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am 10. Februar 2009
Thomas Hardy's Buch bietet eine herrliche Darstellung des Landlebens in Südengland um 1870. Die Bildhaftigkeit der imaginären Landschaft 'Wessex' ist schwer zu übertreffen. Der Charakter von Gabriel Oak, dem standhaften Schäfer, der in allem immer wie die Eiche geruhsam und stetig voranschreitet, führt durch die Handlung. Die junge Bathsheba, unerfahren und daher guten Mutes, lernt durch eigene Fehler, Schwierigkeiten zu meistern. Hardy zeigt verschiedenste Charaktere, die wir alle erkennen, und in unsere eigene Erfahrung einbetten können.
Insgesamt ist Hardy's Werk ganz einfach herrlich zu lesen und schafft es dennoch, nicht in Kitsch oder Klischees abzugleiten. Das Zeitgemälde des vorletzten Jahrhunderts ist gut getroffen.
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Der vierte Roman aus der Feder von Thomas Hardy war gleichzeitig das erste Werk der sogenannten "Wessex-Reihe" und im Vergleich mit den folgenden eher heiter, auch wenn mit tragischen Szenen nicht gespart wurde. Im Mittelpunkt steht eine für ihre Zeit ungewöhnlich eigenständige Frau, Bathseba Everdene, die es sich zur mutigen Aufgabe gemacht hat, eine geerbte Farm selbst zu verwalten. Während sie jedoch in geschäftlichen Angelegenheiten überraschend gute Erfolge erzielt, fehlt ihr in den eigenen Herzensangelegenheiten das sichere Händchen. Zum Glück ist da noch ihr treuer Freund, der Schäfer Gabriel Oak, der ihr in all den schwierigen Jahren mit Tat und Rat zur Seite steht.
Dieser Gabriel Oak ist es auch, der dem Autor von Anfang an sehr am Herzen liebt. In aller Ausführlichkeit werden Aussehen und charakterliche Eigenschaften des jungen Mannes beschrieben. Oak hat sich eben 200 Schafe gekauft, um eine eigene Farm zu gründen. Während er auf seine bedächtige, überlegte Art an der Gründung einer einträglichen Schafzucht arbeitet, fällt ihm ein auffälliger Neuzugang seiner Gemeinde ins Auge. Die lebhafte Bathseba mit den hinreißenden schwarzen Locken ist zu ihrer Tante gezogen und hat die Aufgabe übernommen, deren Kühe zu betreuen, die in der Nachbarschaft zu Gabriels Schafweide ihr Gras fressen. Eines Tages erwacht der Schäfer aus tiefer Ohnmacht in seiner Hütte, angenehm gebetet auf den Schoß der schönen und besorgten Bathseba. Offensichtlich hatte ihm die mangelnde Luftzufuhr die Sinne beraubt und die Milchmagd war zur Hilfe geeilt, nachdem sie durch da Gebell des Hundes aufmerksam wurde. Diese romantische Rettung ist ein Grund, weshalb sich Gabriel Oak schon bald darauf im Haus der Tante auf Bathseba wartet, die er noch vor der anstehenden Abreise der jungen Frau heiraten möchte. Doch die stolze Schöne ist nicht bereit, sich an einen Mann zu binden, schon gar nicht an einen, den sie gar nicht liebt. Gabriel ist schwer geschlagen, doch es kommt noch schlimmer. Sein neuer Hund treibt in einem Wahnsinnsanfall die Schafe in den sicheren Tod und so steht der hoffnungsvolle Farmer auf einmal mittellos da. Nun ist er gezwungen, auf Reisen zu gehen, um sich eine neue Arbeit zu suchen. Auf diesem Wege wird er auf ein gefährliches Feuer aufmerksam, das durch sein umsichtiges Handeln bald gelöscht werden kann. Die Leute sind sehr beeindruckt von dem hochgewachsenen jungen Mann, der als Fremder eine solche Tat vollbracht hat. Sogleich drängen sie ihre neue Herrin, den tatkräftigen Helfer einzustellen. Gabriel staunt nicht schlecht, dass es sich bei der Angesprochenen um Bathseba handelt, die von ihrem kürzlich verstorbenen Onkel die Farm übernommen hat. Überrascht werden auch die anderen Angestellten der Farm, als Miss Everdene nicht nur Oak als neuen Schäfer anheuert, sondern auch den unfähigen Verwalter entlässt und ankündigt, von nun an die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Zunächst läuft alles gut, aber dann sorgt ein unbedachter Valentinsgruß für einigen Wirbel. Der bisher so eingefleischte Junggeselle und Nachbar von Miss Everdenes Farm, entflammt für die junge Schönheit. Als reicher Farmer kann er einer Frau einiges bieten, doch eine Vernunftehe ist Bathseba eher zuwider. Während sie Boldwood noch hinhält, begegnet sie dem charmanten Soldat, Frank Troy, der zur Erntezeit in seine Heimat kommt. Bathseba verliebt sich heftig in den verwegenen Tunichtgut und heiratet ihn nach kurzer Zeit, trotz aller Warnungen ihrer Vertrauten. Was die Verliebte jedoch nicht ahnen kann, der aufmerksame Leser aber bereits befürchtet, sind herannahende Schatten durch eine vorangegangene Liebschaft des Soldaten Troy mit der ehemaligen Angestellten im Hause von Bathseba, der blonden Fanny Robin, ein einfaches Dorfmädchen. Auch Fanny hatte einst ein Heiratsversprechen von Frank erhalten, doch die bestehenden Hinweise lassen vermuten, dass ihr hier übel mitgespielt wurde. Auf jeden Fall verfliegen die rosa Wolken sehr schnell an Mrs. Troy Liebeshimmel und sie beginnt ihre Ehe schon bald bitter zu bereuen. Wird dieser Fehler ihren Ruin begründen? Während Bathsebas Stern sinkt, hat Gabriel Oak eine richtige Glückssträhne. Seine treue Arbeit wird endlich belohnt und nicht nur bei den Troys, sondern auch bei Nachbar Boldwood darf er den Verwalterposten annehmen. Trotz seines beruflichen Erfolges bleibt er Bathsebas treuer Berater und Freund. Aber wie kann er der unglücklichen Freundin helfen, an der sein Herz noch immer mit großer Liebe hängt?
