Normalerweise lese ich solche Bücher nicht - Bücher für Frauen, wie ich es gerne abtue. Ich schreibe auch keine Buchkritiken. Und ich muss gestehen, dass dieses Buch auch nicht sonderlich viele Pluspunkte bei mir hatte, als es ankam und meine Frau sich erstmal zwei Tage damit verschanzte.
Danach drückte sie mir das Buch in die Hand und sagte: 'Das musst du lesen ' das ist auch etwas für dich.'
Genervt habe ich mir dann gedacht, dass ich es um des Friedens Willen anlese und dann beiseite lege - Amazonen ... wieder so ein Emanzenbuch!
Tja, und dann habe ich mich 3 Tage mit dem Buch verschanzt.
'Amazonentochter' hat mich auf zwei Ebenen begeistert. Die erste ist die erzählte Geschichte '- sie ist gewaltig und episch vom Umfang, bunt und voller Leben.
Selina, die adoptierte Tochter der Königin Penthesilea, wird auf ihrer ersten Reise von Tudhalija, dem Prinzen von Hatti verschleppt. Sie erlebt einen Kulturschock, als sie als Gefangene in die männerdominierte Gesellschaft kommt, erhält aber Hilfe von Puduhepa, der Mutter des Prinzen. Trotzdem wird sie von ihr in dunkle Machenschaften verstrickt, ohne es zu ahnen. Die Rettung erscheint in Form eines ägyptischen Gesandten, der eine Prinzessin für den Pharao nach Ägypten bringen soll. Ihn heiratet Selina schließlich eher unfreiwillig und ärgert sich schließlich selber darüber, dass sie sich tatsächlich in ihn verliebt. Trotzdem flieht sie bei einem Überfall auf Hattusa zurück zu ihrem Volk, und weist ihren ägyptischen Ehemann erneut zurück, als er ihr folgt, um in den trojanischen Krieg zu ziehen. Dort wird ihr Volk nahezu ausgelöscht und heimatlos, wie sie nun ist, bleibt ihr kein anderer Weg, als nach Ägypten, um Pairy zu suchen. Doch auch hier gehen die Probleme weiter!
Die Geschichte ist wie gesagt lebensprall, sie zeigt so viele Kulturen in ihren Eigenheiten auf, in ihrem Verständnis untereinander und ist trotzdem auch für mich, einen Geschichtsmuffel, leicht zu verstehen gewesen, da man diese Kulturen durch Selina, die Hauptperson kennen lernt, die dort eben so fremd ist wie ich. Es gibt Kriege, Intrigen, Liebe, Ränke, Politik, Könige und einfach Menschen, doch nichts überwiegt, alles zusammen ergibt einfach eine aufregende und abenteuerliche Geschichte.
Und dann ist da noch der Teil der Geschichte, den ich fälschlicherweise als Emanzenroman bezeichnet hatte. Am Ende der Geschichte erkennt man, dass auf nichts und niemanden mit dem Finger gezeigt wird. Alle machen Fehler ' die Männer, die Frauen, die Männer und Frauen untereinander, die Frauen untereinander und die Männer untereinander ' menschliche Fehler, Geschlechter bedingte Fehler, Fehler, die teilweise heute noch unsere Gesellschaft zeichnen.
Am Ende kann man wirklich nur sagen '- kein Frauenroman, kein Männerroman - ein wirklich tiefsinniges Geschichtsepos, dass es aus dieser Sicht noch nicht gab.