einzig die skulpturen aus marmor, die in venezia vor einigen jahren auf dem kanalgrund gefunden wurden und die modigliani angeblich angefertigt haben soll - sie sind in diesem buch nicht vorhanden, und das ist gut so. was er wirklich jedoch malte (oder brancusi-ähnlich trotz lungenkrankheit bildhauerte), das ist besprochen. nicht nur die berühmten liegenden und sitzenden akte kurz vor seinem tode 1920, sondern auch die vorhergehenden porträt-studien sind ausgiebig in den kontext gestellt; seine stilentwicklung insgesamt wird analysiert, die sich mehr beeinflusst zeigt von der renaissance oder afrikanischer kunst, keinesfalls vom damals aktuellen kubismus. müssen bohemiens immer mit 35 sterben? "du lebst nicht, bis du genau weißt, dass du lebst." dieses modigliani-zitat ist nicht nur tautologisch, sondern lässt ahnen, dass der maler mit aller inbrunst sich verzehrt, vielleicht zu früh aufgezehrt hat. nicht nur der liebe, auch den drogen soll er zugetan gewesen sein. nicht wegen einer gewollten weiterentwicklung einer kunst-theorie innerhalb einer künstler-gruppe begab sich modigliani also ans werk - im zentrum seines schaffens stand sein menschliches empfinden, das er authentisch, keiner mode folgend, auszudrücken suchte. es ging wohl alles nicht emotionslos zu: seine lebensgefährtin jeanne hébuterne nahm sich hochschwanger das leben - einen tag nach seinem tuberkulose-tod. man hätte den beiden wahrlich ein längeres zusammensein gewünscht. dass man wenigstens die gelebten jahre intensiver versteht - dabei hilft uns diese umfassendste der fachkundigen veröffentlichungen der auf modigliani seit längerem spezialisierten anette kruszynski...