Aus der Amazon.de-Redaktion
Die schön gestaltete
Pegasus-Reihe des Prestel Verlages bietet nicht nur gut lesbar aufbereitete Information und üppige Bildausstattung, sondern auch ein schönes haptisches Erlebnis für bibliophile Leser: Der dicke, warm-samtige Pappeinband zusammen mit dem einen lebendigen Akzent setzenden Hochglanz-Rechteck, das einen sitzenden Akt zeigt, machen das Buch zu einem edlen Geschenk.
Nach einführenden Worten, die die grundsätzlichen Aussagen zu seinem Werk vorwegnehmen, folgt eine Darstellung Modiglianis Werdegang. Auch die weniger bekannten Bildhauer-Arbeiten, stark beeinflußt von Constantin Brancusi, werden ausführlich dokumentiert.
In seinen Porträts zeigt sich Modigliani beeinflußt von der italienischen Renaissance, die er mit den aktuellen afrikanischen und asiatischen Einflüssen verbindet. Die langgezogenen Glieder und Gesichter mit den blinden Augen werden zu einem wiederkehrenden Stilmerkmal. Immer hält er aber am "intakten Menschenbild" fest, wehrt sich gegen die Zersplitterung der menschlichen Kontur, mit der die Fauves oder die Kubisten experimentierten.
Es kann unterschieden werden zwischen den stilisierenden Modellstudien einerseits, in denen er den formalen Ausdruck zu perfektionieren sucht und die Probleme der Komposition erforscht, und den faszinierenden psychologischen Porträts seiner Freunde andererseits. Letztere werden anhand ausgewählter Bildnisse erläutert und in Beziehung zur Lebenssituation Modiglianis gesetzt.
Ab 1918 etwa setzt dann, vor allem sichtbar bei den Frauenbildnissen, eine stärkere Stilisierung und formelle Gestaltung ein. Der Effekt dieser Hinwendung zur ästhetisch-dekorativen Auffassung: Die Porträts strahlen eine gewisse Distanz und Kühle aus, eine Würde und schlichte Majestät. Die feinfühligen Kommentare der Autorin erleichtern dem Leser das Nachempfinden.
Und dann natürlich die berühmten Akte. Offene Sexualität, ohne Scham vorgestellt, aber nie schamlos, stattdessen ästhetisch und lebendig. Der Entwicklung der Aktdarstellung widmet die Autorin mehrere Kapitel, die wie das gesamte Buch reich bebildert sind. Eine biographische Zeittafel mit zeitgenössischen Fotografien sowie ein kleiner Anhang und eine Auswahlbibliographie runden den schönen Band ab. --Kathrin Rüstig
Neue Zürcher Zeitung
Buchkunst
ces. Kann man das Phänomen Paul Gauguin auf die «Bilder aus der Südsee» reduzieren, Tizian durchgängig unter dem Titel «Nymphe und Schäfer» charakterisieren, Modigliani kurz unter demjenigen der «Akte und Porträts» erschliessen und sich mit Betrachtungen wie «Monet in Giverny» und «Cézanne in der Provence» begnügen? Man kann wenn man sich wie der Prestel-Verlag mit seiner Pegasus-Reihe («zum Sammeln und Schenken») die Beschränkung auf Augenfälligkeiten zum Programm macht und grosse Namen in Klischees bündelt. Populär beschrieben und populär illustriert wird das Leben und Schaffen der einzelnen Künstler (Künstlerinnen existieren hier vorderhand erst in angekoppelter Version wie in «Rodin und Camille Claudel» oder «Kokoschka und Alma Mahler»). Dabei bleibt der essayistische Weg, mit dem sich John Berger in einem Briefwechsel mit seiner Tochter Katya Berger Andreadakis Tizian annähert und damit die kleine Form der Kunstbetrachtung in eine feine verwandelt , Ausnahme einer originären und lebendigen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. In bibliophiler Aufmachung und hoher Druckqualität legt die Reihe alles in allem ihren Schwerpunkt unübersehbar auf Anekdoten und Unterhaltung; nichts Neues fügt sie dem kunsthistorischen Diskurs zu. Kurz: anzuzeigen ist hier mehr Buchkunst als Kunstbuch.