Wenige Palästinenser haben in Amerika und Europa für Furore gesorgt. Edward Said gehört definitiv zur intellektuellen Elite der palästinensischen Diaspora und hat mit seinen Büchern und Artikeln zum Verständnis des nahen Ostens beigetragen. Mit "Am falschen Ort" gibt Said den Lesern und Fans die Gelegenheit, seine Lebensgeschichte nachzuvollziehen. Said wird 1935 in Jersusalem geboren, verbringt aber die meiste Zeit außerhalb Palästinas: In Kairo, Beirut und Princeton wächst Edward Said als Palästinenser, Araber und Amerikaner auf. Er ist Araber und Christ - eine Kombination, die auch in der Arabischen Welt einen gewissen Aussenseiterstatus garantiert.
Wie ein roter Faden zieht sich die Nichtdazugehörigkeit und das Fremdsein durch das Leben Saids. Er ist auch in seiner Familie ein wenig der Sonderling: Eher ein Intellektueller als ein Kaufmann, eher schüchtern, zurückhaltend als Draufgängerisch und die für Araber typische Männlichkeit geht ihm auch ab. Widersprüche prägen das Leben von Said.
"Ich bin amerikanischer Bürger", pflegt der Vater von Edward Said stolz zu sagen. Dieser Aussage schließt sich Edward an, wenn er gefragt wird. Aber er bemerkt auch: "Privat konnte ich das nicht lange durchhalten, denn bei ernsthafter Hinterfragung schwand die behauptet Selbstsicherheit rasch dahin." (S.15)
Es sind diese Widersprüche, die bei seinem Vater noch Merkmal seiner Stärke, seines Wohlstands und seiner Bevorzugung auf Grund seiner Zugehörigkeit zu den USA waren, die Said immer wieder in ernsthafte Identitätsprobleme stürzen.
In der Schule mit britischen und amerikanischen Kindern fühlt er sich wieder eher als Araber. In den USA bildetet sich mehr und mehr seine gemischte amerikanische und palästinensische Identität heraus. Eine Zufriedenheit kommt mit dieser Kombination allerdings nicht zustande. Die Konflikte und Zweifel bleiben.
Da Said aus einer palästinensischen Händlerfamilie stammt und in einem Milieu in Ägypten und dem Libanon heranwächst, das heute nicht mehr existiert, hat seine Autobiographie einen melancholischen, zum Teil traurigen Unterton. Er schreibt diese Autobiographie als Krebskranker und damit als zur Reflexion über sich gezwungener Mensch. Am Anfang ließt sich das Buch teilweise schwer, weil sich Said manchmal in Interpretationen versucht, die zumindest bei mir nicht immer schlüssig ankamen. Rasch gewinnt das Buch an Einsichten und das Puzzle der Fremdheit und Ausgeschlossenheit fügt sich immer besser zueinander.
Es ist ein ergreifendes, aufschlussreiches Buch über einen interessanten Lebensweg. Zugleich ist es auch eine Rückschau in den Nahen Osten unter Kolonialherrschaft. Und es ist ein Buch eines arabisch-palästinensischen Christen, der die meiste Zeit in einer meist fremden, westlichen Welt gelebt hat. Es ist ein großer Glücksfall, dass ein so renomierter Wissenschaftler wie Said zur Feder gegriffen hat und seine Autobiographie verfasst hat. Damit erschließt sich auch ein wenig der Hintergrund für seine wissenschaftlichen Werke, wie zum Beispiel seine Abrechnung mit der Orientalistik ("Orientalism"). Insgesamt ein sehr spannendes und informatives Buch.