Dass der Roman von Thomas Hardy nicht nur Begeisterungsstürme bei seinen Zeitgenossen erhalten hat, dürfte nicht verwundern. Zu offen und ungeschminkt beschreibt der Autor die menschlichen Leidenschaften und schockierte seine viktorianischen Leser mit seinen offen propagierten Ansichten über zwischenmenschliche Beziehungen, insbesondere der Einrichtung Ehe nicht wenig.
Die Fähigkeit des Autors, die einzelnen Figuren so plastisch und sehr lebensecht auszugestalten, versetzt den heutigen Leser noch immer in Erstaunen. Die Hauptpersonen dieses Dramas, Bathseba und Gabriel, werden im Laufe des Romans in ein ausgewogenes, beinahe ideales Verhältnis gebracht. Obwohl etwas vorhersehbar, kann man die Geschicklichkeit nur bewundern, mit der Thomas Hardy seine Geschichte erzählt und dabei das Schicksal seiner Figuren bewusst lenkt.
Wie bei den Romanwerken von Hardy üblich, werden Land und Mensch als Einheit dargestellt. Dafür hat der Autor ja auch extra einen eigenen Bezirk auf englischem Boden erdacht, der zwar nah an tatsächliche Gegebenheiten angelehnt ist, und an die Grafschaften im Südwesten Englands erinnert, aber mit phantasievollen Ortsnamen ausgestattet wurde, die in Hardys Traumland Wessex liegen. Im Anhang kann man sogar eine fiktive Landkarte bewundern. Wer gerne seine Phantasie durch weitere Landschaftsaufnahmen bereichern will, dem sei die Verfilmung von 1967 empfohlen.
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am 8. Juli 2013
Wer die Klassiker der Weltliteratur liebt, wird auch dieses Buch lieben. Ein durch und durch atmosphärischer Roman, der ein wunderbares Sittengemälde in einer in sich geschlossenen Welt zeichnet und die einzelnen Charaktere so lebendig beschreibt, dass man an ihrem Glück, jedoch auch vielmals Unglück, einfach teilhaben muss. Man sollte aber schon einen Hang zur Melancholie besitzen, um dieses Buch lieben zu können.
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am 19. Januar 2003
Der erste große Roman von Thomas Hardy aus dem Jahr 1874 erzählt von einer Frau , die um ihre Unabhängigkeit kämpft. Da ihr dabei aber von Seiten der Gesellschaft (sprich ihrer Männer) nur allzu viele Steine in den Weg gelegt werden, durchleidet die Heldin Bathsheba große Hoffnungen und Enttäuschungen, viel Glück, viel Leid, Liebe, Haß, Betrug, die ganze Spannbreite der Gefühle eben. Das klingt zunächst zwar nach "Herz-Schmerz"-Kitschroman, ist aber eine zeitlose, großartige Erzählung , bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt. Ein Lesevergnügen nicht nur für Hardy Fans!
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am 25. März 2016
Mit „Am Grünen Rand der Welt“ erzählt Thomas Hardy die bewegende Geschichte der jungen Bathsheba - einer eigensinnigen, eitlen und doch über alle Widrigkeiten ihrer Zeit erhabenen Frau, die stolz und unbeirrt ihren Weg durch eine von Männern dominierte Welt geht. Dabei bleibt Bathsheba‘s Lebensweg doch keineswegs ungetrübt: sie erlebt Triumph und Sieg ebenso wie Verlust und Niederlage. Sie gewinnt und verliert. Bereut und kehrt zur Einsicht. Besonders gelungen schildert Hardy dabei die Gefühlswelt nicht nur seiner eigenwilligen Heldin, sondern auch die der Männer, die sie umschwirren wie Motten das Licht. Der Autor gibt tiefe Einblicke in das Denken und Handeln seiner Figuren und bringt uns seine Charaktere damit unglaublich nah. Wer also z.B. die Romane einer Jane Austen mit Blick auf deren Talent für eine filigrane und scharfäugige Charakterbeschreibung ihrer Figuren mochte, der wird in Hardy eine wundervolle, wenngleich auch im direkten Vergleich eher „düstere“ Ergänzung finden. Bei alledem zeigt uns Hardy zusätzlich, wie wenig es möglich ist, das Leben nur in Schwarz und Weiß zu sehen – selbst der größte Schurke hat seine verletzliche Seite, selbst die stolzeste Frau verliert ihre Selbstbeherrschung wenn äußere Umstände das bedrohen, was sie liebt. Entsprechend wird die Geschichte um Bathsheba und ihre Schar von (sehr gegensätzlichen) Verehrern zu keinem Zeitpunkt langweilig – denn selbst wenn die eine oder andere dramaturgische Entwicklung evtl. ein Stück weit vorhersehbar ist, so ist es doch die Frage, auf welchem Wege sich am Ende alles fügen wird und wie sich die Figuren dabei in diese Entwicklung eingliedern, die den Leser von Seite zu Seite vorantreibt.

