Es mag banal, es mag trivial klingen, am Ende gar in falsche Richtung weisen - und doch muß es gesagt (und SO gesagt) werden: Dieses Album ist Balsam für die Seele, für unsere durch Internet und Konsumterror und vieles andere mehr (Kästner hatte noch geschrieben: durchs Pflastertreten) krumm gewordene Seele. Ist Weg weisend. Dorthin, wo ein Miteinander ohne Sichbeweisenmüssen, ohne Neid und Schulterklopfen möglich ist. Wo es genügt zu sein. "Wir reden nicht, wir schweigen nicht, wir sind ganz einfach da...": Manche Textzeilen der neuen Lieder sind von fast biblischer Reinheit.
Die Platte - beinahe ein Konzeptalbum im Gegensatz zur eher heterogenen Vaterland-CD - atmet, strahlt, schwebt. Nimm' Dich nicht so wichtig, will sie sagen, wer bist du schon, laß es laufen, sei einfach da, lebe, und, ja: Genieße! Eine andere, eine tiefere Art des Genusses ist hier gemeint als jene, die wir vom jungen Wecker kennen (und sehr geliebt hatten); Genuß, der aus der Kontemplation erwächst, aus dem stillen Zusammensein, aus der Erkenntnis.
Von jeher vertraute Wecker den Flüssen. Früher, weil sie sich - wie dieser - immer neu verschwendeten. Heute ihrer Tiefe, ihrer Stille, ihrer Präsenz wegen. Konstantin will sich vom Fluß nicht mitreißen lassen. Er steht am Ufer, ist - wieder einmal - am Ende eines Wegabschnitts angekommen, blickt aufs andere Ufer, in die Ferne, zum Horizont hin. Wieder mag Veränderung kommen, auch und gerade für sein zerrissenes, wunderbar wandelbares, sein immer gleiches Ego.
Musikalisch ist den langjährigen Weggefährten Konstantins, aber auch dem neuen, afghanischen Percussionisten Hakim Ludin ein jazziger, bluesiger, beinahe klassischer, manchmal schräger, in jedem Fall ein sehr eigenständiger, kaum verortbarer Geniestreich gelungen. Den besonderen spirit der Lieder, die Leichtigkeit, die stille Melancholie, jenes absichtslose Schlendern erfühlen sie blind, fügen Weniges hinzu. Verdecken nicht. Kaum ein Unterstreichen ist es, mehr ein Andeuten, ein Streicheln. Bescheidener, taktvoller waren (Begleit)Musiker nie.
Wecker am Flußufer: Ein Meilenstein. Nein: Ein Gedicht.
"Nirgendwohin denken, in die Himmel sehn..."