das geschmiedete Brotmesser eines großen Kaffeerösters am Brot getestet. Während das Kaffeeröster-Brotmesser das Brot trotz sehr kräftiger Kruste ebenso leicht schneidet, wie das 4-Sterne-Zwilling-Kochmesser, ist es mit dem Amefa-Brotmesser nicht wirklich möglich, das Brot zu schneiden. Die stumpfe Sägeschneide des Amefa-Brotmessers zerreißt die Kruste und damit zum Teil das Brot.
Ein Brotmesser bzw. einen Wellschliff nachzuschleifen ist ohne teures Spezialwerkzeug nicht möglich ' das Amefa-Brotmesser war also ein Fall für die Tonne, was es mir erlaubte, vor der Entsorgung Falltests damit durchzuführen. Egal aus welchem Winkel ich das Brotmesser aus Küchentischhöhe auf die Keramikbodenfliesen fallen ließ ' es brach nicht. Dies übrigens sehr zu meinem Erstaunen, da sich ein aktuelles Kafferöster-Officemesser nach einem versehentlichen Fall auf die Bodenfliesen halbierte. Das Brotmesser landete aufgrund seiner Stumpfheit trotzdem im Mülleimer, ich gehe jedoch davon aus, das sich die Falltests auf die anderen Messer übertragen lassen.
Nachdem das nutzlose Brotmesser entsorgt war, konnte die Schärfe der übrigen Messer im Auslieferunszustand im Vergleich mit Markenküchenmessern nicht überzeugen. Sie schneiden zwar, aber deutlich mühsamer. Ein Blick auf die Schneide mit einer kräftigen Lupe verrät warum: Der Schliff ist sehr grob mit teilweisen Ausbrüchen der Schneide. Nach einem Schärfen auf einem japanischen Wasserstein mit 1000er und anschließend 3000er Körnung sieht die Schneide unter der Lupe um Welten glatter aus und schneidet mühelos Papier (mein Standard-Schärfetest), und das Gemüse und Brot deutlich leichter. Selbst eine luftgetrocknete Salami ließ sich mit dem geschärften Kochmesser ebenso leicht schneiden wie mit dem Solinger 4-Sterne-Zwilling-Kochmesser.
Wer behauptet, "die Messer sind nach knapp 4wöchiger (intensiver) Benutzung scharf wie am ersten Tag", hat entweder eine andere Produktions-Charge als ich erhalten oder hatte noch nie ein wirklich scharfes Messer in der Hand.
Die Messer sind nach einer sorgfältigen Schärfung durchaus brauchar, allerdings nichts für große Hände, da sich die ohnehin dünnen Griffe nach hinten verjüngen. Wenn man kleine Hände hat und nur selten kocht, also nur selten schneidet, und nicht vor der Benutzung eines Wasserschleifsteins oder adäquater Schleifvorrichtungen zurückschreckt, kann man bei diesem Set bedenkenlos zugreifen. Als "Erstausrüstung" würde ich jedoch nicht dieses Set, sondern stattdessen ein gutes Solinger Kochmesser oder Santoku und ein Office- oder Schälmesser Solinger Qualität empfehlen. Mehr braucht man nicht wirklich und die Messer dürfen natürlich nicht im Messerfach der Küchenschublade landen. Klinge gegen Stahl gibt Schneidenausbrüche. Alternative zum Messerblock: Die guten Messer einfach auf der Arbeitsfläche parken.
Ein zusätzliches Filiermesser benötigt nur, wer Tiere zerlegt. Ein extra Brotmesser benötigt man auch nicht, wenn man ein scharfes Kochmesser hat. Aber man benötigt einen zusätzlichen Schleifstein für ca. 30 ¤ oder wenigstens einen Wetzstahl, um etwas Freude an den Amefa-Messern zu haben. Dem Anfänger in Sache Messerschärfen sei noch ein Edding empfohlen: Damit die Schneide eingefärbt, erkennt man beim Schleifen eines Messers schnell, ob der Schleifwinkel passt oder korrigiert werden muss.
In meine Bewertung fließt das unterm Strich bemerkenswerte Preis-Leistungs-Verhältnis (¤ 28,45) mit einer Wichtung von 50 % ein. Beim Ursprungspreis von 50 ¤ wären es nur 2,5 Sterne. Vor allem kostet ein LEERER Messerblock auch nicht weniger.