Aus diesem Grund habe ich „Am Grünen Rand der Welt“ als sehr kurzweilig und gleichzeitig ungemein bereichernd empfunden. Den Schreibstil Hardy’s muss man dabei – wie ein anderer Rezensent bereits richtig bemerkt hat – mögen. Die ausführlichen und detailverliebten Landschaftsbeschreibungen, die kennzeichnend für den Romantiker Hardy sind, können langatmig auf denjenigen wirken, der sich wenig für eine bildliche Sprache begeistern kann. Für mich allerdings schuf sie eine atmosphärisch dichte Erzählstruktur, in die ich als Leser herrlich eintauchen und darin versinken konnte.
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am 4. Januar 2011
Für alle, die gerne einmal Thomas Hardy lesen, sei dies gesagt: Am grünen Rand der Welt ist ein schöner und im Stile Hardys mit kleinen Lebensweisheiten gespickter zeitgeschichtlicher Epos; jedoch ein klarer Abstrich zu seinem Roman "Tess". Nicht nur sprachlich halte ich den Roman für leichtgewichtiger, sondern auch wesentlich im Hinblick auf die Dramaturgie der Geschichte. Zudem werden hier phasenweise gesellschaftliche Konventionen und Erwartungshaltungen des Lesers bedient; im Vergleich hierzu bricht Hardy viel deutlicher und kompromissloser mit den Konventionen der viktorianischen Gesellschaft im Roman "Tess" und hält dieser sozusagen den Spiegel der Bigotterie vor. "Am grünen Rand der Welt" war der Roman mit Publikumserfolg und Hardys Durchbruch als Romanschriftsteller. (1874) "Tess of the D'Urbervilles" ist ein anderer, reiferer, radikalerer und seiner Zeit wohl weit voraus denkender Hardy (Tess erschien 1891, also 17 Jahre später); ein Thomas Hardy, so wie ich ihn gerne haben möchte. Dies war auch zugleich sein letzter Roman. Die Anfeindungen der viktorianischen Öffentlichkeit, die sich durch den kritischen Realismus (also eben keiner verklärten Romantik) seiner Werke angegriffen fühlte, veranlassten Hardy, keine weiteren Romane mehr zu schreiben. Welch ein Verlust!
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am 16. November 2015
"Am grünen Rand der Welt" ist mein erstes Werk, dass ich von Thomas Hardy gelesen habe und es hat mich mitgenommen in ein lebhaftes Wessex geprägt von wundervoller Natur und noch wundervolleren gezeichneten Charakteren die sich in dieser überaus schön beschriebenen Umgebung bewegen.
Die Geschichte über Bathesheba Everdene und ihren drei Verehrer hat mir wirklich Zeit beim Lesen abverlangt, die ich sehr gerne investiert habe. Die Meinung mancher, die Sprache sei verquarst und nicht zeitgemäß kann ich nicht teilen. Hardy schreibt und beschreibt so intensiv und gewaltig, dass ich manche Abschnitte laut vor mir her gelesen habe, um die Vollkommenheit einiger Passagen noch einmal anders wahrzunehmen.
Was den Lesefluss erheblich vereinfacht sind die kurzen Kapitel, die kurz und prägnant nach den Geschehnissen in eben diesen benannt sind.
Alles in allem liegt mit diesem Werk eine zeitlose, großartige Erzählung vor, die ihren festen Platz in der klassischen englischen Literatur hat und die ich auf Grund dessen und auch aus eigenem Empfinden Lesern von Jane Austen nur ans Herz legen kann.
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am 27. Mai 2009
Dieser Roman beginnt sehr langsam, gewinnt aber ab der Mitte, nach einem Gewitter-Unwetter so an Spannung, daß man es kaum aus der Hand legen kann, wie oft bei Thomas Hardy.
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Mit diesem Buch wurde Thomas Hardy - nach längerer Schriftstellerischer Tätigkeit - einem weiteren Publikum bekannt, sein Ruhm zu Lebzeiten durfte beginnen. Als Leserin mehrerer seine Bücher halte ich es allerdings nicht für das brillanteste, auch wenn es im literarischen Gesamtolymp natürlich dennoch ein grossartiges Werk ist.

