In diesem grandiosen Werk stellt Shaffer die von ihm gut recherchierte Lebensgeschichte Wolfgang Amadeus Mozarts vor, die er allerdings im Rahmen der dramatischen Darstellung an einigen Stellen verfälschen oder selbst erfinden musste. Dies soll aber den einzigartigen Genuss nicht stören, den der Theaterzuschauer oder Leser in diesem Stück erfahren darf. Der Plot wird aus der Sicht Salieris, einem anderen Komponisten, der zu Mozarts Zeit gelebt hat, dargestellt und erhält dadurch erzählerische Elemente - man könnte Salieri fast einen Ich-Erzähler nennen, der (in auktorialen Phasen) das Publikum direkt anspricht und oftmals explizit darauf vorbereitet, was nun zu sehen sein wird. "Amadeus" ist daher kein Drama im klassischen Sinn; dies macht es so außergewöhnlich und lesenswert. So behauptet Salieri zu Beginn des Stücks, wo er als alter Mann auftritt, er habe Mozart vergiftet und sei daher an dessem Tod schuldig. Auf diese Behauptung wird das Stück aufgebaut und nun nach und nach aufgerollt, wie es dazu kam, dass Salieri Mozart so sehr hassen konnte. In detaillierter, anschaulicher und oft auch grotesk-komischer Weise werden Mozarts unflätiges Benehmen am kaiserlichen Hof und Saliereis erfolgreiche Schikanierungen gezeigt, die Mozart am Ende untergehen lassen. Salieri, neidisch auf dessen Genialität, kann nur noch versuchen, sich durch eine ungeheuerliche Behauptung selbst so unsterblich zu machen, wie es Mozart längst geworden ist.