In zwei Erzählungen lässt uns Klaus Funke ins 19. Jahrhundert eintauchen, zwei Erzählungen um Clara Schumann. Musikfreunde werden sich besonders freuen. Wir begleiten Clara Schumann während ihres Besuches beim sterbenskranken Vater, dem Klavierlehrer und Geschäftsmann Friedrich Wieck, der glaubt, von Beethoven den Auftrag bekommen zu haben, die Klaviertechnik des Meisters an die nächste Generation weiterzugeben. In der zweiten Erzählung begegnen wir den großen Komponisten Johannes Brahms, der in der Steiermark seine vierte Symphonie komponiert. Dann meldet Clara Schumann ihren Besuch an.
Der Prosastil und der Inhalt sind der Romantik verpflichtet: Träume, Visionen, Sehnsucht und der Tod. Clara Schumann verfällt in Erinnerungen und Friedrich Wieck, dem Tode Nahe, verfällt immer mehr in Visionen. „Alle werden sie wahnsinnig“, klagt Clara, die an Robert denken muss, der geistig umnachtet in der Anstalt bei Bonn starb. Vater Wieck lässt sich von Clara Robert Schumanns „Kreisleriana“ vorspielen. In diesem Klavierzyklus ließ sich Robert Schumann vom skurilen Charakter des wahnsinnigen Kapellmeisters Kreisler aus den "Lebensansichten des Kater Murr" vom "Gespensterhoffmann" inspirieren. Damit lässt Friedrich Wieck einen alten Konflikt aufflammen, denn er hat Robert immer abgelehnt und kritisiert außerdem Claras Klavierspieltechnik, die nicht der Technik Beethovens entspricht. Seine Tochter erkennt aber, dass ihr Vater in seiner Vergangenheit fantasiert, denn der Streit mit Schumann ist längst begraben.
Haben wir in der ersten Geschichte mit Lebenserinnerungen und krankhaften Visionen zu tun, so ist das Haupthema der zweiten Erzählung die unstillbare Sehnsucht nach Glück. „Verweile doch, geliebter Augenblick!“, doch die Zeit zerrinnt wie das Glück. Johannes Brahms „hatte sich nicht binden wollen, damals, hatte an sich und seine Werke, die er erst noch schreiben wollte, gedacht, an seine Orchesterstücke, die dem Publikum missfielen.“ Er wolle erst einmal berühmt werden, vom Publikum geliebt und dann....und nun war es zu spät. Er war einsam, wolle Clara Briefe schreiben, ein Zusammenleben war aber nicht mehr möglich. Als Clara Schumann ihn in der Steiermark besucht, verstehen sie sich sehr tief durch ihre Musik. „Am Ende war alles Musik“ - nur durch die Musik. waren Johannes Brahms und Clara vereint.
In diesen Erzählungen erleben wir Romantik pur, und Klaus Funke führt uns gekonnt an die großen Musiker heran und bringt uns einige Musikwerke näher. Im Hintergrund ist Robert Schumann wie ein Schatten gegenwärtig. Ein Muss für Musikliebhaber.