Zusammenfassend: mit diesem Buch schreibt Hardy eine herrliche Pastorale, als Leserin darf ich mich in der englischen Landschaft ergiessen, ich darf beim Schafe scheren im Licht in der Scheune baden, ich darf die Jahreszeiten an meiner Haut spüren und unübertrefflich die Szene, an der das ganze Dorf das Herannahen des Bienenschwarmes beobachtet und Hardy einen unter die Haut gehenden Vergleich zu dem, was sich vermutlich beim Urknall abgespielt hat, zieht. Top!

Ebenso gelungen ist die Figur des Gabriel Oak - ein weiser Mann, der Schweigt wenn es zu Schweigen heist, bedächtig ist wenn er spricht, ehrlich ist wenn er liebt - und insgesamt sein Dasein nicht für den Mittelpunkt der Welt hält und damit viel Gutes tut. Potential bietet auch Farmer Boldwood, der eine Obsession entwickelt, die einem modernen Psychotherapeuten Freude bereiten könnte.

Drei Sterne allerdings für die Zwischenmenschlichen Beziehungen. Hier überzeugt Hardy in diesem Buch nicht, aber leider soll die Liebe dreier Männer zu Bathsheba Everdeen die zentrale Handlung ausmachen. Hier erscheint mir viel zu viel gekünstelt, zu schnell herbeigedichtet und einfach unglaubwürdig. Auch fehlt es bei den menschlichen Beziehungen an Esprit, was schade ist, denn in seinem Erstlingswerk "Under the Greenwood Tree" hat Hardy bewiesen, dass es ihm an menschlichem Witz und Sprachwitz nicht mangelt. Und dass die selbstbewusste Bathsheba, die immer und überall ihre Frau steht, ausgerechnet Troy auf die beschrieben Art und Weise geradezu verfällt - das mag sein, ist aber gar nicht überzeugend dargestellt.

