Die Dokumentation begleitet Paul Watson und seine Sea Sheperds bei ihrer 3. antarktischen Kampagne. Das Ziel der Mission ist es, den illegalen Walfang der japanischen Flotte zu blockieren. Den Sea Sheperds stehen dafür zwei Schiffe, mehrere Schlauchboote und ein Hubschrauber zur Verfügung. Gefilmt wird mit mehreren Kameras - zum Teil unter extremen Wind- und Wetterbedingungen, weshalb Bild und Ton nicht immer dem Blu-ray-Standard gerecht werden. Es ist eben kein Hollywoodfilm mit Stuntleuten sondern ein Missionsbericht. Auch deshalb fragt man sich bei manchen Aufnahmen (wenn beispielsweise eines der Schlauchboote um Haaresbreite am Kiel des Walfängers vorbeizieht), wie sich überhaupt ein Kameramann für solche Einsätze hat finden lassen.
Die Doku nimmt sich kein Blatt vor den Mund und es gibt auch keinen Erzähler, der einem lang und breit die Rahmenhandlung erklärt. Man bekommt vielmehr einen Zusammenschnitt des Geschehens und darf/muss sich selbst sein Bild machen. Mitunter wird wild durcheinander geredet und längst nicht immer klappt alles - ganz im Gegenteil. Es ist ein internationales Team von Freiwilligen (Lehrer, Feuerwehrmänner, Studentinnen, Programmierer) und keine eingeschworene Crew. Sie teilen ihre Überzeugung, nicht aber ihre Ausbildung.
Wer einen einseitigen Bericht über fanatische Umweltschützer erwartet, die mit Freude Walfangschiffe versenken, wird eines Besseren belehrt. Mehr als einmal wird deutlich gemacht, dass es um die Beendigung des Walfangs geht, und nicht um die Gefährdung von Mensch und Material, wenngleich sich das nicht immer vermeiden lässt. Harte Arbeit, Kälte und Entbehrungen stehen an der Tagesordnung.
Es wird klar, wie sehr man am Ende der Welt auf sich allein gestellt ist, und das betrifft letztlich alle Schiffe, die dort operieren. Bei "Mann über Bord" darf man deshalb auch nicht zögern, den Gegner um Hilfe zu bitten. Das gilt wie gesagt für alle Beteiligten und macht die Doku umso beeindruckender, als über derartige Kontakte zwischen den erbitterten Gegnern in den Medien sonst nicht berichtet wird. Auch die Funksprüche zu Greenpeace und den japanischen Walfängern sind dokumentiert, wobei Greenpeace mit seiner selbstgefälligen Einstellung dabei objektiv betrachtet sogar noch schlechter wegkommt als die Japaner.
Neben Umweltschützern, die Stinkbomben werfen, Propkiller (Seile zum Blockieren der Schiffschrauben) auslegen oder bei hohem Seegang einfach nur grün in ihren Kojen liegen und auf besseres Wetter hoffen, sieht man auch immer wieder Paul Watson, wie er diversen Zeitungen über Funk Interviews gibt und so die Welt über das informiert, was die Japaner lieber ohne Öffentlichkeit tun würden: in kommerziellem Stil Wale schlachten.
Fazit: Ein beeindruckender Bericht über eine Schlacht am Ende der Welt, die erst zu Ende ist, wenn entweder der letzte Walfänger oder der letzte Wal aus dem Meer verschwunden ist. Es bleibt die Hoffnung, dass Letzteres nicht passieren wird.