...unterbreitet Florence ihrem frisch angetrauten Ehemann noch in der Hochzeitsnacht, die für beide der Höhepunkt in ihrem bisherigen Leben ist, aber auf Grund der Unerfahrenheit ihrer jungen Liebe scheitert.
Doch der Reihe nach: Nach der Trauungszeremonie finden sich Edward und Florence in einer romantischen Hotel-Suite am Strand des Ärmelkanals wieder, doch beiden ist es nicht möglich auszusprechen, was sie sich längst hätten sagen müssen: Edward, dass ihm die Erfüllung der Liebe in dieser Hochzeitsnacht überaus wichtig ist, und Florence, dass sie sich in Wahrheit vor jeder Form der körperlichen Liebe ekelt. Nach dem Dinner kommt es im Schlafgemach zum unausweichlichen Streit, denn die Erwartungen, die Edward an seine frisch angetraute Liebste stellt, kann Florence nicht erfüllen und ihm die Liebe, nach der er sich sehnt, nicht schenken.
Nach einem heftigen Streit läuft Florence einige Kilometer den Strand entlang. Edward, in seinem Stolz als Mann zutiefst gekränkt, wartet zunächst eine Zeitlang ab, besinnt sich aber dennoch, ihr an den Strand zu folgen. Er macht ihr Vorhaltungen und Vorwürfe, was Florence nach einem heftigen Wortgefecht schließlich dazu bewegt, das - in Edwards Augen - unmögliche und "unmoralische" Angebot zu unterbreiten (wie das Angebot aussieht, kann hier nicht verraten werden, um die Spannung nicht vorweg zu nehmen).
Die ganze Geschichte spielt in der Hochzeitsnacht, doch gibt es immer wieder ausführliche (manchmal für meinen Geschmack vielleicht etwas zu weit ausschweifende) Rückblicke in die Vergangenheit der beiden Protagonisten. Florence, eine ambitionierte Cellistin, kommt aus einem hoch angesehenen Elternhaus (ihre Mutter ist Professorin an einer Universität in Oxford) und Edward, mit einem Magister in Geschichte in der Tasche, ist das Kind einer ganz gewöhnlichen Arbeiter-Familie und seine Mutter seit einem Unfall geistig krank; Edward möchte am liebsten, dass Florence so wenig wie möglich über seine Familie und seine kranke Mutter erfährt...
Ian McEwan's Schreibstil überrascht und erfreut mich jedes Mal aufs Neue! Ihm gelingt es perfekt, seine LeserInnen mit seinen Romanen (so auch mit seinem Werk "Am Strand") in eine atmosphärisch dichte und geladene Spannung zu entführen und die wechselnden Stimmungen dieser Hochzeitsnacht mit seinen Worten so präzise zum Leser zu transportieren, dass es eine reine Freude ist, in die Welt des Autors einzutauchen.
Absolute Kaufempfehlung von fünf Sternen für dieses fantastische Buch!