In der Mitte des Buches sagt Seraphine, die junge Freundin des über mehrere Jahre bereits 60-jährigen Donatey, zu ihm: »Dein Freund hat Dir doch gesagt, ... man schreibt nicht aus Müßiggang, sondern weil uns ein Thema am Herzen liegt, weil wir ein Problem darstellen wollen. Not ist es, die der Leser spüren muss.« Welche Not zwang Luc Bondy dazu, dieses Buch zu schreiben, welches Thema lag ihm am Herzen? Er widmete das Buch seiner Mutter. Gibt uns das einen Hinweis?
Im Buch geht es um die Frage nach dem Sinn des Lebens, über Lebenserfahrungen, über Freundschaft, über Familiengeschichte, über das Zusammensein mit und den Neid unter Künstlern. Der Protagonist lebt irgendwann in der nahen Zukunft, reflektiert über sein Leben, das seiner jüdischen Familie aus Offenbach, die im dritten Reich aus Deutschland über Frankreich in die Schweiz floh. Er beschreibt mehrere Episoden, die lose unverknüpft erinnert werden. Einzelne Lebensstränge seiner Freunde aus der jüngeren Vergangenheit enden meist mit dem Tod. Das alles ist lakonisch, fast melancholisch. Doch ist Donatey mehr als ein Beobachter, Erzähler? Erinnerungen werden von Gefühlen verdrängt, Vergangenheit durch aufgefundene Briefe der Mutter nur fragmentarisch erleuchtet. Und fast immer sind es die Leben der anderen und die Vergangenheit, die Donatey beschäftigen, über die er am Fenster nachdenkt.
Luc Bondy schreibt selbst, dass »alles in dieser Erzählung nahe beim Plausiblen und doch nicht im Realen liegt.« Er zeigt in diesem Roman Möglichkeiten und Interpretationen auf, ohne sie klar zu benennen. Die Bilder bleiben blass, die Charaktere flach und diffus. Eine fiktive Autobiografie eines kranken, alten Mannes?
»Wer bin ich? Bin ich überhaupt? Und wie kann ich es mir beweisen?« Das Buch beantwortete mir keine dieser elementaren Fragen. Oder ist das die Antwort?