Wenn ich an dieser Stelle die Rezensionen zu Enyas neuer CD „Amarantine“ lese, kann ich nicht in das kollektive Kopfschütteln einstimmen. Warum? Dies ist verhältnismäßig schnell erläutert. Der Vorwurf, „Amarantine“ sei langweilig, weil es auf der CD keine Neuerung gebe, scheint mir von vornherein aus einer falschen Erwartungshaltung heraus formuliert zu sein. Halten wir doch kurz inne und fragen uns: Was will ,d.h. erwarte ich, wenn ich eine CD von Enya kaufe? Kaufe ich sie, weil ich erwarte, dass Enya nun endlich einmal so mutig ist, musikalische Experimente zu wagen, die dazu führen, dass ich endlich das Gefühl haben darf, dass auch Enya wie Rob Zombie klingen kann? Meine Frage: Will ich das wirklich? Oder freue ich mich darauf, in Zeiten der musikalischen Eintagsfliegen, einen Tonträger erwerben zu können, bei dem ich erwarten kann, dass auf ihm ein unverkennbarer Personalstil fortgeführt wird? Will ich, wenn ich Enya kaufe und nicht Marilyn Manson, Experimente um der Experimente willen, oder will ich das, was Enya nun mal ist: New-Age-Klänge, weiche Harmonien, entspannende Sythezisermusik, meditative Texte? Ich, mit Verlaub gesagt, will Zweiteres. Und das habe ich glücklicherweise bekommen. Dabei ist allerdings nicht zu übersehen, dass „Amarantine“ vielleicht nicht die beste Platte in Enyas Diskographie ist. Besonders die erste Hälfte ragt kaum über Bisheriges heraus, bleibt aber indes auch nicht dahinter zurück – ein Phänomen, das man quasi bei jedem Musiker findet. Die zweite Hälfte aber, besonders die Tracks „Sumiregusa“, „A moment lost“, „Amid the falling snow“ und „Drifting“ gehören zum Besten, was Enya bisher abgeliefert hat. Echte Perlen. Und so erfüllt Enyas „Amarantine“ ihren Erwartungshorizont letztlich vollkommen. Und das ist gut so.