Irmtraud Morgner wurde 1933 als Tochter einer Hausfrau und eines Lokomotivführers in Chemnitz geboren. Nach dem Germanistik - und Literaturwissenschaftsstudium lebte sie als freie Schriftstellerin in Berlin. Seit Mitte der siebziger Jahre war sie eine vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin in der DDR, die allerdings auch im Westen gelesen wurde und hohe Anerkennung fand. In den achtziger Jahre erhielt sie auch Auszeichnungen in der Bundesrepublik. Im Mai 1990 ist sie im Alter von nur sechsundfünfzig Jahren an einer unheilbaren Krebserkrankung viel zu früh gestorben.
Nach einigen Schriften im Stil des aufgeklärten sozialistischen Realismus gelang ihr spätestens mit dem Roman "Hochzeit in Konstantinopel" der Durchbruch beim Lesepublikum in der DDR. In diesem Roman gelang ihr erstmals diese perfekte Mischung aus fiktiver Imagination einer Scheinwelt und wirklichkeitsgetreuer Alltagsdarstellung. Die Fähigkeit auch in den unglücklichsten und unerfreulichsten Momenten das Außerordentliche aus weiblicher Betrachtungsweise zu denken, wurde ihr unverkennbares Markenzeichen. Literaturkritiker sehen in der Tatsache, das es in ihrem Elternhaus fast kein einziges Buch gab die Ursache darin, dass ihre Leidenschaft am Ersinnen und fabelhaften Fantasieren von Kind an entscheidend geprägt wurde.
So erzählt sie In ihrem phantastischen, auffallend breit aufgebauten Roman "Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz" von der Spielfrau "Laura". "Amanda" ist als Fortsetzung erschienen, der zweite Teil dieser geplanten, brillanten "Salman-Trilogie". Den dritten Teil konnte die Autorin leider nicht mehr schreiben.
Zum Einstieg die kurze Schilderung des Erzählstrangs aus "Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz". Die Geschichte erzählt von einer Trobadora die achthundert Jahre irgendwo in der Provence geschlafen hatte und von dort in die DDR fliegt. Er handelt von vertauschten Seelen, ist sehr humorvoll, sinnlich und auf den unterschiedlichsten Reflexionsebenen verwegen gedacht.
In "Amanda", diesem Hexenroman, wacht Beatriz auf dem Blocksberg wieder auf. Sie begegnet dort in den abwegigsten und merkwürdigsten Geschichten, den absonderlichsten Menschen in den ungewöhnlichsten Kostümen. Wie ein roter Faden zieht sich die Idee von der "geteilten Frau" durch die Geschichten. In den 140 Kapiteln, die manchmal nur eine halbe Seite lang sind, erzählt die Autorin in ungehemmter, sprudelnder Fabulierlust von unzähligen Episoden aus dem Alltag, aber auch aus der literarischen Welt.
In einer Buchbesprechung bei der Fernsehsendung "Lesen" wurde darauf hingewiesen, dass diese Geschichte möglicherweise in einigen Passagen auch stark biographische Züge aufweist, weil die Romanfigur "Laura" in diesem Hexenbuch beinahe erblindet und damit das gleiche Schicksal ereilt wie ihre Autorin.
Eine Romanmaschine, die wie ein Flipperkasten Einfall nach Einfall liefert. Großartig gemacht in einer wundervollen, stimmigen Sprache mit Reflexionsebenen die, jede für sich, die Sogkraft die von der Lektüre ausgeht erhöhen.