Der einzige Vorwurf, den sich Markus Werner mit seinem Buch "Am Hang" zuweilen ausgesetzt sieht, ist der, dass die Handlung doch arg konstruiert wirkt.
Ich persönlich, sehe darin keine Schwachstelle des Buches, sondern vielmehr ein Muss.
Die zwei Hauptcharaktere Loos und Clarin treffen am Pfingstwochenende im Tessin in einem Hotel aufeinander, als Clarin einen freien Platz - auf der ansonsten hoffnungslos überfüllten Terasse des Hotels - sucht. Durch dieses scheinbar zufällige Aufeinandertreffen geraten beide ins Gespräch. Clarin, der junge, erfolgreiche Hedonist, trifft hier quasi auf seinen Gegenpol, den enttäuschten Linken Loos, der, vereinfacht dargestellt, das Grundkonzept seiner Überzeugung jedoch vehement verteidigt. Schon die Figuren, die hier aufeinandertreffen, wirken auf seltsame Weise konstruiert. Sie bilden lediglich das Transportmittel, für das, was Werner zweifelsohne mit seinem Buch gelungen ist: Eine brilliante Abbildung zweier grundverschiedener Lebenseinstellungen, die sich in einer ständig zuspitzenden Dialogsituation befinden. Es dreht sich um Moral, Lebenseinstellungen und die Konsequenzen, die sich aus gewissen Lebenseinstellungen ergeben. Alle Figuren und die ganze Umgebung bilden hier lediglich das statische Gerüst, die Bühne mit der die ganz im Zentrum stehenden Dialoge hervortreten können.
Für mich liegt die großartige Pointe des Buches nicht im Ende, das für den aufmerksamen Leser wirklich nicht überraschend kommt. Vielmehr wird durch das Ende wieder ein perfektes Gleichgewicht zwischen Clarin und Loos hergestellt, da Loos' Dominanz innerhalb der Dialoge relativiert wird. Denn die besitzt Loos zweifelsohne; immer eine scharfe Bemerkung, immer eine Pointe mehr im Ärmel, dominiert er Clarin auf recht elegante Art.
Durch das Ende gewinnt, Werners Buch somit ein Gleichgewicht, eine Anregung zum Nachdenken, die vor allem auch handwerklich Ihresgleichen sucht. Er vermeidet vor allem durch seine schriftstellerische Klasse, dass das Buch den Hauch von Zeigefingermoral bekommt. Das Konstruierte ist dafür aber unentbehrlich.
Wer den scharfen Dialog liebt, den plötzlichen Übergang vom Seichten zum Scharfen, der ist bei Werner richtig aufgehoben. Jeder, dem die bedingungslose Unterordnung der Umgebung und der Figuren, so gut sie auch gemacht sei, wiederstrebt und der sich eher ganzheitliche Darstellungen von Moral und Lebenseinstellungen wünscht, der sei unter anderem auf Hesse verwiesen (von Markus Werner in seinem Buch übrigens selber mit einem Augenzwinkern empfohlen).