Das kleine amerikanische Städtchen Barnard's Crossing steht Kopf. Elspeth Bleech, Hausangestellte eines italienischen Nachtclubbesitzers, wird erdrosselt in der Nähe des Synagogengebäudes aufgefunden. Sie war blond, hübsch und Anfang zwanzig. Ansonsten weiß man wenig von ihr. Nur eins findet die Polizei sehr schnell heraus: sie war schwanger. Doch das hilft Ermittler Chief Lanigan zunächst auch nicht weiter. Was ihm fehlt sind Zeugen. Der einzige Mann, der etwas bemerkt haben müßte ist Rabbi David Small, unter dessen Fenster der Mord geschah. Der jedoch hat scheinbar die ganze Nacht lang über jüdischen Gesetzestexten gebrütet.
Kemelmans erster Kriminalroman wurde kurz nach seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1966 sogar mit dem Edgar-Allan-Poe Preis ausgezeichnet. Und das nicht zu unrecht. Neben einer spannenden Krimihandlung, nach klassisch britischer Verbrechenstradition, enthält er zahlreiche Informationen über jüdische Bräuche, Traditionen, Denk- und Verhaltensweisen, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Kemelmann gelingt es, sie derart geistreich ins Handlungsgefüge einzuflechten, daß sie niemals zum langweiligen Beiwerk werden oder gar belehrend erscheinen. Ein weiterer Pluspunkt: die reflektierte Darstellungsweise. So läßt sich der Autor an keiner Stelle dazu herab, eine stereotype schwarz-weiß Schilderung aufzubauen , sondern versucht sogar recht objektiv darzustellen, wie es zu Diskriminierungen und Ausgrenzungen (auch innerhalb einer scheinbar intakten Gemeinschaft) kommen kann. Daß ein gewiefter Krimifan den wahren Täter bereits vierzig Seiten vor Schluß ausmachen kann, ist daher völlig irrelevant. Das Buch bietet einen großartigen Lesespaß; und das ist meiner Meinung nach die beste Empfehlung. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)