Bei der vorliegenden Aufnahme handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung von 1991 (damals bei Erato erschienen), von deren Kauf ich allerdings nur abraten kann. Es ist eine der schwächsten Händel-Aufnahmen überhaupt - zumal in Bezug auf die Minkowski-Diskographie.
Dies hängt allerdings weniger mit dem Dirigat zusammen, das insgesamt durchaus überzeugend ausfällt, als vielmehr mit der wirklich inakzeptablen Gesangsleistung von einigen der Protagonistinnen. Lediglich Nathalie Stutzmann kann mit ihrem androgynen Alt wirklich überzeugen. Erschreckend schwach ist hier vor allem der "Gesang" von Eiddwen Harrhy in der Rolle der Melissa - einer sehr virtuosen und verzierten Partie. Ihre Interpretation der Bravour-Arie "Destero dall'empia Dite" ist derart amateurhaft (unsaubere Koloratur, unsichere Intonation, dünne Stimme), dass es einem im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlägt. Was für ein Unterschied im Vergleich zur Interpretation dieser Arie von Simone Kermes ("Maga abbadonata"), Joyce DiDonato ("Furor") oder Kozena ("Ah! Mio cor").
Ähnlich die Leistung von Jennifer Smith: blass, blutleer und mit dünner Stimme singend.
Fazit:
"Amadigi" ist eine tolle Zauberoper, die sich hinter einer "Alcina" nicht zu verstecken braucht. Aber die sängerischen Schwachstellen dieser Aufnahme trüben den Höreindruck doch erheblich, daran ändert auch der attraktive Preis nichts. Aber es gibt ja erfreulicherweise eine Alternative: Ich empfehle deshalb jedem die Einspielung unter Edoardo Lopez Banzo (Naive), die deutlich besser als die vorliegende ist. Die paar Euro mehr sind gut investiert!