Der vierte Roman aus der Feder von Thomas Hardy war gleichzeitig das erste Werk der sogenannten "Wessex-Reihe" und im Vergleich mit den folgenden eher heiter, auch wenn mit tragischen Szenen nicht gespart wurde. Im Mittelpunkt steht eine für ihre Zeit ungewöhnlich eigenständige Frau, Bathseba Everdene, die es sich zur mutigen Aufgabe gemacht hat, eine geerbte Farm selbst zu verwalten. Während sie jedoch in geschäftlichen Angelegenheiten überraschend gute Erfolge erzielt, fehlt ihr in den eigenen Herzensangelegenheiten das sichere Händchen. Zum Glück ist da noch ihr treuer Freund, der Schäfer Gabriel Oak, der ihr in all den schwierigen Jahren mit Tat und Rat zur Seite steht.
Dieser Gabriel Oak ist es auch, der dem Autor von Anfang an sehr am Herzen liebt. In aller Ausführlichkeit werden Aussehen und charakterliche Eigenschaften des jungen Mannes beschrieben. Oak hat sich eben 200 Schafe gekauft, um eine eigene Farm zu gründen. Während er auf seine bedächtige, überlegte Art an der Gründung einer einträglichen Schafzucht arbeitet, fällt ihm ein auffälliger Neuzugang seiner Gemeinde ins Auge. Die lebhafte Bathseba mit den hinreißenden schwarzen Locken ist zu ihrer Tante gezogen und hat die Aufgabe übernommen, deren Kühe zu betreuen, die in der Nachbarschaft zu Gabriels Schafweide ihr Gras fressen. Eines Tages erwacht der Schäfer aus tiefer Ohnmacht in seiner Hütte, angenehm gebetet auf den Schoß der schönen und besorgten Bathseba. Offensichtlich hatte ihm die mangelnde Luftzufuhr die Sinne beraubt und die Milchmagd war zur Hilfe geeilt, nachdem sie durch da Gebell des Hundes aufmerksam wurde. Diese romantische Rettung ist ein Grund, weshalb sich Gabriel Oak schon bald darauf im Haus der Tante auf Bathseba wartet, die er noch vor der anstehenden Abreise der jungen Frau heiraten möchte. Doch die stolze Schöne ist nicht bereit, sich an einen Mann zu binden, schon gar nicht an einen, den sie gar nicht liebt. Gabriel ist schwer geschlagen, doch es kommt noch schlimmer. Sein neuer Hund treibt in einem Wahnsinnsanfall die Schafe in den sicheren Tod und so steht der hoffnungsvolle Farmer auf einmal mittellos da. Nun ist er gezwungen, auf Reisen zu gehen, um sich eine neue Arbeit zu suchen. Auf diesem Wege wird er auf ein gefährliches Feuer aufmerksam, das durch sein umsichtiges Handeln bald gelöscht werden kann. Die Leute sind sehr beeindruckt von dem hochgewachsenen jungen Mann, der als Fremder eine solche Tat vollbracht hat. Sogleich drängen sie ihre neue Herrin, den tatkräftigen Helfer einzustellen. Gabriel staunt nicht schlecht, dass es sich bei der Angesprochenen um Bathseba handelt, die von ihrem kürzlich verstorbenen Onkel die Farm übernommen hat. Überrascht werden auch die anderen Angestellten der Farm, als Miss Everdene nicht nur Oak als neuen Schäfer anheuert, sondern auch den unfähigen Verwalter entlässt und ankündigt, von nun an die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Zunächst läuft alles gut, aber dann sorgt ein unbedachter Valentinsgruß für einigen Wirbel. Der bisher so eingefleischte Junggeselle und Nachbar von Miss Everdenes Farm, entflammt für die junge Schönheit. Als reicher Farmer kann er einer Frau einiges bieten, doch eine Vernunftehe ist Bathseba eher zuwider. Während sie Boldwood noch hinhält, begegnet sie dem charmanten Soldat, Frank Troy, der zur Erntezeit in seine Heimat kommt. Bathseba verliebt sich heftig in den verwegenen Tunichtgut und heiratet ihn nach kurzer Zeit, trotz aller Warnungen ihrer Vertrauten. Was die Verliebte jedoch nicht ahnen kann, der aufmerksame Leser aber bereits befürchtet, sind herannahende Schatten durch eine vorangegangene Liebschaft des Soldaten Troy mit der ehemaligen Angestellten im Hause von Bathseba, der blonden Fanny Robin, ein einfaches Dorfmädchen. Auch Fanny hatte einst ein Heiratsversprechen von Frank erhalten, doch die bestehenden Hinweise lassen vermuten, dass ihr hier übel mitgespielt wurde. Auf jeden Fall verfliegen die rosa Wolken sehr schnell an Mrs. Troy Liebeshimmel und sie beginnt ihre Ehe schon bald bitter zu bereuen. Wird dieser Fehler ihren Ruin begründen? Während Bathsebas Stern sinkt, hat Gabriel Oak eine richtige Glückssträhne. Seine treue Arbeit wird endlich belohnt und nicht nur bei den Troys, sondern auch bei Nachbar Boldwood darf er den Verwalterposten annehmen. Trotz seines beruflichen Erfolges bleibt er Bathsebas treuer Berater und Freund. Aber wie kann er der unglücklichen Freundin helfen, an der sein Herz noch immer mit großer Liebe hängt?
Dass der Roman von Thomas Hardy nicht nur Begeisterungsstürme bei seinen Zeitgenossen erhalten hat, dürfte nicht verwundern. Zu offen und ungeschminkt beschreibt der Autor die menschlichen Leidenschaften und schockierte seine viktorianischen Leser mit seinen offen propagierten Ansichten über zwischenmenschliche Beziehungen, insbesondere der Einrichtung Ehe nicht wenig.
Die Fähigkeit des Autors, die einzelnen Figuren so plastisch und sehr lebensecht auszugestalten, versetzt den heutigen Leser noch immer in Erstaunen. Die Hauptpersonen dieses Dramas, Bathseba und Gabriel, werden im Laufe des Romans in ein ausgewogenes, beinahe ideales Verhältnis gebracht. Obwohl etwas vorhersehbar, kann man die Geschicklichkeit nur bewundern, mit der Thomas Hardy seine Geschichte erzählt und dabei das Schicksal seiner Figuren bewusst lenkt.
Wie bei den Romanwerken von Hardy üblich, werden Land und Mensch als Einheit dargestellt. Dafür hat der Autor ja auch extra einen eigenen Bezirk auf englischem Boden erdacht, der zwar nah an tatsächliche Gegebenheiten angelehnt ist, und an die Grafschaften im Südwesten Englands erinnert, aber mit phantasievollen Ortsnamen ausgestattet wurde, die in Hardys Traumland Wessex liegen. Im Anhang kann man sogar eine fiktive Landkarte bewundern. Wer gerne seine Phantasie durch weitere Landschaftsaufnahmen bereichern will, dem sei die
Verfilmung von 1967 empfohlen.