In der Summe also vier Sterne, hätte Hardy sich eisern an eine pastorale Landschaftsgeschichte gehalten wären es zweifelsohne fünf Sterne geworden, die Liebesgeschichte als zentrales Element ist ihm aber für mich leider nicht ganz gelungen.
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TOP 1000 REZENSENTam 29. Februar 2012
Der Roman von 1874 dreht sich um die junge Bethsheba Everdene. Durch eine Erbschaft wird sie zur Gutsbesitzerin und beginnt - entgegen der Sitten der Zeit - das Gut als Frau selber zu führen. Drei Männer interessieren sich für sie: Der vom Typ her eher treue, sachliche und zurückhaltende Schäfer Gabriel, dem sie erst zufällig begegnet und der später für sie arbeitet; der schon etwas ältere, bisher an Ehe wenig interessiert, wohlhabende Junggeselle Boldwood und der schneidige und an Frauen sehr interessierte Sergeant Troy. Gabriel verliebt sich spontan in die als besonders schön geschilderte Bethseba, Boldwood wird durch einen 'Streich' Betshebas dazu verleitet, sich in sie zu verlieben, tut das dann aber voller Inbrunst, bei Troy ist es eine Mischung aus Verspieltheit und Eitelkeit, die ihn nicht gänlich von den Gefühlen von anderen Frauen abbringt.

Das Buch beschreibt hauptsächlich, wie Betsheba zwischen den Männern hin- und hergerissen ist, was sich dabei in ihrer Seele abspielt, wie sie schließlich einen heiratet, dann allein lebt und sich schließlich eine Tragödie ereignet. Das Innenleben aller Hauptfiguren wird ausführlich beschrieben. Ganz besonders deutlich wird, wie sehr Hardy von der weiblichen Seele fasziniert zu sein scheint. Er vertieft sich in sie und ihre Verwicklungen und offenbart neben reilich tiefer Einsicht und erhellenden Erklärungen auch einen guten Schuss schlicht ergriffener Fassungslosigkeit ob dieses immerwährenden so schwer zu erklärenden Faszinosmus. Eingebettet ist die Geschichte in ausführliche Schilderungen der Landschaft, Szenen des ländlichen Lebens und speziell schwieriger landwirtschaftlicher Situationen.

Das Buch hat eine hochqualitative Grundsubstanz. Die Anlage mit den vier Figuren und ihre Einbettung in die Umwelt ist perfekt und literarisch absolut hochwertig, die Gesamtkomposition gelungen. Die Schilderung von Landschaft und Charakteren ist weitestgehend zauberhaft, präzise und hochintelligent.

Trotzdem kann der Roman nicht durchgehend gefallen, denn die meist schöne Sprache ist manchmal so sehr um Poesie und Komplexität bemüht, dass sie leicht ins Verquaste geht. Beispiel: "Wohl nichts an einer Frau verblüfft ihr kügeres Ich so sehr wie die merkwürdige Fähigkeit, an Lob zu glauben, das sie als falsch durchschaut - ausgenommen die Fähigkeit Kritik als berechtigt anzuerkennen und sie trotzdem zu bezweifeln." oder: "Dieser Umstand und überhaupt die schläfrige Stille, die über dem Ganzen lag - im Gegensatz zu dem Leben, das an der Rückseite des Gebäudes herrschte - vermittelte einen Eindruck, als habe sich bei der Anpassung des Hauses an die Bedürfnisse der Landwirtschaft sein innerer Organismus verdereht, so dass es jetzt in die Gegenrichtung blickte." (Ich habe nicht dieses Buch, aber andere von Hardy auf Englisch gelesen und kann daher bestätigen, dass dies nicht an der Übersetzung liegt, sondern im Original begründet ist)

Die Geschichte geht zuweilen sehr langsam voran, fast behäbig und die Handlungsgründe der Figuren sind nicht immer ganz einsichtig bzw. schwanken sehr zwischen monatelangem Nichtstun und punktueller, überschäumendender Aktivität.

Fazit: Eigentlich in seiner Anlage und seiner grundsätzlichen Qualität ein 'großer' Roman, der zum Kanon der Weltliteratur gehören könnte. Wegen der aus meiner Sicht gegebenen Schwächen in Einzelaspekten aber trotzdem nur vier Sterne.
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